Bitcoin · Einstieg

Zehn Fragen, die sich fast alle am Anfang stellen

Zu spät? Ganzer Bitcoin? Verbot? Steuern? Kurze, ehrliche Antworten mit Blick auf die Schweiz.

Samy Nomikos · 7 Min. Lesezeit

Wer sich zum ersten Mal mit Bitcoin beschäftigt, stellt sich fast immer dieselben Fragen. Hier sind meine Antworten auf die zehn häufigsten – kurz, ehrlich und mit Blick auf die Schweiz.

1. Soll ich jetzt kaufen oder lieber warten?

Niemand kann den Kurs zuverlässig vorhersagen. Wer auf YouTube, TikTok, Instagram oder Facebook mit Linien in Kurscharts erklärt, wohin es als Nächstes geht, rät – mal mit mehr, mal mit weniger Glück. Ich bin kein Finanzberater und gebe dir keine Strategie vor. Ich kann dir aber sagen, wie ich es sehe.

Für die meisten Menschen ist ein Sparplan der vernünftigste Weg: Du kaufst in festen Abständen, zum Beispiel jeden Monat, für denselben Betrag. Den perfekten Einstieg erwischst du so nie – aber auch nie ausschliesslich den schlechtesten. Die Schwankungen gleichen sich über die Zeit aus, und du nimmst trotzdem an einer möglichen langfristigen Wertsteigerung teil.

Das passt besonders zu schwankungsreichen Anlagen wie Bitcoin – und nur dann, wenn du davon ausgehst, dass der Wert langfristig steigt. Ein bekannter Grundsatz lautet: Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes. In der Vergangenheit lag, wer Bitcoin mindestens etwa vier Jahre gehalten hat, in aller Regel im Plus, mit einem Sparplan oft schon früher. Das setzt allerdings voraus, dass du so lange dabeibleibst und von Bitcoin grundsätzlich überzeugt bist. Übrigens: Du musst keinen ganzen Bitcoin kaufen, schon 20 oder 50 Franken genügen.

Ein Beispiel: Wer im Herbst 2021 kurz vor dem damaligen Höchststand alles auf einmal investiert hat, sah ein Jahr später ein Minus von über 70 Prozent. Wer stattdessen jeden Monat denselben Betrag investierte, kaufte während des Einbruchs automatisch günstiger nach und war deutlich früher wieder im Plus. Ob du dir den Kursverlauf vorher anschaust oder nicht: Der Sparplan nimmt dir die schwierigste Entscheidung ab.

2. Wird Bitcoin verboten?

Das Netzwerk selbst lässt sich nicht verbieten oder zentral abschalten, weil es auf Computern in der ganzen Welt läuft – so wenig, wie man das Internet abschalten kann. Ein Staat könnte allenfalls den Besitz verbieten. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich: Ein solches Verbot liesse sich kaum durchsetzen und würde Menschen mit ihrem Vermögen ins Ausland treiben. Beispiele wie Nigeria und China zeigen, dass Einschränkungen die Nutzung eher verlagern als verhindern.

Die Entwicklung geht ohnehin in die andere Richtung. In den USA bieten seit Januar 2024 grosse Vermögensverwalter wie BlackRock börsengehandelte Bitcoin-Fonds an, und die US-Regierung hat im März 2025 eine strategische Bitcoin-Reserve beschlossen. Eine einflussreiche Finanzbranche, die an Bitcoin verdient, und Staaten, die selbst Bitcoin halten, machen ein Verbot in westlichen Ländern äusserst unwahrscheinlich. In der Schweiz ist Bitcoin legal und gesetzlich geregelt. Mit dem sogenannten DLT-Gesetz hat die Schweiz 2021 als eines der ersten Länder einen klaren Rechtsrahmen für Kryptowerte geschaffen, und Anbieter unterstehen den Regeln gegen Geldwäscherei.

3. Bei welchem Anbieter soll ich kaufen?

Achte auf drei Dinge: Der Anbieter ist in der Schweiz von der FINMA bewilligt oder einer Selbstregulierungsorganisation angeschlossen, er legt seine Gebühren offen, und du kannst deine Bitcoin auf ein eigenes Wallet abziehen. Meine Empfehlung findest du auf der Bitcoin-Seite. Wie du Anbieter vergleichst, steht ausführlich in Bitcoin verstehen: Der Einstieg.

4. Welches Wallet soll ich nutzen?

Langfristig empfehle ich ein Hardware-Wallet: Es ist sicher und trotzdem einfach zu bedienen, weil dein Schlüssel das Gerät nie verlässt. Bevor du dich entscheidest, lohnt es sich zu verstehen, wie eine Wallet funktioniert und was private und öffentliche Schlüssel und Adressen sind – das erkläre ich in Was ist eine Wallet? und Was ist Kryptographie?. Achte auf ein Gerät mit eigenem Bildschirm, offenem Programmcode und Sicherheitschip. Ich empfehle die BitBox02 aus Zürich. Für den Anfang und für kleinere Beträge im Alltag genügt auch eine Wallet-App auf dem Handy. Wichtig ist bei beiden: Nur du kennst die Sicherungswörter. Mehr in Bitcoin selbst verwahren.

