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Wie Bitcoin Kriege verhindern kann, Teil 3: Die Weltkriege

Wie der Erste Weltkrieg den Goldstandard beendete, Hyperinflation auslöste und der Zweite Weltkrieg mit der Notenpresse bezahlt wurde.

Samy Nomikos · 14 Min. Lesezeit

Dies ist der dritte Teil der Reihe «Wie Bitcoin Kriege verhindern kann». In Teil 2: Ungedecktes Papiergeld ging es darum, wie Staaten ihre Kriege immer öfter mit Papiergeld ohne Deckung bezahlten. Jetzt folgen die zwei teuersten Kriege der Geschichte: der Erste und der Zweite Weltkrieg.

Worum es geht

Bei der Finanzierung der Weltkriege denken die meisten an Kriegsanleihen, also Kredite der Bevölkerung an ihren Staat, und an höhere Steuern. Beides zusammen reichte aber bei Weitem nicht, um Kriege zu bezahlen, die jeweils Dutzende Millionen Tote forderten. Entscheidend war etwas weniger Sichtbares: die Ausweitung der Geldmenge.

Oft heisst es, die Weltkriege hätten auch mit hartem, frei gewähltem Geld genauso stattgefunden. Dieser Teil zeigt, warum das ein Trugschluss ist. Nach langen Jahren von Frieden und Wohlstand schafften die meisten Industriestaaten zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Bindung an Gold ab. Im Zweiten Weltkrieg konnte in keinem Krieg führenden Land ein Bürger sein Geld in Gold eintauschen. Die Zentralbanken dienten vor allem der Kriegsfinanzierung, ihre Unabhängigkeit war faktisch aufgehoben.

Pax Britannica (1815–1914)

Nach den Napoleonischen Kriegen (1799–1815) ging Grossbritannien, damals die führende Weltmacht, zum Goldstandard über. Genau genommen begann erst jetzt ein echter Goldstandard, denn vorher war auch Silber als Zahlungsmittel im Umlauf. Nach und nach folgten andere Länder. Im Westen begann eine Zeit der Stabilität und des relativen Friedens, die Pax Britannica, der «britische Frieden». Kriege gab es in Europa weiterhin, sie dauerten aber meist kurz.

So auch der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Er war schnell vorbei und musste nicht über Jahre mit gedrucktem Geld durchgehalten werden. Deutschland gewann und verlangte von Frankreich 5 Milliarden Francs Reparationen. Damit baute das neue Deutsche Reich eine goldgedeckte Währung auf, die Mark (oft Goldmark genannt). Mit Deutschland auf Gold setzte sich der Goldstandard in fast der ganzen westlichen Welt durch.

Auch die USA wandten sich vom Silber ab. Ab 1879, vierzehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs, liessen sich die im Krieg ausgegebenen Greenbacks wieder in Gold tauschen; damit waren die USA faktisch auf Gold. Weil viele Länder zugleich Silber abstiessen und Gold suchten, verdoppelte sich der Goldpreis, in Silber gemessen, innert rund dreissig Jahren.

Die Ära des klassischen Goldstandards (etwa 1871–1914) war die Zeit der Hochindustrialisierung: Telefon, Glühbirne, Automobil und Flugzeug wurden erfunden. Die Wirtschaft wuchs solide, Löhne stiegen, und Aktien brachten nach Abzug der Teuerung überdurchschnittliche Renditen – obwohl die Güterpreise lange eher sanken als stiegen. Mehr dazu in Vom Gold- zum Bitcoin-Standard.

Erster Weltkrieg (1914–1918): Abschied vom Gold

Der Erste Weltkrieg beendete diese Epoche. Fast alle Krieg führenden Staaten hoben die Einlösbarkeit ihres Papiergelds in Gold auf, per Gesetz oder faktisch. Selbst Länder, die nicht kämpften, nutzten die Gelegenheit, etwa Dänemark – und die Schweiz.

