Bitcoin · Essays zum Weiterdenken

Wie Bitcoin Kriege verhindern kann, Teil 4: Das Finale

Von Korea und Vietnam über den Nixon-Schock bis zur Frage, ob Bitcoin Kriege unbezahlbar machen kann.

Samy Nomikos · 13 Min. Lesezeit

Dies ist der vierte und letzte Teil der Reihe «Wie Bitcoin Kriege verhindern kann». Bisher haben wir gesehen, wie Staaten ihr Geld immer wieder vermehrten, um Kriege zu bezahlen – zuletzt in Teil 3: Die Weltkriege. Jetzt geht es darum, wie auch unser heutiges Fiatgeld aus Kriegskosten hervorging – und wie Bitcoin Kriege verhindern könnte, auch über Stellvertreterkriege und freie Märkte.

Kriegsfinanzierung trotz Goldbindung

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Welt wieder eine Art Goldstandard: das Bretton-Woods-System (1944–1973). Die USA versprachen, Dollar zum festen Preis von 35 Dollar pro Feinunze in Gold umzutauschen – allerdings nur für ausländische Zentralbanken. Die eigenen Bürger durften seit einem Erlass von Präsident Roosevelt von 1933 kaum Gold besitzen, Goldmünzen nur bis zu einem Wert von 100 Dollar. Erst Ende 1974 wurde privater Goldbesitz wieder erlaubt.

Unter den westlichen Ländern herrschte nun Frieden, doch die USA führten immer wieder Kriege in ärmeren Weltregionen. Und trotz Goldbindung bezahlten sie diese teilweise mit neuem Geld. Laut dem Wirtschaftshistoriker Hugh Rockoff kamen die USA bei den meisten kleineren Kriegen ohne Notenpresse aus. Im Korea- und im Vietnamkrieg habe die Regierung die Notenbank, die Federal Reserve (Fed), aber stark gedrängt, die Geldmenge auszuweiten und die Kurse der Staatsanleihen zu stützen.

Koreakrieg (1950–1953)

Präsident Harry S. Truman bat die Fed, das Finanzministerium so umfassend zu unterstützen wie im Zweiten Weltkrieg. Nach seiner eigenen Darstellung erhielt er Anfang 1951 die Zusage, die Notenbank trage die Finanzierungspläne für Korea mit.

Ganz beugen wollte sich die Fed aber nicht: Im März 1951 erreichte sie in einem Abkommen mit dem Finanzministerium, die Anleihezinsen nicht mehr fix tief halten zu müssen. Trotzdem kaufte sie weiter Staatsanleihen und hielt deren Zinsen niedrig, was das Vertrauen in die Regierung stützte.

Vietnamkrieg (1955–1975)

Vietnam wurde weit teurer als Korea und als erwartet. Die direkten Kosten werden zu damaligen Preisen meist auf deutlich über 100 Milliarden Dollar geschätzt. Über die Kriegsjahre verdoppelten sich die Staatsschulden der USA etwa, Geldmenge und Preise stiegen deutlich.

Dazu kam ab 1964 Präsident Johnsons Programm «Great Society», eine Reihe grosser Sozialprogramme gegen Armut, unter anderem mit den Krankenversicherungen Medicare und Medicaid. Krieg und Sozialprogramme zusammen liessen die Ausgaben stark wachsen.

Gegen Ende der 1960er-Jahre war die Teuerung hoch. Eigentlich hätte die Fed die Leitzinsen kräftig anheben müssen, sie blieb aber bei ihrer lockeren Politik und senkte die Zinsen Anfang der 1970er-Jahre sogar deutlich. Rockoff stellt fest, dass die Fed wie schon nach Korea zwar ihre Unabhängigkeit behauptet, aber keine wirklich straffe Politik verfolgt habe: Sie kaufte weiter Wertpapiere, und die Geldmenge wuchs.

Ab 1965 tauschten andere Länder, angeführt von Frankreich, ihre Dollar zunehmend in Gold. Höhere Zinsen hätten geholfen, aber die Kriegsfinanzierung über Schulden erschwert. Also bat Washington Verbündete, ihre Dollar nicht einzulösen. Die Deutsche Bundesbank sagte das 1967 zu. Ihr damaliger Präsident Karl Blessing bereute es bald: Man hätte die Dollar, so sagte er 1970 sinngemäss, entschlossen in Gold tauschen sollen, bis die Amerikaner nicht mehr weiterwussten.

