Wer Bitcoin besitzt, muss sich früher oder später fragen: Wo bewahre ich sie auf? Auf einer Plattform, in einer App auf dem Handy, auf einem Hardware-Wallet oder über ein Börsenprodukt? Dieser Beitrag zeigt dir die Möglichkeiten, ihre Vor- und Nachteile und wie du es sicher machst.
Sei deine eigene Bank
Bitcoin erlaubt etwas, das mit Geld auf dem Bankkonto unmöglich ist: Du kannst es vollständig selbst verwahren, ohne Bank oder anderen Mittelsmann. In der Bitcoin-Szene gilt der Grundsatz «Not your keys, not your coins» – nicht deine Schlüssel, nicht deine Bitcoin. Wem die Bitcoin gehören, entscheidet allein, wer den privaten Schlüssel kontrolliert. Was eine Plattform dir in ihrer App anzeigt, ist nur ein Versprechen; das Bitcoin-Netzwerk selbst kennt solche Guthaben nicht.
Selbstverwahrung bedeutet aber auch Eigenverantwortung, und Fehler können teuer sein. Ein bekanntes Beispiel ist ein Mann aus Wales, der seit Jahren versucht, auf einer Mülldeponie nach einer weggeworfenen Festplatte mit seinen Schlüsseln zu suchen. Manche lassen ihre Bitcoin deshalb lieber bei einem Anbieter. Wie teuer es sein kann, die Kontrolle abzugeben, haben aber die Zusammenbrüche von Mt. Gox und FTX gezeigt.
Die Möglichkeiten im Überblick
| Art | Wer hat den Schlüssel? | Geeignet für |
|---|---|---|
| Guthaben auf einer Plattform | Der Anbieter | Kaufen und kleine Beträge |
| Börsengehandeltes Produkt (ETP/ETF) | Ein Verwahrer im Auftrag des Emittenten | Wer nur am Kurs teilhaben will |
| Handy-Wallet («Hot Wallet») | Du, auf deinem Handy | Kleine bis mittlere Beträge, Alltag |
| Hardware-Wallet («Cold Wallet») | Du, auf einem Gerät ohne Internet | Ersparnisse und grössere Beträge |
1. Auf der Plattform lassen
Das ist am einfachsten, und die meisten fangen so an: Nach dem Kauf liegen die Bitcoin automatisch bei der Plattform. Bequem ist das, aber nicht ohne Risiko.
- Konkurs: Geht eine Plattform pleite, sind Kundenguthaben nicht immer geschützt. In der Schweiz können Kryptowerte seit 2021 im Konkurs zwar herausverlangt werden, wenn sie jederzeit eindeutig dem Kunden zugeordnet sind (Art. 242a SchKG). Ob das bei einer Plattform tatsächlich so ist und ob die Bitcoin dann überhaupt noch vorhanden sind, kannst du als Kunde aber kaum prüfen.
- Mt. Gox: Die damals grösste Bitcoin-Börse brach 2014 nach Hacks zusammen. Viele Kundinnen und Kunden warteten rund zehn Jahre auf eine teilweise Entschädigung.
- FTX: Die Börse galt 2022 als eine der drei grössten der Welt. Sie hatte Kundengelder zweckentfremdet, wurde nach einem Ansturm auf Auszahlungen zahlungsunfähig, und viele verloren ihr Guthaben.
- Hacks: Plattformen sind wegen der grossen Bestände ein beliebtes Ziel für Angreifer, auch wenn sie verantwortungsvoll geführt werden.
- Konto-Übernahme: Gelangen Betrüger an deine Zugangsdaten, können sie deine Bitcoin abziehen. Bitcoin-Überweisungen lassen sich nicht rückgängig machen.
Für den Einstieg und kleine Beträge ist eine Plattform trotzdem in Ordnung, wenn du ein paar Regeln beachtest: Wähle einen vertrauenswürdigen Anbieter, der in der Schweiz von der FINMA bewilligt oder einer Selbstregulierungsorganisation angeschlossen ist. Aktiviere die Zwei-Faktor-Anmeldung. Und nimm einen Anbieter, bei dem du deine Bitcoin auf ein eigenes Wallet abziehen kannst. Manche Neobroker erlauben das nicht. Das senkt zwar das Risiko, dass jemand über dein Konto Bitcoin abzieht, aber wenn du später selbst verwahren willst, musst du verkaufen und anderswo neu kaufen – mit Gebühren und dem Risiko, in der Zwischenzeit einen Kursanstieg zu verpassen.
2. Börsengehandelte Produkte (ETP, ETF)
Bitcoin-Produkte gibt es auch an der Börse. In der Schweiz werden sie seit 2018 an der SIX gehandelt, in den USA gibt es seit Januar 2024 sogenannte Spot-ETFs. Hierzulande sind sie meist als Zertifikate (ETP) aufgebaut, die den Bitcoin-Kurs etwa eins zu eins abbilden und mit echten Bitcoin hinterlegt sein sollten.
