Bitcoin · Einstieg

Zehn Irrtümer über Bitcoin – und was wirklich stimmt

Anonym, kriminell, wertlos, Energieverschwendung: Was an den häufigsten Vorurteilen dran ist.

Samy Nomikos · 13 Min. Lesezeit

Kaum ein Thema wird so oft missverstanden wie Bitcoin. Manche Vorurteile halten sich seit Jahren hartnäckig, obwohl sie längst widerlegt sind. Andere enthalten einen wahren Kern, ziehen daraus aber die falschen Schlüsse. Hier sind die zehn häufigsten – und was tatsächlich dahintersteckt.

1. «Bitcoin hat keinen Nutzen»

Dieser Eindruck entsteht vor allem, weil im Westen kaum jemand mit Bitcoin im Laden bezahlt. Kritiker verweisen gerne darauf, dass Satoshi Nakamoto Bitcoin im Whitepaper als «elektronisches Bargeld von Person zu Person» beschrieben hat – und wenn niemand damit bezahle, habe er sein Ziel verfehlt. Manche halten Bitcoin deshalb für ein reines Spekulationsobjekt, das frühe Käufer auf Kosten späterer reich macht. So argumentierte etwa ein Papier aus der Europäischen Zentralbank.

Bezahlen ist aber nur einer von vielen Anwendungsfällen, und für die meisten Menschen im Westen nicht der wichtigste:

  • Wertspeicher: Über die letzten rund 15 Jahre hat Bitcoin pro Jahr im Durchschnitt ein Vielfaches dessen zugelegt, was die Aktienmärkte gebracht haben. Kaum eine andere Anlage hat ihren Wert in dieser Zeit so stark gesteigert. Wer langfristig hält, schützt sich damit vor dem Kaufkraftverlust klassischer Währungen.
  • Überprüfbar knapp: Mehr als rund 21 Millionen Bitcoin wird es nie geben. Das muss man niemandem glauben – jede und jeder kann es mit einem eigenen Knoten selbst nachprüfen.
  • Nicht beschlagnahmbar: Mit zwölf Wörtern im Kopf kann man ein beliebig grosses Vermögen unbemerkt über jede Grenze mitnehmen. Für Menschen in autoritären Staaten oder auf der Flucht kann das darüber entscheiden, ob sie ihr Erspartes behalten oder alles verlieren.
  • Zensurresistent: Als Visa, Mastercard und PayPal 2010 Spenden an die Enthüllungsplattform WikiLeaks blockierten, kamen über Bitcoin weiter Spenden an. Niemand konnte das verhindern.
  • Weltweit und günstig: Überweisungen in jedes Land der Welt dauern Minuten, ohne Bank dazwischen und meist deutlich günstiger als eine klassische Auslandsüberweisung mit Gebühren und Wechselkursaufschlag.
  • Für Menschen ohne Bankkonto: Rund um den Globus haben über eine Milliarde Menschen kein Bankkonto. In Kenia, etwa im Nairobier Stadtteil Kibera, oder in Gemeinschaften in Peru nutzen Menschen Bitcoin im Alltag – oft zum ersten Mal mit Zugang zu Finanzdiensten. Dort entstehen kleine Kreisläufe, in denen Händler Bitcoin annehmen und wieder ausgeben.

Selbst BlackRock-Chef Larry Fink, früher ein erklärter Kritiker, bezeichnet Bitcoin heute als Zufluchtsort für Menschen in Ländern mit hoher Inflation und ohne Zugang zu Banken. Er erzählt gerne von einer Frau, die in Afghanistan Arbeiterinnen über Bitcoin bezahlte, nachdem die Taliban Frauen die Arbeit verboten und die Kontrolle über die Banken übernommen hatten. Für sie war Bitcoin der einzige Weg, die Frauen überhaupt zu bezahlen.

2. «Zum Bezahlen ist Bitcoin viel zu langsam»

Der wahre Kern: Die Grösse eines Blocks ist begrenzt, etwa alle zehn Minuten entsteht ein neuer, und in jeden passt nur eine bestimmte Anzahl Überweisungen. Das Bitcoin-Hauptnetz kann deshalb unmöglich den gesamten Zahlungsverkehr der Welt allein abwickeln. Wer an der Kasse zehn Minuten auf eine Bestätigung warten müsste, würde tatsächlich lieber mit Karte zahlen.