Am Ende druckten die USA schlicht zu viele Dollar. Neben Vietnam und den Sozialprogrammen kostete auch der Kalte Krieg (1947–1991) enorme Summen, etwa der Wettlauf ins All. Das Apollo-Programm mit der Mondlandung 1969 kostete rund 25 Milliarden Dollar – für damalige Verhältnisse sehr viel Geld.

Die Dollarmenge wuchs viel schneller als die Goldreserven; zum offiziellen Kurs war der Dollar klar überbewertet, am freien Markt kostete die Unze schon deutlich mehr als 35 Dollar. Andere Länder mussten ihre Währungen mehrmals anpassen, damit das System hielt. Laut dem Historikerbüro des US-Aussenministeriums erzeugten Auslandshilfe, Militärausgaben und Auslandsinvestitionen einen Dollarüberhang, den das amerikanische Gold nicht mehr decken konnte.

Der Nixon-Schock

Das Misstrauen war berechtigt: 1971 waren die Dollarguthaben ausländischer Zentralbanken ein Vielfaches der US-Goldreserven. Im Sommer 1971 tauschte die Schweiz 50 Millionen Dollar in Gold, Frankreich noch mehr – laut einer oft erzählten Geschichte holte ein französisches Kriegsschiff das Gold ab. Am 15. August 1971 setzte Präsident Richard Nixon die Einlösung des Dollars in Gold «vorübergehend» aus und schob die Schuld auf Spekulanten, die einen regelrechten Krieg gegen den Dollar führten.

Bis heute ist der Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar, und statt 35 kostet eine Unze inzwischen mehrere tausend Dollar. Der Satz, nichts sei so dauerhaft wie ein vorübergehendes Staatsprogramm, wird Milton Friedman zugeschrieben – hier passt er perfekt. Für die Schweiz hatte der Schock spürbare Folgen: Unter Bretton Woods kostete ein Dollar über 4 Franken, Anfang 1973 gab die Nationalbank den Franken frei. Heute kostet ein Dollar weniger als einen Franken.

Die Ära des Fiatgeldes

In den USA stiegen die Preise vor den Weltkriegen in jedem Krieg an, fielen danach aber wieder auf ein ähnliches Niveau zurück. Gemessen am heutigen Konsumentenpreisindex (1982–84 = 100) lagen sie in Friedenszeiten bis 1914 immer wieder bei rund 8 bis 10 Punkten. Mit den Weltkriegen war dieses Muster vorbei. Eine wichtige Rolle spielte John Maynard Keynes, dessen Denkschule nach 1945 zur herrschenden Lehre wurde. Den Goldstandard nannte Keynes ein «barbarisches Relikt». Seit Nixon die Goldbindung beendete, haben sich die US-Konsumentenpreise etwa verachtfacht.

Laut Rockoff diente die Geldpolitik vor dem Zweiten Weltkrieg in Friedenszeiten vor allem dem Goldstandard. Mit dem Keynesianismus galt dann als machbar, mit lockerer Geldpolitik die Arbeitslosigkeit zu senken. So wurde normal, was früher nur im Krieg galt: hohe Staatsausgaben, bezahlt teils mit Anleihen, teils mit neuem Geld.

Der Ökonom Saifedean Ammous sieht im Keynesianismus sogar einen Hauptgrund für die Kriege des 20. Jahrhunderts. In «Der Bitcoin-Standard» argumentiert er, die gewaltigen Kriegsmaschinen seien nur dank des Irrglaubens entstanden, Militärausgaben förderten die Wirtschaft. Für Keynesianer zähle jede Ausgabe gleich – ob eine Familie Brot kauft oder ein Staat Menschen im Ausland tötet –, solange sie die Nachfrage steigert und die Arbeitslosigkeit senkt.

Ob ein Krieg beginnt, hängt von vielen Faktoren ab. Mit Ammous' Brille liesse sich die relativ friedliche Zeit seit den 1970er-Jahren damit erklären, dass der Keynesianismus mit der hohen Inflation jenes Jahrzehnts an Ansehen verlor: Die Geldentwertung ging weiter, aber dass Staatsausgaben an sich gut seien, glaubt die Mainstream-Ökonomie kaum noch.

Wichtiger dürfte aber sein, dass die Waffen zu wirksam geworden sind: Ein Krieg zwischen Atommächten kennt keinen echten Sieger mehr. Man spricht vom kinetischen Macht-Paradoxon.

