Eine Bitcoin-Adresse ist meist das Erste, womit man bei Bitcoin in Berührung kommt. Wer zum ersten Mal eine Wallet einrichtet, merkt schnell: Adressen sehen nicht alle gleich aus. Manche beginnen mit 1, andere mit 3, mit bc1q oder bc1p. In diesem Beitrag vergleiche ich die vier gängigen Adresstypen und erkläre, welchen du nutzen solltest.
Warum es Adressen überhaupt gibt
In den allerersten Tagen von Bitcoin gab es noch keine Adressen im heutigen Sinn. Man konnte Bitcoin direkt an einen öffentlichen Schlüssel senden oder sogar an eine IP-Adresse, also direkt an einen bestimmten Computer. Die Zahlung an IP-Adressen war unsicher und wurde schnell wieder entfernt. Und öffentliche Schlüssel sind lang und unhandlich. Adressen lösten beide Probleme: Sie sind kürzer, lassen sich gefahrlos weitergeben und enthalten eine Prüfsumme gegen Tippfehler.
Adresse, Standard und Skript
Eine Bitcoin-Adresse ist kein festes Postfach auf der Blockchain. Sie ist eher eine Anleitung für die Wallet-Software des Absenders: So möchte der Empfänger die Bitcoin erhalten. Wer dir Bitcoin schickt, baut anhand deiner Adresse eine kleine Bedingung in die Überweisung ein, die festlegt, wer die Bitcoin später wieder ausgeben darf. Diese Bedingungen sind in einer einfachen Programmiersprache geschrieben, die Bitcoin Script heisst.
Ein anderes Adressformat bedeutet deshalb mehr als nur ein anderes Aussehen. Es legt fest, welches Skript verwendet wird, welche Funktionen möglich sind und – ganz praktisch – wie gross eine Überweisung wird. Und die Grösse bestimmt die Gebühr: Bezahlt wird pro Platz im Block, gemessen in virtuellen Bytes (vB).
1. Legacy (P2PKH)
Der älteste Standard, aus dem das Konzept der Adresse überhaupt stammt. P2PKH steht für «Pay to Public Key Hash», also «zahle an den Hash eines öffentlichen Schlüssels». Ganz am Anfang schickte man Bitcoin direkt an einen öffentlichen Schlüssel. Das war lang, unpraktisch und teuer. Die Lösung: Man sendet an einen kürzeren Hash des öffentlichen Schlüssels. Dieses Prinzip gilt bis heute.
Schon die ersten Adressen waren auf Benutzerfreundlichkeit ausgelegt: Verwechselbare Zeichen wie die Null und das grosse O kommen nicht vor, und eine eingebaute Prüfsumme erkennt Tippfehler, sodass die Wallet warnen kann, bevor Bitcoin an eine falsche Adresse gehen.
Die Schreibweise heisst Base58Check: Sie verwendet 58 Zeichen – Ziffern sowie Gross- und Kleinbuchstaben, ohne die leicht verwechselbaren 0, O, I und l. Am Anfang steht eine Kennziffer für den Adresstyp, am Ende eine vierstellige Prüfsumme. Vertippt man sich bei einem Zeichen, stimmt die Prüfsumme nicht mehr, und die Wallet lehnt die Adresse ab.
- Erkennbar an: beginnt mit
1, zum Beispiel1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7DivfNa– die Adresse aus dem allerersten Bitcoin-Block. - Grösse: am grössten. Überweisungen können teils fast doppelt so viel Gebühren kosten wie mit neueren Typen.
- Fazit: Es gibt heute keinen guten Grund mehr, diesen Typ zu verwenden.
2. Wrapped SegWit (P2SH-P2WPKH)
Mit dem Upgrade «Segregated Witness» (SegWit) kam 2017 ein günstigeres Format. Damit ältere Wallets, die das neue Format noch nicht kannten, trotzdem an neue Adressen senden konnten, wurde es zunächst «verpackt»: Technisch handelt es sich um eine ältere P2SH-Adresse («Pay to Script Hash»), in der das neue SegWit-Skript steckt. P2SH-Adressen werden auch für komplexere Lösungen wie Mehrfachsignaturen (Multisig) genutzt.
P2SH gibt es seit 2012. Die Idee dahinter ist elegant: Der Absender muss nicht wissen, welche Bedingungen der Empfänger an seine Bitcoin knüpft – ob einfache Unterschrift, zwei von drei Unterschriften oder eine Zeitsperre. Er sendet einfach an den Hash dieser Bedingungen. Erst wenn der Empfänger die Bitcoin später ausgibt, legt er die vollständigen Bedingungen offen und erfüllt sie. Genau diesen Trick nutzte man 2017, um SegWit rückwärtskompatibel einzuführen: Auch alte Wallets, die SegWit nicht kannten, konnten so an eine 3er-Adresse senden.