Das Hauptnetz muss das aber auch nicht leisten. Es ist eine Basisschicht für sichere, endgültige Überweisungen – vergleichbar mit dem Zahlungsverkehr zwischen Banken, über den am Ende auch Kartenzahlungen abgerechnet werden. Auch das traditionelle Finanzsystem arbeitet in Schichten: Was du an der Kasse mit Karte bezahlst, wird erst Tage später zwischen den Banken endgültig verrechnet. Das Zahlungssystem der US-Notenbank, Fedwire, das Rückgrat des Dollars, wickelt pro Jahr rund 200 Millionen Überweisungen ab, also nur einige wenige pro Sekunde – in einer ähnlichen Grössenordnung wie das Bitcoin-Hauptnetz. Niemand würde Fedwire deshalb als zu langsam bezeichnen.

Für den Alltag gibt es das Lightning-Netzwerk, das auf Bitcoin aufbaut. Dort sind Zahlungen in Sekunden erledigt und kosten meist nur Bruchteile eines Rappens. Bezahlt wird dabei mit echten Bitcoin, nicht mit einem Versprechen oder einem Kredit wie bei der Kreditkarte. Zum Vergleich: Händler zahlen für Kartenzahlungen oder PayPal oft mehr als zwei Prozent des Betrags – Geld, das am Ende in den Preisen steckt.

3. «Bitcoin hat keinen inneren Wert»

Mit «innerem Wert» meint man in der Finanzwelt meist den Wert, der sich aus regelmässigen Erträgen ergibt: Mieten bei Immobilien, Zinsen bei Anleihen, Dividenden bei Aktien. Man rechnet die künftigen Erträge zusammen und kommt so auf einen fairen Preis. Nach dieser Logik ergibt Bitcoin als Anlage nie Sinn, denn er wirft keinerlei Erträge ab.

Dass Dinge ohne Ertrag trotzdem wertvoll sein und im Wert steigen können, zeigt Gold. Als Industriemetall oder für Schmuck allein wäre es bei Weitem nicht so viel wert; sein Wert kommt vor allem daher, dass Menschen es seit Jahrtausenden als Wertspeicher nutzen. Notenbanken auf der ganzen Welt halten Gold in ihren Tresoren – nicht wegen eines Ertrags, sondern weil es seinen Wert behält. Gold und Bitcoin haben zwei entscheidende Eigenschaften gemeinsam: Niemand kann die Menge nach Belieben erhöhen, und es gibt keine Gegenpartei, die ausfallen kann.

Letztlich ist etwas so viel wert, wie Menschen ihm beimessen. Das gilt auch für Franken und Dollar, die ebenfalls keinen Ertrag abwerfen und deren Wert auf Vertrauen beruht. Je mehr Menschen die Eigenschaften von Bitcoin schätzen – knapp, nicht beschlagnahmbar, nicht zensierbar, leicht zu prüfen und zu übertragen –, desto grösser die Nachfrage und desto höher der Wert.

4. «Bitcoin ist ein Nullsummenspiel»

Kritiker sagen: Wer mit Bitcoin Gewinn macht, kann nur an jemanden verkaufen, der mehr bezahlt. Was der eine gewinnt, verliert also der andere – Bitcoin verteile nur Geld von späten zu frühen Käufern um. Und weil das Mining Energie verbraucht, sei es unter dem Strich sogar ein Negativsummenspiel (zur Energie siehe Punkt 6).

Nur: Bei jeder Anlage hängt der Gewinn beim Verkauf davon ab, dass jemand anderes bereit ist, mehr zu zahlen. Das gilt für Aktien, Gold, Kunst und Immobilien genauso. Bei Aktien kommt hinzu, dass steigende Kurse Firmen bei der Finanzierung neuer Investitionen helfen. Auch ein steigender Bitcoin-Kurs hat Wirkungen über die Besitzer hinaus:

  • Disziplin für Staaten: Wenn Bitcoin zu einer attraktiven Alternative zu staatlichem Geld wird, wächst der Druck auf Regierungen und Notenbanken, mit Geldmenge und Schulden sorgfältiger umzugehen. Sonst wandern die Ersparnisse ihrer Bürger ab, und sie verlieren an Einfluss über ihr eigenes Geld.
  • Entlastung anderer Märkte: Wenn Menschen ihr Erspartes in Bitcoin statt in Gold oder Wohnungen anlegen, entlastet das diese Märkte. Steigende Goldpreise verteuern zum Beispiel Elektronik, die Gold braucht. Und wenn Wohnungen vor allem als Wertanlage gekauft werden, steigen die Preise und Mieten für alle, die einfach nur wohnen wollen.