Softwar

Hier setzt Jason P. Lowery an, Offizier der US Space Force und Bitcoiner. In seiner Masterarbeit am MIT, 2023 als «Softwar» veröffentlicht, behauptet er, Besitzverhältnisse liessen sich letztlich nur durch physische Macht fair klären. Die Alternative seien abstrakte Machthierarchien, die nur auf Regeln und Glauben beruhen und nie vor Missbrauch durch wenige geschützt sind. Ihre Fehlfunktionen sind für Lowery ein Kriegstreiber – wer den Unterschied zwischen eingebildeter und realer Macht verstehe, verstehe auch, warum solche Hierarchien zu Krieg führen.

Kriege haben für Lowery deshalb auch eine nützliche Seite: Ob man es Krieg oder Revolution nennt, physische Macht verhindere immer wieder, dass sich eine einzige abstrakte Macht über die ganze Welt ausbreitet. Problematisch sei daher, dass Kriege zwischen Grossmächten keine Option mehr sind. Die Lösung wäre ein Kräftemessen ohne Tote. Die Natur kennt das: Hirsche tragen Geweihe, mit denen die Männchen ihre Rangordnung ausfechten, meist ohne sich ernsthaft zu verletzen.

Stellvertreterkriege durch Technologie

Bitcoin ist für Lowery ein solches Geweih für die Menschheit. Durch Proof of Work ist das Netzwerk in der physischen Welt verankert und damit offen und fair. Laut Lowery scheint Bitcoin ein nicht tödliches Gegenstück zum Krieg geschaffen zu haben: dasselbe Prinzip des physischen Kräftemessens, aber mit Energie statt Masse – Menschen kommen dabei nicht zu Schaden.

Macht hätte in diesem Stellvertreterkrieg, wer Bitcoin besitzt, also wiederverwendbaren Arbeitsnachweis. In einem Interview malte Lowery eine Zukunft aus, in der man digitale Systeme nur noch angreifen kann, wenn man Bitcoin einsetzt; jeder Angriff hätte so eine physische Grenze. Wer künftig stark sein wolle, brauche viel davon und müsse die dezentrale Kontrolle mit robuster Mining-Infrastruktur sichern.

Ganz ohne Waffen geht es aber auch für Lowery nicht: Sie blieben nötig für kleinere Streitigkeiten und um Angriffe in der physischen Welt unattraktiv zu machen. Wichtig: Lowerys Thesen sind umstritten, auch unter Bitcoinern. Kritiker halten sie für kaum überprüfbar und bemängeln, sie deuteten Bitcoin vor allem als Militärtechnik statt als Geld.

Neu ist der Gedanke nicht: Nikola Tesla stellte sich schon 1900 vor, dass künftig Maschinen statt Menschen gegeneinander antreten und so Streit entscheiden. Und Henry Ford, Gründer der Ford Motor Company, warb vor gut 100 Jahren für eine auf Energie beruhende Währung, die Banken nicht kontrollieren könnten und die Kriege verhindern würde. Das eigentliche Übel des Goldes, meinte er 1921 sinngemäss, sei, dass es sich kontrollieren lasse – breche man diese Kontrolle, ende der Krieg.

Bitcoin eignet sich, anders als Gold, schon in seiner Grundform für digitale Zahlungen, ohne Banken oder Mittelsmänner, die Geld beschlagnahmen können. Und Gold hat als physisches Gut einen weiteren Nachteil: Man kann es plündern.

Raubgold

Ein wichtiger Teil der Kriegsfinanzierung ist Beute. Im Zweiten Weltkrieg beschaffte sich das nationalsozialistische Deutschland Mittel, indem es die Goldreserven der Notenbanken besetzter Länder an sich nahm, etwa jene Belgiens und der Niederlande. Das Prinzip ist alt: Die Redewendung «Der Krieg ernährt den Krieg» stammt aus dem Dreissigjährigen Krieg, als den Kriegsherren das Geld ausging und sich die Söldner ihren Lohn bei der Bevölkerung holten. Schon der «Winterkönig» Friedrich V. konnte seine Truppen in Böhmen 1620 nicht dauerhaft bezahlen, worauf sie Dörfer plünderten und Brandschatzung erpressten, wie die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung schildert.