Die Schweiz

Ende Juli 1914 erklärte der Bundesrat die Noten der Nationalbank zum gesetzlichen Zahlungsmittel und hob ihre Einlösungspflicht in Gold auf. Die Schweiz blieb neutral, hielt aber jahrelang Truppen an der Grenze. 1915 stimmte das Volk dafür einer einmaligen Kriegssteuer zu, der ersten direkten Bundessteuer. Auch hier stiegen die Preise kräftig, die Löhne hinkten nach – ein Hintergrund des Landesstreiks vom November 1918. Verglichen mit den Währungen der Kriegsparteien blieb der Franken aber stabil und gewann gegenüber Mark, Krone und französischem Franc deutlich an Wert. Wer keinen langen Krieg mit der Notenpresse bezahlen muss, hat die stabilere Währung.

Grossbritannien

Vor dem Krieg stand Grossbritannien finanziell glänzend da: Die Staatsschuld lag bei rund 30 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, die Steuern waren tief. Dann kam der Krieg. Formell blieb der Goldstandard bestehen, doch mit Ausfuhrbeschränkungen und Druck wurde das Eintauschen in Gold faktisch unterbunden. Von 1914 bis 1919 wuchs die Staatsschuld auf mehr als das Zehnfache, auf weit über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Ein Teil kam als Kredit aus den USA und Kanada, längst nicht alles wurde zurückbezahlt. Wichtig waren aber auch Kriegsanleihen bei der eigenen Bevölkerung, beworben als Dienst am Vaterland und gute Geldanlage zugleich.

Offiziell war die erste grosse Kriegsanleihe 1914 ein Triumph: Die Bank of England erklärte, das Publikum habe alles gezeichnet, und die Financial Times feierte im November 1914 eine angeblich überzeichnete Anleihe als Beweis britischer Finanzkraft. Rund 100 Jahre später kam heraus, dass die Bevölkerung nicht einmal ein Drittel gekauft hatte. 2017 räumte die Financial Times sinngemäss ein, dass an ihrem damaligen Bericht nichts gestimmt habe.

Den Rest kaufte die Bank of England selbst, verbucht auf die Namen ihres Chefkassierers Gordon Nairne und seines Stellvertreters, in der Bilanz unter «andere Wertpapiere» statt unter Staatspapieren. Im Schatzamt arbeitete damals John Maynard Keynes, dessen Lehre vom aktiv eingreifenden Staat die Wirtschaftspolitik bis heute prägt. In einer vertraulichen Notiz von 1915 lobte er den Kniff als «meisterhafte Manipulation». Nur dank ihm fand London 1917 überhaupt noch Käufer für weitere Anleihen.

Kauft die Zentralbank Staatsanleihen mit neuem Geld, ohne dass ein Goldstandard bremst, steigen Geldmenge und Preise gemeinsam. Vor dem Krieg sanken die Preise leicht, gegen Kriegsende lag die Teuerung bei deutlich über 20 Prozent.

1925 kehrte Grossbritannien zum Goldstandard zurück, zum alten Vorkriegskurs gegenüber dem US-Dollar, der weiter in Gold einlösbar war. Nach der starken Geldvermehrung war das Pfund damit überbewertet. Es folgte eine Krise mit sinkenden Preisen und hoher Arbeitslosigkeit, 1931 gab London das Gold wieder auf.

Frankreich

Auch Frankreich verliess den Goldstandard zu Kriegsbeginn. Die Finanzierung glich der britischen, nur war Frankreich schon vorher höher verschuldet und deckte weniger über Steuern. Also wurde mehr gedruckt, und die Teuerung fiel höher aus, auch nach dem Krieg. Der Wirtschaftshistoriker Baubeau fasst es sinngemäss so: Kredite und Steuern reichten für über vier Jahre totalen Krieg nicht, die Lücke füllten Notenpresse und kurzfristige Schulden; Geldmenge und Preise vervierfachten sich etwa. Erst 1928 band Präsident Poincaré den Franc wieder an Gold, und zwar ehrlicher als London: zu rund einem Fünftel des Vorkriegswerts. Frankreich gestand sich den Verlust ein.

