Kurz gesagt
- Eine Wallet ist ein Werkzeug zum Senden und Empfangen von Bitcoin.
- Sie enthält keine Bitcoin, sondern Schlüssel. Die Bitcoin selbst stehen im öffentlichen Kassenbuch, der Blockchain.
- Wer die Schlüssel kontrolliert, kontrolliert die Bitcoin: «Not your keys, not your coins.»
- Wallets unterscheiden sich vor allem in ihrer Sicherheit, etwa Handy-Wallets und Hardware-Wallets.
Das Wichtigste in Kürze
Bitcoin senden, empfangen und den Kontostand prüfen könnte man theoretisch auch von Hand, mit ein paar Befehlen und viel Geduld. In der Praxis nutzt dafür aber fast jede und jeder eine Wallet, auf Deutsch eine digitale Brieftasche. Der Name ist allerdings irreführend: In einer Wallet liegen keine Bitcoin. Wem welche Bitcoin gehören, steht im öffentlichen Kassenbuch, das auf Tausenden Computern weltweit gespeichert ist.
Was die Wallet verwaltet, sind deine Schlüssel. Willst du Bitcoin ausgeben, erstellt die Wallet eine Überweisung, unterschreibt sie mit deinem privaten Schlüssel und schickt sie ins Netzwerk. Die Unterschrift beweist, dass du den Schlüssel besitzt, ohne ihn zu verraten. Deshalb gilt: Gib deinen privaten Schlüssel nie weiter. Wer ihn kennt, hat die volle Kontrolle über deine Bitcoin.
Nur wer seine Schlüssel selbst hält, besitzt wirklich Bitcoin. Ein Guthaben auf einer Handelsplattform ist dagegen nur ein Versprechen des Anbieters, dir Bitcoin auszuzahlen – vergleichbar mit einem Guthaben bei einer Bank.
Wie die Schlüssel zusammenhängen
Am Anfang steht eine riesige Zufallszahl: dein privater Schlüssel. Aus ihm berechnet die Wallet mit einem mathematischen Verfahren deinen öffentlichen Schlüssel. Diese Berechnung funktioniert nur in eine Richtung: Aus dem öffentlichen Schlüssel lässt sich der private nicht zurückrechnen. Trotzdem kann jede und jeder mit dem öffentlichen Schlüssel prüfen, ob eine Unterschrift vom passenden privaten Schlüssel stammt. Mehr dazu in Was ist Kryptographie?
Aus dem öffentlichen Schlüssel wird schliesslich deine Bitcoin-Adresse abgeleitet, meist über einen Hash und mit einer eingebauten Prüfziffer, die Tippfehler erkennt. Diese Adresse gibst du weiter, wenn dir jemand Bitcoin senden soll. Genau genommen kennt das Bitcoin-Netzwerk gar keine «Adressen»: Eine Adresse ist eher eine Anleitung, wie die Überweisung an dich aufgebaut werden muss, damit nur dein Schlüssel sie wieder ausgeben kann. Dahinter steckt eine kleine Programmiersprache namens Bitcoin Script.
Adresstypen
Bitcoin-Adressen sehen nicht alle gleich aus. Im Lauf der Jahre kamen neue Adresstypen hinzu, die effizienter sind oder mehr können. Am Anfang der Adresse erkennst du den Typ:
- Beginnt mit 1 (Legacy): der ursprüngliche Typ aus den Anfangsjahren. Er funktioniert weiterhin, verursacht aber die höchsten Gebühren.
- Beginnt mit 3 (Pay-to-Script-Hash): wurde unter anderem für Mehrfachsignaturen und als Übergangslösung genutzt.
- Beginnt mit bc1q (Native SegWit): seit 2017 verbreitet, günstiger in den Gebühren und mit besserer Fehlererkennung. Für die meisten die richtige Wahl.
- Beginnt mit bc1p (Taproot): seit 2021 möglich, mit Vorteilen bei Privatsphäre und komplexeren Bedingungen.
Alle Typen sind miteinander kompatibel: Du kannst von jeder Adresse an jede andere senden. Fragt dich deine Wallet beim Einrichten nach dem Adresstyp, ist Native SegWit (bc1q) ein guter Standard. Mehr dazu in Bitcoin-Adressen: Wo sind die Unterschiede?
Die moderne Wallet: alles aus einer Quelle
Frühe Wallets erzeugten jeden Schlüssel einzeln. Wer viele Adressen nutzte, hatte viele Schlüssel – und musste jeden einzeln sichern. Ging die Sicherung vergessen, waren die Bitcoin auf den neueren Adressen verloren.
Heutige Wallets sind sogenannte HD-Wallets (hierarchisch-deterministisch). Alle Schlüssel werden nach festen Regeln aus einem einzigen Geheimnis abgeleitet und lassen sich daraus jederzeit neu berechnen. Das ist einfacher und weniger fehleranfällig, weil eine einzige Sicherung genügt. Dafür ist es etwas schwerer zu verstehen; das Grundprinzip – privater Schlüssel, öffentlicher Schlüssel, Adresse – bleibt aber dasselbe.