- Erkennbar an: beginnt mit
3, zum Beispiel3J98t1WpEZ73CNmQviecrnyiWrnqRhWNLy. Aber nicht jede 3er-Adresse ist Wrapped SegWit; von aussen sieht sie aus wie jede andere P2SH-Adresse. - Grösse: deutlich kleiner als Legacy, gegenüber den neueren Typen aber kein Vorteil mehr.
- Fazit: nur noch sinnvoll, wenn du mit sehr alten Wallets kompatibel sein musst.
3. Native SegWit (P2WPKH)
Das «echte» SegWit-Format ohne Verpackung. Bei SegWit werden die Signaturen – der sogenannte «Witness», der Zeuge – in einen eigenen Bereich der Überweisung verschoben. Daher der Name: getrennter Zeuge.
Im Schnitt spart das rund 30 Prozent Gebühren. Das liegt nicht daran, dass das Skript selbst viel kleiner wäre, sondern an der Art, wie die Blockgrösse gezählt wird. Seit SegWit ist ein Block nicht mehr auf 1 Megabyte begrenzt, sondern auf ein «Gewicht» von 4 Millionen Einheiten. Signaturdaten zählen dabei nur einen Viertel. Die Gebühren werden in virtuellen Bytes berechnet, die dieses Gewicht widerspiegeln; mit dem tatsächlichen Speicherplatz auf der Festplatte haben sie nichts zu tun.
SegWit hatte noch einen zweiten, wichtigen Effekt: Es behob die sogenannte Formbarkeit von Transaktionen. Vorher konnte ein Dritter die Transaktions-ID einer noch unbestätigten Überweisung verändern, ohne ihren Inhalt zu ändern. Das störte Anwendungen, die auf unbestätigten Überweisungen aufbauen. Erst mit dieser Korrektur wurde das Lightning-Netzwerk praktisch möglich.
Native-SegWit-Adressen nutzen eine neue Schreibweise namens bech32. Sie enthält nur Kleinbuchstaben und Ziffern, ist effizienter und erkennt Tippfehler noch zuverlässiger – sie kann sogar angeben, an welcher Stelle sich der Fehler befindet. Weil keine Gross- und Kleinbuchstaben gemischt werden, lässt sie sich ausserdem leichter vorlesen und als QR-Code kompakter darstellen.
- Erkennbar an: beginnt mit
bc1q, zum Beispielbc1qw508d6qejxtdg4y5r3zarvary0c5xw7kv8f3t4. - Fazit: Für die meisten Menschen die richtige Wahl – günstig und heute fast überall unterstützt.
4. Taproot (P2TR)
Das neueste Format, aktiviert im November 2021. Mit Taproot kamen die sogenannten Schnorr-Signaturen und weitere technische Verbesserungen ins Netzwerk. Die Vorteile:
- Leistung: Schnorr-Signaturen lassen sich gebündelt prüfen. Das entlastet die Knoten im Netzwerk, und auch Hardware-Wallets kommen besser damit zurecht.
- Privatsphäre: Komplexe Anwendungen wie Mehrfachsignaturen oder Lightning-Kanäle sehen auf der Blockchain aus wie gewöhnliche Überweisungen. Von aussen ist nicht mehr erkennbar, was dahintersteckt.
- Planbare Gebühren: Die Grösse einer Schnorr-Signatur steht im Voraus fest. Bei den älteren Signaturen schwankt sie leicht. Dadurch lassen sich Gebühren genauer berechnen.
Dazu kommt eine Technik, mit der sich viele mögliche Bedingungen in einer einzigen Adresse verstecken lassen. Beim Ausgeben wird nur die Bedingung offengelegt, die tatsächlich verwendet wird; alle anderen bleiben geheim. Wird die Überweisung ganz normal mit einer einfachen Unterschrift ausgegeben, sieht niemand, dass es überhaupt Alternativen gab.
Taproot-Adressen verwenden eine verbesserte Version von bech32, genannt bech32m.
- Erkennbar an: beginnt mit
bc1p, zum Beispielbc1p0xlxvlhemja6c4dqv22uapctqupfhlxm9h8z3k2e72q4k9hcz7vqzk5jj0.