USA

Die US-Zentralbank, das Federal Reserve System (Fed), entstand im Dezember 1913, wenige Monate vor dem Krieg. Offizieller Anlass war die Bankenpanik von 1907, in der viele Banken die Auszahlung von Bargeld einschränkten. Zunächst blieben die USA neutral, unterstützten Frankreich und Grossbritannien aber mit grossen Krediten. Die US-Wirtschaft profitierte: Viel europäisches Gold floss über den Atlantik, unter anderem für Waffen und Munition.

1917 traten die USA selbst in den Krieg ein, auch aus Sorge, dass die Kredite bei einer Niederlage der Alliierten verloren wären. Die monatlichen Staatsausgaben vervielfachten sich, und die junge Fed stand bereit. Ihre eigene Geschichtsschreibung hält sinngemäss fest, dass sie sich nach dem Kriegseintritt vor allem der Unterstützung des Kriegs widmete.

Wichtig waren wieder Kriegsanleihen, die Liberty und Victory Bonds. Die Fed gab Banken, die solche Anleihen als Sicherheit hinterlegten, günstigere Kredite. Dazu kam enormer sozialer Druck. Kaum ausgegeben, verloren die Anleihen an Wert – wohl weil viele sie aus Patriotismus gezeichnet hatten, nicht aus Überzeugung.

Laut dem Wirtschaftshistoriker Hugh Rockoff wurden die Kriegskosten zu etwa 58 Prozent mit Krediten beim Publikum, zu 22 Prozent mit Steuern und zu 20 Prozent mit Geldschöpfung gedeckt. Der Dollar blieb im Inland in Gold einlösbar, doch ab dem Kriegseintritt wuchs die Geldmenge nicht mehr wegen zuströmenden Golds, sondern weil die Fed einen grossen Teil der neuen Schulden mit frischem Geld aufkaufte. Rockoff vergleicht den Inflationsdruck mit jenem der Greenbacks im Bürgerkrieg.

Von 1915 bis 1920 verdoppelte sich die Geldmenge. Laut dem Ökonomen J. P. Koning lag die Teuerung im Krieg meist zwischen 13 und 20 Prozent. 1920 bekam man für einen Dollar nur noch etwa halb so viel wie 1914.

Deutschland

Deutschland war finanziell schlecht gerüstet. Der Kriegsschatz von 120 Millionen Mark in Gold, einst aus den französischen Reparationen im Juliusturm in Spandau eingelagert, reichte nur für wenige Kriegstage. Die Steuern deckten einen noch kleineren Teil der Kosten als in Grossbritannien. Das Reich musste sich massiv verschulden, hatte aber weniger entwickelte Kapitalmärkte und keine ausländischen Geldgeber.

Umso stärker warb der Staat bei der eigenen Bevölkerung. Ein Flugblatt von 1916 malte sinngemäss aus, wie stolz man sein dürfe, wenn ein Zeppelin Bomben auf London werfe: Diese Bomben habe man mitbezahlt. Zudem galten die Anleihen als «beste Sparkasse», und mit den Reparationen von 1871 im Hinterkopf liessen sich viele überzeugen.

Doch das Ersparte reichte nicht. Die Reichsbank sprang mit neuem Geld ein; ihre Pflicht, Papiermark in Gold zu tauschen, war schon am 4. August 1914 aufgehoben worden. Laut dem Wirtschaftshistoriker Theo Balderston lag bis 1917 nur etwa ein Viertel der Staatspapiere beim Publikum, drei Viertel bei der Reichsbank. Weil der Markt sie nicht wollte, landeten sie direkt bei der Zentralbank.

Die Hyperinflation von 1923

Deutschland musste also stärker drucken als Grossbritannien. Balderston rechnet vor: Ende 1917 war die deutsche Geldbasis fast 3,5-mal so gross wie Ende 1913, die britische weniger als doppelt so gross. Die Geldmenge lag beim 2,54-Fachen gegenüber dem 1,68-Fachen.