Der Vorteil: Du brauchst kein Konto bei einer Krypto-Plattform, ein normales Wertschriftendepot genügt, und um Schlüssel musst du dich nicht kümmern. Die Nachteile:
- Gegenparteirisiko: Rechtlich besitzt du keine Bitcoin, sondern eine Forderung gegenüber dem Herausgeber. Wie bei einer Plattform bist du auf dessen Zuverlässigkeit und die des Verwahrers angewiesen.
- Laufende Gebühren: Jedes Jahr wird eine Verwaltungsgebühr abgezogen. Schon 0,25 Prozent pro Jahr – so viel verlangt etwa BlackRock ab 2026 für ein Bitcoin-Produkt – summieren sich über 40 Jahre auf fast 10 Prozent weniger Bitcoin als bei einem direkten Kauf. Viele Produkte sind deutlich teurer.
- Keine Freiheit: Du kannst mit einem Börsenprodukt nicht bezahlen, keine Bitcoin versenden und bist an Börsenzeiten gebunden.
Steuerlich werden Bitcoin-Produkte in der Schweiz ähnlich behandelt wie direkt gehaltene Bitcoin: Sie gehören in die Steuererklärung und unterliegen der Vermögenssteuer. Für wen das Depot bei der Hausbank die einzige Möglichkeit ist, kann ein solches Produkt ein Einstieg sein. Wer die Vorteile von Bitcoin wirklich nutzen will, kommt um die eigene Verwahrung aber nicht herum.
3. Handy-Wallet
Der schnellste und günstigste Weg zur Selbstverwahrung: Du installierst eine Wallet-App, sie erzeugt deinen privaten Schlüssel direkt auf dem Handy, und nur du hast Zugriff. Manche Schweizer Kauf-Apps funktionieren genau so – die gekauften Bitcoin landen direkt in einem Wallet auf deinem Handy, das nur du kontrollierst.
Beim Einrichten zeigt dir die App 12 oder 24 Wörter. Mit ihnen kannst du dein Wallet jederzeit wiederherstellen. Bewahre sie sicher auf: Geht das Handy verloren und fehlt die Sicherung, sind die Bitcoin für immer weg.
Die Grenzen: Das Handy ist ständig mit dem Internet verbunden, und der Schlüssel entsteht auf einem Gerät, das Schadsoftware befallen kann. Ein Handy-Wallet eignet sich deshalb für kleine bis mittlere Beträge – wie das Bargeld im Portemonnaie – und für Zahlungen im Alltag, etwa über das Lightning-Netzwerk, mit dem du in Sekunden und fast gebührenfrei bezahlen kannst. Viele nutzen deshalb beides: eine App für den Alltag und ein Hardware-Wallet für das Ersparte – so wie man auch nicht das ganze Ersparte im Portemonnaie herumträgt. Wähle eine App, deren Programmcode offen ist, die aktiv weiterentwickelt wird und schon viele Nutzerinnen und Nutzer hat. Bekannte Beispiele sind BlueWallet und die App von Blockstream.
4. Hardware-Wallet
Die sicherste einfache Lösung für alle, die ihre Schlüssel selbst halten wollen. Ein Hardware-Wallet ist ein kleines Gerät, meist etwa so gross wie ein USB-Stick. Der Schlüssel wird auf dem Gerät erzeugt und verlässt es nie. Jede Überweisung musst du direkt auf dem Gerät bestätigen. Weil der Schlüssel nie mit dem Internet in Berührung kommt, spricht man von einem «Cold Wallet» – im Gegensatz zum «Hot Wallet» auf dem Handy. Selbst ein verseuchter Computer kann so nichts stehlen. Für grössere Beträge ist das der richtige Schutz.
Die Geräte unterscheiden sich in der Qualität. Achte auf drei Dinge:
- Offener Programmcode: Fachleute können überprüfen, dass keine versteckten Hintertüren eingebaut sind.
- Sicherheitschip: Er verhindert, dass jemand den Schlüssel aus einem gestohlenen Gerät ausliest.
- Eigener Bildschirm: Betrag und Empfängeradresse prüfst du auf dem Gerät. So fällt auf, wenn manipulierte Software auf dem Computer eine falsche Adresse unterschieben will.
Ich empfehle die BitBox02 aus Zürich, am besten in der Ausgabe nur für Bitcoin. Weitere bekannte Hersteller sind Trezor, Coldcard oder Blockstream mit dem Jade. Viele bieten eine Version an, die nur Bitcoin unterstützt – weniger Code heisst weniger Angriffsfläche. Die Geräte kosten rund 100 bis 200 Franken. Kaufe direkt beim Hersteller, nie gebraucht und nie über unbekannte Händler.
Schritt für Schritt
- Gerät auspacken und prüfen, ob die Verpackung unversehrt ist.
- Die offizielle App des Herstellers installieren und das Gerät verbinden.