5. Lohnt sich Bitcoin-Mining?

Das kommt darauf an. Mining kann rentabel sein, braucht aber viel Energie und teure Spezialgeräte. Ob es sich lohnt, entscheidet vor allem der Strompreis: Die Kosten müssen deutlich unter dem liegen, was die geschürften Bitcoin wert sind. Bei Schweizer Haushaltsstrompreisen rechnet sich Mining für Privatpersonen meist nicht. Eine Ausnahme ist, wer grosse Mengen fast kostenlosen Stroms hat, etwa Überschüsse aus einer eigenen Solaranlage. Steuerlich gelten geschürfte Bitcoin in der Schweiz als Einkommen, anders als gekaufte. Im Zweifel klärst du das mit einer Steuerberatung.

6. Muss ich Steuern zahlen?

In der Schweiz sind Kursgewinne auf Bitcoin im Privatvermögen grundsätzlich steuerfrei. Deinen Bestand gibst du aber jedes Jahr in der Steuererklärung an: Er unterliegt der Vermögenssteuer, bewertet zum Kurs vom 31. Dezember, den die Eidgenössische Steuerverwaltung veröffentlicht. Erträge wie Staking-Prämien oder Einnahmen aus Mining gelten als Einkommen. Wer sehr viel handelt oder auf Kredit kauft, kann als gewerbsmässiger Händler eingestuft werden; dann sind Gewinne steuerbar. Notiere dir Käufe und Verkäufe mit Datum, Menge und Preis – Programme zur Krypto-Buchhaltung helfen dabei. Das ist keine Steuerberatung; im Zweifel fragst du deine kantonale Steuerverwaltung.

7. Welche anderen Kryptowährungen empfiehlst du?

Es gibt Tausende Kryptowährungen. Aus meiner Sicht löst aber nur Bitcoin ein wirklich relevantes Problem. Wer nach der nächsten Münze sucht, die über Nacht reich macht, verliert meistens. Sei vorsichtig mit Empfehlungen im Internet: Es kursieren viele Falschinformationen, und die meisten Projekte leben von Hype, Unwissen und Gier. Wer eine Münze anpreist, will oft vor allem Käufer für seine eigenen Bestände.

In der Szene gilt deshalb: Mach dir selbst ein Bild, statt Empfehlungen zu vertrauen. Dass grosse Vermögensverwalter und sogar die US-Regierung Bitcoin halten, zeigt, dass er als ernsthafte Anlage gilt – überzeugen solltest du dich aber selbst. Konzentriere dich zuerst auf Bitcoin: Verstehe, welche Probleme er löst, wie er funktioniert und warum er wertvoll sein kann.

8. Ist das Projekt XY Betrug?

Rund um Krypto gibt es leider sehr viel Betrug. Ein paar Warnsignale erkennst du schnell:

  • Es werden sehr hohe oder sogar feste Renditen versprochen.
  • Du verdienst mehr, wenn du andere Leute anwirbst (Strukturvertrieb, Multi-Level-Marketing).
  • Du sollst Geld für «Cloud-Mining», «Server-Mining» oder einen «Trading-Bot» einzahlen. Solche Angebote haben schon unzählige Anlegerinnen und Anleger ihr ganzes Geld gekostet.
  • Ein angeblicher Support, eine neue Online-Bekanntschaft oder ein Video mit einem Prominenten drängt dich zu einer schnellen Überweisung.
  • Jemand fragt nach deinen Sicherungswörtern. Das tut kein seriöser Anbieter – nie.

Im Zweifel gilt: Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das auch. Bei Verdacht kannst du dich an die Polizei wenden; in der Schweiz informieren auch die Kantonspolizeien und das Bundesamt für Cybersicherheit über aktuelle Betrugsmaschen.

9. Mein Wallet zeigt mir 24 Wörter und fragt nach einem Adresstyp. Was nun?

Die 12 oder 24 Wörter sind die Sicherung deines Wallets und garantieren dir den Zugang zu deinen Bitcoin – auch wenn das Gerät verloren geht. Schreib sie in der richtigen Reihenfolge von Hand auf und bewahre sie sicher und vor anderen verborgen auf, am besten zusätzlich auf einer Metallplatte. Nie fotografieren, nie in eine Cloud, ein Passwort-Programm oder eine E-Mail tippen. Weil das Format standardisiert ist, bist du nicht an einen Hersteller gebunden: Mit denselben Wörtern kannst du dein Wallet auch in einer anderen App oder auf einem anderen Gerät wiederherstellen.

Der Adresstyp bestimmt, wie deine Empfangsadressen aufgebaut sind. Neuere Typen (beginnend mit «bc1») sind meist günstiger in den Gebühren und die richtige Wahl, wenn du nichts anderes brauchst. Die Unterschiede erkläre ich in Bitcoin-Adressen: Wo sind die Unterschiede?

10. Wo finde ich gute Informationen über Bitcoin?

Vorsicht bei vielen Newsportalen: Rund um Bitcoin werden gerne Falschmeldungen und reisserische Schlagzeilen verbreitet, weil sie Klicks bringen. Verlässlicher sind Quellen, die sich seit Jahren ernsthaft mit dem Thema beschäftigen. Auf dieser Website habe ich dir einiges zusammengestellt:

Wer lieber zuhört, findet gute deutschsprachige Podcasts und Videokanäle zu Bitcoin, und in Foren und an lokalen Bitcoin-Treffen kannst du Fragen direkt stellen. Wichtig ist bei allen Quellen: Mach dir selbst ein Bild.

Keine Finanz- oder Steuerberatung.

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