Dass die Inflation in Deutschland nach dem Krieg ausser Kontrolle geriet, während sie in Grossbritannien abflaute, lag daran, dass die Notenpresse weiterlief. Der Staat brauchte riesige Summen: für die Reparationen aus dem Versailler Vertrag, zahlbar in Gold und Devisen, für alte Schulden und für Renten an Kriegsversehrte. Zeitweise sollen über 1'800 Druckmaschinen rund um die Uhr gelaufen sein, fast 30'000 Menschen druckten Geld.

Ab 1921 beschleunigte sich der Verfall, weil Deutschland Mark druckte, um Devisen für die Reparationen zu kaufen. Bald wollte niemand mehr Mark annehmen, und Deutschland zahlte mit Sachgütern wie Kohle. Im Januar 1923 besetzten Frankreich und Belgien deshalb das Ruhrgebiet. Die Regierung rief zum Streik auf und zahlte den Arbeitern weiter Lohn – mit frisch gedrucktem Geld.

Am Ende wurden Scheine gebündelt gezählt, in Schubkarren transportiert und als Tapete verklebt. Im November 1923 kostete ein Dollar 4,2 Billionen Mark (4'200'000'000'000), vor dem Krieg waren es 4,20 Mark. Der Staat erliess strenge Devisenvorschriften, und die Polizei ging mit Razzien gegen Devisenhändler vor.

Die Menschen verarmten und hungerten. Der Ausweg war eine Währungsreform: Am 15. November 1923 kam die Rentenmark, eine Rentenmark für eine Billion Papiermark. Die Notenpresse wurde gestoppt, Kredite der Zentralbank an den Staat verboten; 1924 folgte die Reichsmark.

Bezahlt hat den Krieg die Bevölkerung, grösster Gewinner war der Staat: Seine Kriegsschulden von rund 154 Milliarden Mark entsprachen zum Umtauschkurs gerade noch 15,4 Pfennig. Wer Kriegsanleihen besass, verlor fast alles.

Österreich

In Österreich-Ungarn lief es ähnlich. Im August 1914 wurden zentrale Regeln der Notenbank ausgesetzt, darunter die Mindestdeckung der Noten durch Gold und das Verbot von Krediten an den Staat. Laut der Oesterreichischen Nationalbank wuchs der Notenumlauf bis Kriegsende auf das Zwölffache. Nach dem Krieg folgte eine Hyperinflation, die erst eine Währungsreform beendete: Die Preise stiegen auf mehr als das 10'000-Fache, 1925 ersetzte ein Schilling 10'000 Kronen. Die Nationalbank bilanziert sinngemäss: Die Schuldenlast des Staates sank, doch die Besitzer der Kriegsanleihen und damit der Mittelstand verarmten.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945)

Nach diesen Erfahrungen mussten die Staaten einfallsreicher werden. Am Ende führte aber wieder nichts an einer starken Ausweitung der Geldmenge vorbei. Gelegen kam, dass sich die meisten schon in den 1930er-Jahren vom Gold gelöst hatten, offiziell wegen der Weltwirtschaftskrise: Grossbritannien 1931, die USA 1933, Deutschland und Österreich mit Devisenkontrollen ab 1931, Frankreich 1936.

In den USA wurde 1933 der private Besitz von Gold im Wert von über 100 Dollar verboten. Die Bürger mussten ihr Gold zu 20,67 Dollar je Feinunze abliefern; 1934 setzte der Staat den Preis auf 35 Dollar fest.

Die Schweiz hielt im sogenannten Goldblock länger am Gold fest, wertete den Franken im September 1936 aber ebenfalls ab, um rund 30 Prozent.

Deutschland

Nach 1923 hätte die Bevölkerung kaum Kriegsanleihen gezeichnet, und offenes Gelddrucken hätte rasch Panik ausgelöst. Der Staat griff deshalb tief in die Trickkiste.