- Ein neues Wallet erstellen. Das Gerät zeigt dir 12 oder 24 Wörter.
- Die Wörter in der richtigen Reihenfolge von Hand aufschreiben und die Abschrift mit dem Gerät überprüfen lassen.
- Einen kleinen Betrag empfangen, das Wallet probehalber mit den Wörtern wiederherstellen und erst dann grössere Beträge übertragen.
- Vor jedem Senden die Adresse auf dem Bildschirm des Geräts kontrollieren.
Die Sicherung: dein wichtigster Besitz
Alles hängt an der Sicherung. Geht das Hardware-Wallet oder das Handy verloren oder kaputt und gibt es keine Sicherung, ist der Zugang für immer weg. Umgekehrt kann jede Person, die deine Wörter findet, deine Bitcoin nehmen.
- Getrennt aufbewahren: nie neben dem Gerät, zum Beispiel in einem Tresor oder Bankschliessfach.
- Offline: nie fotografieren, nie abtippen, nie in eine Cloud oder ein Passwort-Programm.
- Dauerhaft: Papier verbrennt und verblasst. Eine Stahlplatte, in die du die Wörter stanzt oder gravierst, übersteht Feuer, Wasser und andere Katastrophen. Gute Lösungen zeigen mit einem Siegel, ob jemand sie geöffnet hat, und bieten Platz für eine Passphrase.
- Geheim: Kein Anbieter, kein Support und keine Behörde fragt je nach diesen Wörtern.
Für Fortgeschrittene
- Passphrase: ein selbst gewähltes zusätzliches Wort, oft «25. Wort» genannt. Ohne die Passphrase sind gefundene oder gestohlene Sicherungswörter wertlos. Aber Achtung: Vergisst du die Passphrase, ist auch für dich der Zugang weg. Merke sie dir gut oder bewahre sie getrennt von den Wörtern auf.
- Sicherung aufteilen: Mit Verfahren wie «Secret Sharing» lässt sich die Sicherung so aufteilen, dass kein einzelner Ort und keine einzelne Person alle Wörter kennt.
- Multisig und Zeitsperren: Bei Multisig müssen mehrere Geräte an verschiedenen Orten eine Überweisung gemeinsam freigeben. Zeitsperren verhindern, dass Bitcoin vor einem bestimmten Zeitpunkt bewegt werden.
Das erhöht die Sicherheit, aber auch die Komplexität. Fang einfach an und baue erst aus, wenn du die Grundlagen beherrschst. Mehr dazu in Was ist eine optionale Passphrase? und Multisig und Mnemonic Split.
Diskretion und Versicherung
Erzähle niemandem, wie viel Bitcoin du besitzt und wie du sie verwahrst. Wer als vermögend bekannt ist, riskiert Einbrüche oder Erpressung. Den besten Schutz bietet eine Einrichtung, bei der du zu Hause gar nicht auf deine Bitcoin zugreifen könntest, selbst wenn du gezwungen würdest – etwa weil die Sicherung in einem Bankschliessfach liegt oder mehrere Orte nötig sind. Für langfristige Anlegerinnen und Anleger ist der Zugriff zu Hause ohnehin selten nötig.
Es gibt inzwischen auch spezialisierte Versicherungen für Bitcoin auf Hardware-Wallets, die bis zu einer bestimmten Summe bei Feuer, Wasserschaden oder Erpressung zahlen. Prüfe die Bedingungen genau und ob das Angebot in der Schweiz gilt.
Typische Fehler, die du vermeiden solltest
- Die Sicherungswörter als Foto auf dem Handy oder in der Cloud speichern.
- Nur eine einzige Kopie auf Papier haben, die bei einem Brand oder Wasserschaden verloren geht.
- Die Empfängeradresse nicht auf dem Gerät prüfen, sondern nur auf dem Computer.
- Ein gebrauchtes oder schon eingerichtetes Hardware-Wallet verwenden.
- Die Wiederherstellung nie ausprobiert haben – und erst im Ernstfall merken, dass ein Wort falsch notiert ist.
Denk an den Ernstfall
Was passiert mit deinen Bitcoin, wenn dir etwas zustösst? Ohne Plan sind sie für deine Familie verloren. Hinterlege eine verständliche Anleitung, wo die Sicherung liegt und wie man sie benutzt – zum Beispiel bei deinem Testament –, ohne die Wörter selbst offen weiterzugeben.
Fazit
Es gibt nicht die eine richtige Lösung. Entscheidend sind dein Betrag, deine Risikobereitschaft und deine Ziele. Für kleine Beträge reicht eine App, für Ersparnisse ist ein Hardware-Wallet mit sauber gesicherten Wörtern mit Abstand die sicherste Wahl – richtig benutzt. Die Geräte sind in den letzten Jahren deutlich einfacher geworden. Nimm dir einmal eine Stunde Zeit dafür – danach hast du die Sicherheit selbst in der Hand.