«Bitcoin ist ein Schneeballsystem»

Eng verwandt ist dieser Vorwurf. Ein Schneeballsystem – oft nach dem Betrüger Charles Ponzi benannt – zahlt bestehenden Teilnehmenden angebliche Gewinne aus, die in Wahrheit aus den Einzahlungen neuer Teilnehmender stammen. Sobald nicht mehr genug neues Geld fliesst, bricht es zusammen.

Dass Bitcoin-Besitzer nur durch Verkauf an andere Gewinn machen, teilt Bitcoin mit allen Anlagen – das allein macht noch kein Schneeballsystem. Die typischen Merkmale fehlen vollständig: Schneeballsysteme sind illegal, leben vom Anwerben neuer Leute, werden von einer zentralen Person oder Firma gesteuert, sind undurchsichtig und versprechen hohe, oft feste Renditen. Bitcoin ist dezentral, vollständig transparent – jede Überweisung ist öffentlich – und verspricht niemandem irgendetwas. Und er funktioniert weiter, auch wenn die Zahl der Nutzer sinkt, wie in den langen Baissephasen nach 2014, 2018 und 2022.

5. «Bitcoin ist viel zu riskant»

Wegen der grossen Kursschwankungen gilt Bitcoin vielen als riskant. Auch BlackRock bezeichnet ihn in seinen Unterlagen als riskante Anlage. In der klassischen Finanzwelt wird Risiko oft mit Schwankung gleichgesetzt: Je stärker der Kurs ausschlägt, desto riskanter die Anlage. Das greift zu kurz.

Ein Beispiel zeigt, warum: Der Stablecoin TerraUSD (UST) war an den Dollar gekoppelt und schwankte praktisch nicht. Nach der klassischen Definition war er also fast risikolos. Trotzdem brach er im Mai 2022 innerhalb weniger Tage zusammen und wurde wertlos; Anlegerinnen und Anleger verloren Milliarden. Kaum Schwankung, aber ein enormes, verstecktes Risiko.

Bitcoin dagegen schwankt, keine Frage – mit zunehmender Reife des Marktes und dem Einstieg grosser Anleger allerdings weniger stark als früher. Wie sich der Kurs in den nächsten ein, zwei Jahren entwickelt, kann niemand sagen. Bei den grundlegenden Risiken schneidet Bitcoin aber gut ab:

  • Keine Gegenpartei: Selbst verwahrt gibt es niemanden, der pleitegehen, betrügen oder dein Konto sperren kann.
  • Keine Unternehmensrisiken: Aktien tragen das Risiko schlechter Unternehmensführung, neuer Konkurrenz oder strengerer Regulierung. Anleihen tragen das Risiko, dass der Schuldner nicht zurückzahlt.
  • Kein ernsthafter Konkurrent: Bitcoin ist seit über 15 Jahren die Nummer eins, und kein anderes Projekt kommt an seine Sicherheit und Verbreitung heran.
  • Feste Menge: Die Menge steht im Code fest. Anders als bei Gold kann nicht plötzlich ein grosser neuer Fund das Angebot erhöhen und den Preis drücken.
  • Kein Verbot in Sicht: Verbote sind keine ernsthafte Bedrohung mehr; die USA wollen Bitcoin sogar selbst als Reserve halten.

Man kann deshalb argumentieren, dass Bitcoin langfristig eine der risikoärmsten Anlagen überhaupt ist – und dass die Schwankungen eher etwas über die Menschen aussagen, die ihn kaufen und verkaufen, als über Bitcoin selbst. Das kurzfristige Risiko bleibt aber real: Wer das Geld in einem Kurstief braucht, verliert.

6. «Bitcoin verschwendet zu viel Energie»

Mining braucht viel Energie, das stimmt. Miner setzen Rechenleistung ein, um gültige Blöcke zu finden, und erhalten dafür die Gebühren der Überweisungen und neu geschaffene Bitcoin – seit dem Halving im April 2024 sind es 3,125 Bitcoin pro Block. Die Branche ist längst professionalisiert und arbeitet mit Spezialgeräten (ASICs), die wie alle Computerchips laufend effizienter werden. Weil das Netzwerk die Schwierigkeit automatisch anpasst, bleibt es beim Takt von rund zehn Minuten pro Block, egal wie viel Rechenleistung dazukommt. Mehr Miner bedeuten also nicht mehr Bitcoin, sondern mehr Sicherheit.