Bei den Kosten gibt es eine Besonderheit: Ein Taproot-Ausgang (also der Teil der Überweisung, der an eine Taproot-Adresse geht) ist grösser als ein Native-SegWit-Ausgang, ein Taproot-Eingang (wenn du Bitcoin von einer Taproot-Adresse ausgibst) dagegen kleiner. Überweisungen mit vielen Eingängen und wenigen Ausgängen sind mit Taproot also günstiger. Das passt gut zu allen, die mit einem Sparplan regelmässig kleine Beträge kaufen und später viele davon auf einmal ausgeben.
Zu beachten: Die Grösse eines Ausgangs bestimmt die Wallet des Empfängers, bezahlen muss aber der Absender. Je mehr Menschen Taproot-Adressen nutzen, desto mehr zahlen Absender für deren grössere Ausgänge – der Vorteil von Native SegWit bei den Ausgängen verliert dann an Bedeutung. Das grösste Hindernis für Taproot ist die Unterstützung: Viele Hardware-Wallets beherrschen es, die BitBox zum Beispiel, aber noch nicht jede Plattform und jede App kann an Taproot-Adressen senden.
Die Adresstypen im Vergleich
Grössen für Wallets mit einer einzigen Signatur, in virtuellen Bytes (vB). Je kleiner, desto günstiger.
| Legacy | Wrapped SegWit | Native SegWit | Taproot | |
|---|---|---|---|---|
| Beginnt mit | 1 | 3 | bc1q | bc1p |
| Schreibweise | Base58Check | Base58Check | bech32 | bech32m |
| Grundgrösse | 10 | 10 | 10,5 | 10,5 |
| Pro Eingang | 148 | 91 | 68 | 57,5 |
| Pro Ausgang | 34 | 32 | 31 | 43 |
| 1 Eingang, 2 Ausgänge | 226 | 165 | 140,5 | 154 |
| 2 Eingänge, 1 Ausgang | 340 | 224 | 177,5 | 168,5 |
| Unterstützung | hoch | sehr hoch | hoch | wachsend |
Welchen Typ solltest du nutzen?
- Legacy: klar unterlegen, kein Grund mehr dafür.
- Wrapped SegWit: eine Verbesserung gegenüber Legacy, aber nur noch nötig, wenn du mit sehr alten Wallets kompatibel sein musst.
- Native SegWit: meine Empfehlung für die meisten. Die günstigsten Gebühren für typische Zahlungen mit mehr Ausgängen als Eingängen und heute breit unterstützt. Wahrscheinlich nutzt du es bereits.
- Taproot: der Standard der Zukunft, besonders für Sparerinnen und Sparer, die viele kleine Beträge sammeln. Bremsend wirkt noch die fehlende Unterstützung bei einigen Plattformen und Apps.
Was keine Bitcoin-Adresse ist
Nicht alles, was nach Adresse aussieht, ist eine Bitcoin-Adresse für das Hauptnetz:
- Lightning-Rechnungen beginnen mit
lnbcund sind viel länger. Sie gelten meist nur für eine einzige Zahlung und laufen nach einer gewissen Zeit ab. - Testnetz-Adressen beginnen mit
tb1,m,noder2. Sie gehören zu einem Übungsnetz für Entwickler; Bitcoin darauf haben keinen Wert. - Adressen anderer Kryptowährungen können ähnlich aussehen, etwa bei Bitcoin Cash oder Litecoin. Wer echte Bitcoin an eine solche Adresse schickt, verliert sie in aller Regel. Die Prüfsumme schützt davor meist, aber nicht immer.
Tipps für den Alltag
- Präfix prüfen: Schau beim Abziehen von einer Plattform kurz auf den Anfang der Adresse. Unterstützt die Plattform deinen Adresstyp nicht, meldet sie das in der Regel sofort.
- Neue Adresse für jeden Empfang: Deine Wallet erzeugt für jeden Empfang eine neue Adresse. Nutze sie – das schützt deine Privatsphäre.
- Mit kleinem Betrag testen: Bei der ersten Überweisung an eine neue Wallet zuerst einen kleinen Betrag senden und prüfen, ob er ankommt.
- Adresse auf dem Gerät prüfen: Bei einem Hardware-Wallet die Adresse immer auf dessen Bildschirm vergleichen, nicht nur am Computer.
Egal welchen Typ du wählst: Alle sind miteinander kompatibel, sofern die Software des Absenders das Format kennt. Und alle lassen sich aus denselben Sicherungswörtern ableiten. Was eine Adresse überhaupt ist, erklärt Was sind Private & Public Keys und Adressen?