Auch die Schweiz gehört zu dieser Geschichte. Der Franken war im Zweiten Weltkrieg eine der wenigen frei umtauschbaren Währungen. Die Deutsche Reichsbank verkaufte deshalb Gold in die Schweiz, um mit den Franken kriegswichtige Einkäufe im Ausland zu bezahlen. Hauptabnehmerin war die Schweizerische Nationalbank, die Gold für über eine Milliarde Franken von der Reichsbank kaufte, darunter Raubgold, etwa der belgischen Notenbank. Im Washingtoner Abkommen von 1946 zahlte die Schweiz den Alliierten 250 Millionen Franken, ohne eine Rechtspflicht anzuerkennen. Aufgearbeitet hat das Kapitel die Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (Bergier-Kommission); sie hielt fest, dass die Nationalbank die Herkunft des Goldes schon während des Kriegs hätte erkennen können. Ihr Schlussbericht erschien 2002.

Bitcoin dagegen kann man verwahren, indem man sich eine Wortliste von 12 oder 24 Wörtern merkt. Ein Räuber kommt nur an die Bitcoin, wenn er die Person, etwa mit Gewalt, zur Herausgabe der privaten Schlüssel zwingt. Auch dafür kann man vorsorgen, etwa mit einer Wallet mit kleinem Betrag, die man als «alles» ausgibt – zum Beispiel mit einer optionalen Passphrase.

Das macht Plünderungen weit weniger lohnend als bei Edelmetallen – und Beute hält Kriege am Laufen oder ist sogar ihr Hauptmotiv.

Michael Saylor, Mitgründer der börsenkotierten Firma MicroStrategy (seit 2025 «Strategy»), die gezielt Bitcoin kauft, hält Gold sogar für eine Ermutigung zum Krieg. Liegt alles Vermögen eines Landes in seinen Grenzen, könne der Nachbar einmarschieren und es an sich reissen, erst recht unzerstörbares Gold. Ist alles Eigentum digital, finde der Eroberer nichts – die Bitcoin seien längst ins Ausland geschickt oder zeitgesperrt verwahrt. Bitcoin sei schneller als jede Armee.

Bitcoin gibt uns so ein neues Verständnis von Eigentum. Privateigentum ist eine Grundlage jeder blühenden Wirtschaft. Seine Abschaffung im Kommunismus führte nicht nur zu Armut, sondern zu einer enormen Zahl Toter; die Schätzungen reichen je nach Methode von mehreren Dutzend Millionen bis gegen 100 Millionen.

Freie Märkte gegen Krieg

Verteidiger des Privateigentums sehen den Staat oft kritisch: Märkte beruhen auf Freiwilligkeit, Staaten auf Zwang – und Staaten wachsen fast immer. Die USA starteten als schlanker Staat; eine dauerhafte Einkommenssteuer gibt es erst seit 1913. In der Schweiz erhob der Bund 1915 erstmals eine direkte Steuer, als einmalige «Kriegssteuer». Im Zweiten Weltkrieg folgte die «Wehrsteuer», die bis heute besteht – seit 1983 als direkte Bundessteuer.

Der Ökonom Thorsten Polleit schreibt in «Staat und Krieg», der heutige Staat sei nach innen und aussen aggressiv und neige dazu, Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Tatsächlich führen meist Staaten die Kriege. Die Österreichische Schule folgert: weniger Staat, mehr Frieden. Mit Ludwig von Mises argumentiert Polleit, wer Krieg verhindern wolle, müsse den Staat stark beschränken und den freien Markt stärken.

Der Grund liegt laut Polleit in der Arbeitsteilung: Wer mit anderen handelt, erlebt sie als nützlich und will, dass es ihnen gut geht. Kooperation ist eine überlegene Überlebensstrategie. Auch die Globalisierung, beschleunigt durch das Internet, gilt oft als Hauptgrund für die vergleichsweise friedlichen letzten Jahrzehnte.

Mit Bitcoin kannst du schon heute ohne Mittelsmänner weltweit handeln, etwa eine Programmiererin in Nigeria direkt für eine Website bezahlen. Vor dem Netzwerk ist jeder gleich, und jeder, der mitmacht, stärkt es.

Bitcoin gegen aggressive Staaten

Ein begrenztes, nicht manipulierbares Geld würde die Finanzierung von Staaten stark einschränken, sofern die Menschen es wählen. Kriege sind so teuer, dass Staaten dafür fast immer die Geldmenge ausweiten mussten. Fällt das weg, würden Kriege wohl kürzer und weniger tödlich – oder gar nicht erst begonnen.

Ein historisches Beispiel ist Karl VIII. von Frankreich, der 1494 in Italien einfiel. Für den Feldzug musste er sich viel Geld in Goldmünzen leihen, überliefert ist ein Zins von rund 14 Prozent. Weil er in hartem Geld verschuldet war, das er nicht selbst vermehren konnte, scheiterte in den Folgejahren jeder Versuch, ein neues Heer für einen zweiten Feldzug aufzustellen.