Ab 1933 rüstete das NS-Regime auf. Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht führte die Mefo-Wechsel ein: Zahlungsversprechen, die innert höchstens fünf Jahren in Reichsmark eingelöst werden sollten. Die Industrie nahm sie an und bezahlte selbst damit, so wurden sie zu einem Zahlungsmittel. Auf dem Höhepunkt liefen rund 12 Milliarden Reichsmark um, dazu über eine Milliarde in Öffa-Wechseln für Bauten und Arbeitsbeschaffung. Ausgegeben wurden sie über Scheinfirmen, die Metallurgische Forschungsgesellschaft m. b. H. (Mefo) und die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG (Öffa). Das war versteckte Staatsverschuldung, im Haushalt tauchte sie nicht auf.

Die offizielle Geldmenge wirkte vor dem Krieg stabil, doch die Wechsel blähten die tatsächliche auf. Reichsfinanzminister Schwerin von Krosigk schrieb Hitler sinngemäss, was nicht über Ersparnisse finanzierbar gewesen sei, sei über Wechsel bei der Reichsbank finanziert worden – also durch Geldschöpfung.

Private mussten Gold und Devisen der Reichsbank anbieten, und ein Gesetz von Ende 1936 bedrohte das Verschieben von Vermögen ins Ausland mit dem Tod. Mit Kriegsbeginn 1939 wurden auch Edelmetalle von Unternehmen erfasst. Im selben Jahr wurde die Reichsbank Hitler direkt unterstellt und musste dem Reich Kredit geben, so viel er verlangte; damit liessen sich auch die fälligen Wechsel einlösen. Damit die Reichsmark nicht zu viel Vertrauen verlor, mussten zusätzlich die Banken dem Staat Geld leihen, und er bezahlte mit Steuergutscheinen und kurzlaufenden Schuldpapieren.

1941 kam das «Eiserne Sparen»: Arbeitnehmer konnten einen Teil des Lohns steuerbegünstigt auf ein Sperrkonto legen, verfügbar erst nach dem Krieg. Das Geld floss über die Banken ebenfalls in die Kriegsfinanzierung und fehlte beim Konsum.

Man spricht von «geräuschloser Kriegsfinanzierung». Zwangskredite und Sparanreize dämpften die Teuerung, dazu kamen Preiskontrollen: Ab 1936 galt ein Preisstopp, und ein Reichskommissar für die Preisbildung konnte Geschäfte schliessen oder Händler einsperren lassen. Die Inflation war verdeckt, aber da.

Trotz aller Kniffe vervielfachte sich die Geldmenge. Laut dem früheren EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark lag die Zentralbankgeldmenge 1945 bei mehr als dem Siebenfachen von 1938. Die Bundesbank beschreibt sinngemäss, wie Preisstopps, Lohnfestsetzungen und Rationierung die Inflation unsichtbar hielten, bis 1948 die Währungsreform kam: Die D-Mark ersetzte die Reichsmark grundsätzlich im Verhältnis 1 zu 10, Sparer wurden zu einem guten Teil enteignet.

USA

In den USA spielte die Fed erneut die Hauptrolle. Steuern reichten nicht, obwohl der Spitzensatz für Einkommen über 200'000 Dollar zeitweise 94 Prozent betrug. Für Kriegsanleihen wurde kräftig geworben, Käufer erhielten etwa Gratis-Kinotage, und mit Sparmarken konnte man schon ab 10 Cent mitmachen. Prominente und sogar Bugs Bunny riefen zum Kauf auf.

Trotzdem landete ein grosser Teil der Schulden bei der Zentralbank. Laut der Federal Reserve Bank of Atlanta stieg die Staatsschuld von rund 40 auf 110 Prozent der Wirtschaftsleistung, grösstenteils finanziert durch Käufe der Fed.