Die Sicherungswörter
Man kann sich eine HD-Wallet wie einen Baum vorstellen. Seine Wurzel ist eine sehr grosse Zufallszahl, aus der alle Äste und Blätter – deine Schlüssel – hervorgehen. Mit solchen Zahlen können Menschen schlecht umgehen; man vertippt oder verschreibt sich zu leicht. Deshalb wird die Zahl als Liste von meist 12 oder 24 englischen Wörtern dargestellt, ausgewählt aus einer festen Liste von 2048 Wörtern.
Umgangssprachlich nennt man diese Wörter «Seed» oder «Seed-Phrase», technisch korrekt heissen sie mnemonische Phrase (von griechisch mnēmē, Gedächtnis). Die Wörter allein genügen, um sämtliche Schlüssel der Wallet wiederherzustellen. Wer sie kennt, kontrolliert alle Bitcoin darin.
Anders als bei einer Bank eröffnest du bei Bitcoin kein Konto bei einem Anbieter: Du erzeugst deine Schlüssel selbst, auf deinem Gerät, ohne dass jemand davon erfährt. Dass zufällig jemand anderes dieselben Wörter erzeugt, ist theoretisch möglich, praktisch aber ausgeschlossen – die Zahl der möglichen Kombinationen ist so gross, dass man eher mehrmals hintereinander im Lotto gewinnt.
Sicherung
Deine Sicherungswörter gehören offline aufbewahrt: auf Papier oder besser auf einer Stahlplatte, in die du die Wörter stanzt oder gravierst und die Feuer und Wasser übersteht. Digitale Kopien – Fotos, Dateien, Cloud-Speicher, Passwort-Programme – sind keine gute Idee: Sie vergrössern die Angriffsfläche, und du brauchst die Sicherung ohnehin nur im seltenen Notfall.
Notiere zur Sicherung auch ein paar Angaben, die dir im Ernstfall helfen: einen Namen für die Wallet, das Erstellungsdatum, welche App oder welches Gerät du verwendet hast und ob eine Passphrase dazugehört (aber nicht die Passphrase selbst). Wie du die Sicherung sicher aufbewahrst, erkläre ich ausführlich in Bitcoin selbst verwahren.
Ableitungspfade
Ein oft übersehenes, aber wichtiges Detail moderner Wallets sind die Ableitungspfade. Bleiben wir beim Bild des Baums: Der Ableitungspfad ist eine Wegbeschreibung, die von der Wurzel über bestimmte Äste zu einem bestimmten Schlüssel führt. Ein Pfad sieht zum Beispiel so aus: m/84'/0'/0'/0/0. Jede Zahl steht für eine Ebene im Baum – etwa für den Adresstyp, die Währung, das Konto und die laufende Nummer der Adresse.
Für die verschiedenen Adresstypen gibt es Standards, die festlegen, welche Pfade verwendet werden, und die meisten Wallets halten sich daran. Das ist wichtig, wenn du deine Wallet in einer anderen App wiederherstellst: Nutzt die neue App einen anderen Pfad, siehst du deinen Bestand nicht, obwohl die Wörter stimmen. Die Bitcoin sind dann nicht verloren – die App sucht nur am falschen Ast. Darum lohnt es sich, bei der Sicherung zu notieren, welche Wallet und welcher Adresstyp verwendet wurden.
Achtung beim Wort «Seed»
Streng genommen ist der «Seed» nicht dasselbe wie die Sicherungswörter: Technisch wird aus den Wörtern (und einer allfälligen Passphrase) zuerst ein Seed berechnet, und erst daraus entstehen die Schlüssel. Weil im Alltag beides «Seed» genannt wird, kann das verwirren. Gemeint sind meistens die Wörter.
Die optionale Passphrase
Zusätzlich zu den Sicherungswörtern kannst du eine selbst gewählte Passphrase verwenden, oft «25. Wort» genannt. Mit ihr entsteht ein völlig anderer Seed und damit eine ganz neue Wallet. Die Passphrase wirkt wie ein zweiter Faktor: Wer nur die Wörter findet, kommt nicht an deine Bitcoin. Für Einsteiger ist sie aber fehleranfällig und verwirrend – ein falsch geschriebenes Zeichen, und du siehst eine leere Wallet. Probiere sie erst aus, wenn du die Grundlagen sicher beherrschst. Mehr dazu in Was ist eine optionale Passphrase?
Arten von Wallets
Welche Wallet die richtige ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Wallets unterscheiden sich in Sicherheit und Funktionen. Als Faustregel gilt: Je schwieriger es ist, an die privaten Schlüssel zu gelangen oder die Wallet zu manipulieren, desto sicherer ist sie. Die wichtigste Unterscheidung ist, ob die Wallet mit dem Internet verbunden ist.
Hot Wallets
Hot Wallets sind mit dem Internet verbunden: Apps auf dem Handy, Programme auf dem Computer oder Erweiterungen im Browser.
- Vorteile: schnell eingerichtet, einfach zu bedienen, kostenlos.
- Nachteile: weniger sicher, weil das Gerät online ist und Angreifern eine Angriffsfläche bietet.