Insgesamt verbraucht Bitcoin etwa so viel Strom wie ein mittelgrosses Land, etwa Österreich oder Portugal. Nach Schätzungen der Universität Cambridge sind das rund 138 Terawattstunden pro Jahr oder gut ein halbes Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Der Ausstoss an Treibhausgasen liegt demnach bei rund 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, also weniger als einem Promille der weltweiten Emissionen.

Energieverbrauch ist aber nicht automatisch Verschwendung. Entscheidend ist, woher die Energie kommt und wofür sie eingesetzt wird:

  • Günstige und erneuerbare Energie: Miner sind flexible Käufer, die den günstigsten Strom der Welt suchen. Das ist oft Strom, den sonst niemand braucht: Überschüsse aus Wasser-, Wind- oder Solarkraft, etwa nachts oder an abgelegenen Orten. Laut Cambridge stammt über die Hälfte des Stroms für Bitcoin-Mining aus nachhaltigen Quellen – mehr als in vielen anderen Branchen.
  • Stabilere Stromnetze: Weil Miner ihre Anlagen in Sekunden abschalten können, helfen sie Stromnetzen, Spitzen auszugleichen. In Texas werden Miner bei Engpässen gezielt abgeschaltet und dafür entschädigt; in ruhigen Zeiten machen sie den Ausbau erneuerbarer Energien rentabler.
  • Weniger Methan: Bei der Ölförderung entweicht Gas, das sonst abgefackelt wird oder als Methan in die Luft gelangt. Mining direkt vor Ort kann dieses Gas nutzen und Methanemissionen verringern, die das Klima viel stärker belasten als CO₂.
  • Nutzbare Abwärme: Mining-Geräte erzeugen Wärme, die zunehmend genutzt wird: zum Heizen von Gebäuden, Gewächshäusern oder sogar Zuchtbecken für Fische und Crevetten. Wärme ist einer der grössten Energiebedarfe der Industrie.

Vor allem ist der Energieeinsatz der Kern der Sicherheit. Er verankert Bitcoin in der realen Welt: Wer das Netzwerk angreifen wollte, müsste mehr Energie einsetzen als alle ehrlichen Miner zusammen. Das schützt die Dezentralität. Bei Alternativen wie «Proof of Stake», etwa bei Ethereum oder Solana, entfällt dieser Energieeinsatz – dafür hat mehr Einfluss, wer mehr Münzen besitzt. Die Reichen bestimmen also die Regeln.

Fair wäre zudem ein Vergleich mit dem Energiebedarf des heutigen Geldsystems: Bankfilialen, Rechenzentren, Geldautomaten, Bargeldtransporte und Notenbanken verbrauchen ebenfalls enorme Mengen Energie, werden dafür aber selten kritisiert. Ob sich der Verbrauch lohnt, ist letztlich eine Frage des Nutzens – wie bei jeder anderen Industrie auch.

7. «Miner lösen komplizierte Rechenaufgaben»

So steht es oft in den Medien, ist aber irreführend. Es klingt, als würden Miner schwierige mathematische Probleme knacken. In Wahrheit ist Mining eher Würfeln als Rechnen.

Ein Miner stellt einen Block-Kandidaten aus wartenden Überweisungen zusammen und jagt ihn durch eine mathematische Funktion namens SHA-256. Heraus kommt eine lange, scheinbar zufällige Zahl, der sogenannte Hash. Ist dieser Hash kleiner als ein vom Netzwerk festgelegter Zielwert, hat der Miner gewonnen: Er veröffentlicht den Block, die anderen Teilnehmenden prüfen ihn und übernehmen ihn in ihr Kassenbuch. Ist der Hash zu gross, ändert der Miner eine Kleinigkeit im Block und versucht es erneut.

Ein einzelner solcher Versuch ist einfach – man könnte ihn mit Papier und Bleistift in wenigen Minuten durchrechnen. Schwierig ist nur, dass man unvorstellbar viele Versuche braucht, bis einer passt. Moderne Mining-Geräte schaffen Billionen pro Sekunde. Wie beim Würfeln gilt: Wer öfter würfeln kann, gewinnt öfter. Und weil jeder Versuch Strom kostet, ist ein gültiger Block der Beweis, dass echte Arbeit geleistet wurde – daher der Name «Proof of Work».