Ein Einwand: Wer seine Währung für ein freies Geld aufgibt, wäre im Krieg womöglich Staaten unterlegen, die sich per Inflation rasch Mittel beschaffen.

Das Besondere an Bitcoin: Es ist eine weltweite Bewegung von unten, die jeden finanziell bestrafen könnte, der sich ihr nicht anschliesst. So könnte Bitcoin immer mehr Kaufkraft an sich ziehen, bis Fiatwährungen – und damit die Macht, sie zu vermehren – gegen null gehen. Erstmals liesse sich so die Stärke und Angriffslust aller Staaten gleichzeitig beschränken, und zwar friedlich.

Zudem ist Angriff teurer als Verteidigung: Nach einer militärischen Faustregel braucht ein Angreifer etwa dreifache Überlegenheit.

Eine fairere Welt mit Bitcoin

In einer Bitcoin-Welt wären einzelne Staaten wohl nicht mehr so überlegen wie heute.

Die USA profitierten stark von der meistgenutzten Währung der Welt. Seit den 1970er-Jahren wird Erdöl vor allem in Dollar gehandelt, den die USA selbst schaffen können – daher der Begriff «Petrodollar». Dollarkredite von Weltbank und Internationalem Währungsfonds an ärmere Länder erhöhten zudem die Nachfrage nach Dollar und den Spielraum der USA, die Geldmenge auszuweiten. Kritiker sehen darin vor allem Abhängigkeit: Die Schuldnerländer hätten ihre Wirtschaft auf billige Exporte ausrichten müssen, nur um an Dollar zu kommen.

Mit Bitcoin als Weltgeld wäre das nicht mehr möglich, und der Drang, den eigenen Währungsraum auszudehnen, fiele weg. Bezeichnend ist, dass eher wirtschaftlich schwächere Länder wie El Salvador den Nutzen zuerst erkennen; es machte Bitcoin 2021 zum gesetzlichen Zahlungsmittel, seit Anfang 2025 ist die Annahme dort allerdings freiwillig. Setzt sich Bitcoin durch, dürften ärmere Länder, die früh günstig gekauft haben, am meisten profitieren. Und weil sich überall auf der Welt Energie per Mining zu Geld machen lässt, könnte sich die wirtschaftliche Macht weiter verteilen.

Fazit

Der Titel dieser Reihe ist bewusst gewählt: Bitcoin kann tödliche Kriege verhindern. Vor allem, weil eine der wichtigsten Quellen der Kriegsfinanzierung versiegt – die zentrale Ausweitung der Geldmenge. Diesem Punkt galt der grösste Teil der Reihe, denn er zeigt, wie eng Kriege und ungedecktes Staatsgeld zusammenhängen.

Setzt sich Bitcoin durch, dürften Staaten zudem kaum wieder ein Fiatgeld zur Kriegsfinanzierung einführen können. Mit Gold gelang das mehrmals, weil es sich bei korrumpierbaren Stellen sammelt, sich schlecht für den digitalen Handel eignet und leicht verboten und beschlagnahmt werden kann. Bitcoin ist nicht korrumpierbar, kaum beschlagnahmbar und von Grund auf digital und grenzüberschreitend.

Hartes Geld allein beendet Kriege also nicht – die Unterschiede zwischen Bitcoin und Gold sind entscheidend. Henry Ford erkannte die Schwächen der Edelmetalle schon vor über 100 Jahren, und Michael Saylor hält Gold als unzerstörbaren Wertgegenstand sogar für eine Ermutigung zum Krieg, zumindest solange die Menschen ihm viel Wert beimessen.

Ob sich tödliche Kriege mit Bitcoin durch Stellvertreterkriege ersetzen lassen, bleibt offen; Lowerys Ausführungen dazu überzeugen bisher nur wenige.

Sicher hat Bitcoin das Potenzial, die Menschen friedlich in eine freiere, kooperativere Welt zu führen. Dasselbe Geld für alle könnte das Gemeinschaftsgefühl stärken, zumal jede Teilnahme das Netzwerk für alle stärkt. Und Bitcoin kann Staaten, die Kriege beginnen, in Grösse und Angriffslust begrenzen.

Ein Slogan aus der Bitcoin-Szene bringt es auf den Punkt: «Make war unaffordable» – mach Kriege unbezahlbar.

Rückblick auf die Reihe

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