Cold Wallets
Cold Wallets sind offline oder vom Internet getrennt und meist mit zusätzlichen Schutzmassnahmen ausgestattet. In der Regel handelt es sich um Hardware-Wallets.
- Vorteile: deutlich höhere Sicherheit und mehr Ruhe.
- Nachteile: etwas mehr Aufwand und Kosten für das Gerät.
Offline heisst aber nicht automatisch sicher. Jede Wallet muss irgendwann mit dem Netzwerk kommunizieren, um eine Überweisung abzuschicken. Absolute Sicherheit gibt es nicht – nur mehr oder weniger gute Abwägungen.
Hardware-Wallets
Für grössere Beträge empfehle ich ein Hardware-Wallet. Es beseitigt viele Schwächen von Hot Wallets, ohne die Bedienung kompliziert zu machen. Gute Geräte sind so gebaut, dass sie selbst bei unvorsichtigem Gebrauch wenig Fehler zulassen: Der Schlüssel verlässt das Gerät nie, und jede Überweisung prüfst du auf dem eigenen Bildschirm.
Ab welchem Betrag sich ein Hardware-Wallet lohnt, ist eine persönliche Frage. Ein Vergleich hilft: 100 Franken trägst du ohne Bedenken im Portemonnaie herum, 100'000 Franken eher nicht. Ich empfehle die BitBox02 aus Zürich – für Einsteiger wie für Fortgeschrittene. Weitere bekannte Hersteller sind Trezor, Coldcard oder Blockstream mit dem Jade, jeweils mit eigenen Stärken. Worauf du beim Kauf achten solltest, steht in Bitcoin selbst verwahren.
Senden und Empfangen in der Praxis
Um Bitcoin zu empfangen, zeigt dir die Wallet eine Adresse, meist auch als QR-Code. Diese gibst du der Person oder Plattform, die dir Bitcoin senden soll. Gute Wallets erzeugen für jeden Empfang eine neue Adresse. Das ist kein Fehler, sondern schützt deine Privatsphäre: So kann niemand alle deine Zahlungseingänge auf einen Blick zusammenzählen. Alle Adressen gehören trotzdem zu derselben Wallet und lassen sich mit denselben Sicherungswörtern wiederherstellen.
Um Bitcoin zu senden, gibst du die Adresse des Empfängers und den Betrag ein und wählst eine Gebühr. Je höher die Gebühr, desto schneller nehmen Miner die Überweisung in einen Block auf. Wie hoch die Gebühren gerade sind, siehst du live auf meiner Bitcoin-Seite. Prüfe die Adresse vor dem Absenden immer genau – bei einem Hardware-Wallet auf dessen Bildschirm. Eine falsche Adresse lässt sich nicht korrigieren, und eine einmal bestätigte Überweisung ist endgültig.
Lightning-Wallets
Für kleine Beträge im Alltag gibt es Wallets für das Lightning-Netzwerk. Dort sind Zahlungen in Sekunden erledigt und kosten fast nichts. Statt einer Bitcoin-Adresse zeigt dir eine Lightning-Wallet eine Zahlungsanforderung, die sogenannte Rechnung oder «Invoice». Viele Apps unterstützen heute beides, das Hauptnetz und Lightning.
Wallets für Fortgeschrittene
Mit sogenannten Watch-only-Wallets kannst du deinen Bestand auf dem Computer oder Handy beobachten, ohne dass der private Schlüssel dort liegt – praktisch zusammen mit einem Hardware-Wallet. Bei Multisig-Wallets braucht es mehrere Schlüssel, zum Beispiel zwei von drei, um eine Überweisung freizugeben. Das schützt vor Verlust und Diebstahl eines einzelnen Schlüssels, ist aber komplexer in der Einrichtung.
Paper-Wallets: besser nicht
Aus den Anfangsjahren von Bitcoin stammen Paper-Wallets: ein einzelnes Schlüsselpaar, das man erzeugt und auf Papier ausgedruckt hat. Sie gehören nicht zum modernen Standard der HD-Wallets und werden oft fälschlicherweise für besonders sichere Offline-Aufbewahrung gehalten. Ich rate davon ab:
- Die Schlüssel werden oft mit undurchsichtigen, veralteten Webseiten oder Programmen erzeugt, denen man kaum vertrauen kann.
- Um die Bitcoin auszugeben, muss man den privaten Schlüssel in eine Hot Wallet importieren – genau das, was man vermeiden wollte.
- Bitcoin funktioniert ähnlich wie Bargeld: Wer etwas ausgibt, bekommt Wechselgeld zurück. Bei einer Paper-Wallet mit nur einer Adresse ist das umständlich, und wer das Wechselgeld vergisst, verliert es.
Aller Anfang ist schwer
Wallets wirken am Anfang kompliziert, aber die Grundidee ist einfach: Deine Schlüssel sind deine Bitcoin. Beginne mit einer seriösen App und einem kleinen Betrag, übe Senden und Empfangen, probiere die Wiederherstellung aus – und steige auf ein Hardware-Wallet um, sobald der Betrag für dich wichtig wird. Fragen kannst du an lokalen Bitcoin-Treffen oder in Foren stellen; dort helfen erfahrene Leute gerne weiter.