8. «Mit Bitcoin zahlen vor allem Kriminelle»

Am Anfang war Bitcoin tatsächlich auf dem Darknet-Marktplatz Silk Road beliebt, wo Drogen, Waffen und gefälschte Ausweise gehandelt wurden. Dieses Bild hat sich bei vielen festgesetzt. Seither hat sich aber viel verändert: BlackRock-Chef Larry Fink nennt Bitcoin ein legitimes Finanzinstrument, grosse Vermögensverwalter bieten Bitcoin-Fonds an, und die USA haben eine strategische Bitcoin-Reserve eingerichtet.

Auch die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut der Analysefirma Chainalysis hatten 2024 nur rund 0,14 Prozent aller Krypto-Transaktionen einen kriminellen Hintergrund. Bis etwa 2021 war Bitcoin dabei wegen seiner hohen Liquidität noch die bevorzugte Kryptowährung von Kriminellen. Inzwischen haben sie sich anders orientiert: Rund 63 Prozent der illegalen Transaktionen laufen über Stablecoins – also über digitale Dollar. Der Anteil von Bitcoin sinkt.

Zum Vergleich: Die Vereinten Nationen schätzen, dass jedes Jahr Geld im Umfang von 2 bis 5 Prozent der gesamten Weltwirtschaft gewaschen wird, überwiegend in klassischen Währungen und über das Bankensystem. Das bevorzugte Werkzeug für Kriminalität bleibt staatliches Geld – in Form von Bargeld, Bankkonten und eben Stablecoins.

9. «Bitcoin ist anonym»

Gerade die frühen Kriminellen gingen davon aus – und lagen falsch. Bitcoin ist nicht anonym, sondern pseudonym. Jede Überweisung steht für immer im öffentlichen Kassenbuch und lässt sich von jedem nachverfolgen. Adressen tragen zwar keine Namen, lassen sich aber durch Analysen oft Personen oder Firmen zuordnen – etwa wenn Bitcoin von einer Adresse zu einer Plattform fliessen, bei der sich der Besitzer mit Ausweis registriert hat.

Spezialisierte Firmen wie Arkham Intelligence werten diese Daten mit ausgeklügelten Verfahren aus und ermitteln so die Bestände von Unternehmen und sogar Staaten. Ermittlungsbehörden nutzen dieselben Methoden: So wurden etwa die Täter des Hacks der Börse Bitfinex von 2016 Jahre später überführt und die gestohlenen Bitcoin grösstenteils sichergestellt.

Hinzu kommt: Wer bei einer regulierten Plattform kauft, muss sich mit Ausweis identifizieren (bekannt als KYC). Wer das umgehen will, etwa durch Käufe von Privatpersonen oder sogenannte Mixer, die Spuren verwischen sollen, bekommt spätestens dann Probleme, wenn die Bitcoin wieder bei einer regulierten Plattform landen. Treffender als «anonyme Währung» ist deshalb der Begriff «pseudonyme Währung».

10. «Es gibt Bitcoin-Münzen»

Die goldenen Münzen auf Fotos und in Zeitungsartikeln sind Dekoration. Es gibt weder physische noch digitale Münzen, die irgendwo herumliegen. Dein Wallet speichert auch keine Bitcoin, sondern deinen privaten Schlüssel, mit dem du Überweisungen unterschreibst.

Was übertragen wird, ist das Recht, über sogenannte UTXOs zu verfügen – das steht für «Unspent Transaction Outputs», also nicht ausgegebene Beträge aus früheren Überweisungen. Gibt man einen UTXO aus, wird er verbraucht und gilt fortan als ausgegeben; dafür entstehen neue UTXOs für die Empfänger. Ein UTXO kann nur als Ganzes ausgegeben werden; das Wechselgeld fliesst als neuer UTXO an dich zurück. Wer zum Beispiel einen UTXO über 2 Bitcoin besitzt und 1 Bitcoin bezahlt, gibt den ganzen UTXO aus und erhält 1 Bitcoin (abzüglich Gebühr) als neuen UTXO zurück.

Das erinnert an Bargeld: Wer mit einer Hunderternote einen Kaffee bezahlt, bekommt Wechselgeld. Der Unterschied: Ein UTXO kann jeden beliebigen Betrag haben und ist nicht an feste Notenwerte gebunden. Übrigens kennt das Netzwerk die Einheit «Bitcoin» gar nicht. Gerechnet wird intern in Satoshi, der kleinsten Einheit: ein Hundertmillionstel Bitcoin. «Ein Bitcoin» ist einfach eine praktische Bezeichnung für 100 Millionen Satoshi.

Keine Finanz- oder Steuerberatung.

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