Damit die Zinsen tragbar blieben, deckelte die Fed erstmals die Zinsen, heute Yield Curve Control genannt: Sie kaufte so viele Staatspapiere wie nötig, um deren Zins tief zu halten. Der Anteil in privater Hand sank deutlich. Laut der Fed galt ab Juli 1942, rund ein halbes Jahr nach dem Kriegseintritt im Dezember 1941, für kurzfristige Papiere ein Zins von 0,375 Prozent statt der in Friedenszeiten üblichen 2 bis 4 Prozent, bis Juni 1947.

Die Fed brauchte dafür so viel Personal, dass die Zahl der Angestellten der zwölf Federal Reserve Banks von rund 11'000 (1939) auf über 24'000 (1943/44) stieg. Die Folge: Die Geldmenge verdoppelte sich etwa, es kam zu kräftigen Inflationsschüben.

Andere Länder

Weil die Muster ähnlich waren, genügt ein kurzer Blick auf weitere Länder. In Grossbritannien lag die Teuerung zeitweise über 10 Prozent, in Frankreich während und kurz nach dem Krieg um die 50 Prozent. Japan erlebte gegen Kriegsende Preissteigerungen von 40 bis 80 Prozent – pro Quartal. Griechenland rutschte 1944 in eine Hyperinflation, Ungarn 1946 in die schlimmste, die je gemessen wurde.

Die Schweiz

Die neutrale Schweiz mobilisierte erneut und bezahlte das vor allem mit neuen Abgaben: dem Wehropfer, der Wehrsteuer (Vorläuferin der direkten Bundessteuer) und der Warenumsatzsteuer; Lebensmittel waren rationiert. Ein dunkles Kapitel: Die Schweizerische Nationalbank kaufte im Krieg Gold von der Deutschen Reichsbank, darunter Raubgold aus besetzten Ländern. Aufgearbeitet hat das die Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (Bergier-Kommission), Schlussbericht 2002.

Pax Americana (seit 1945)

Nach dem Krieg entstand mit dem Bretton-Woods-System wieder eine Art Goldstandard: Der Dollar war zu 35 Dollar je Unze in Gold einlösbar, allerdings nur für ausländische Zentralbanken, und die anderen Währungen hingen zu festen Kursen am Dollar. Im Westen begann erneut eine Zeit relativen Friedens, die Pax Americana.

Zusammenfassung

So einfallsreich die Finanzierung auch wurde: An einer Ausweitung der Geldmenge führte in den Weltkriegen kein Weg vorbei. Die vielen Tricks sollten vor allem Geld beschaffen, ohne das Vertrauen in die wichtigste Waffe zu zerstören – die eigene Währung.

Steuern ins Uferlose erhöhen, Banken zu Krediten zwingen, Bürger enteignen, Menschen an die Front schicken: All das hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gereicht, um Kriege dieses Ausmasses zu führen. Und Zentralbanken sind nur so lange «unabhängig», bis der Staat für den Krieg auch die stille Enteignung über die Geldmenge braucht.

Kriege gehen also fast immer mit Geldentwertung einher, auch die Weltkriege. Das heisst nicht, dass Kriege mit Bitcoin unmöglich würden. Die Bitcoin-Menge lässt sich zwar nicht zentral ausweiten (siehe Warum 21 Millionen?), doch ein Staat könnte weiter Steuern erheben und Bürger überzeugen, ihm ihre Satoshis zu leihen. Wie eine Welt mit Bitcoin als Geld aussähe, lässt sich kaum vorhersagen. Vieles spricht aber dafür, dass Kriege deutlich «weicher» ausfielen.

Ausblick auf Teil 4

Bitcoin ist mehr als Geld, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Es könnte auch verändern, wie Konflikte ausgetragen werden. Jason Lowery vertritt in «Softwar» sinngemäss die These, Bitcoin sei ein Machtwettbewerb ohne Tote: Wie im Krieg setzt sich durch, wer am meisten physische Kraft aufbringt, nur besteht diese aus Energie statt aus Soldaten und Waffen. Mehr dazu in Teil 4: Das Finale.

Keine Finanz- oder Steuerberatung.

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