Kurz gesagt
- Rund um Bitcoin gibt es Sprüche und Running Gags, die man ständig liest – meist auf Englisch.
- Manche sind ernst gemeinte Ratschläge, andere ironische Seitenhiebe auf die Gier im Markt.
- Hier sind zehn der bekanntesten, mit Herkunft und Bedeutung.
Jede Ecke des Internets hat ihre eigene Sprache, auch die Bitcoin-Szene. Der bekannteste Ausdruck ist wohl «HODL»: ein Tippfehler für «hold» aus einem Forumsbeitrag von 2013, der heute für «Halten statt verkaufen» steht. Hier sind zehn weitere Sprüche, auf die du früher oder später stösst.
1. «Not your keys, not your coins»
Neben HODL ist das wohl der bekannteste Satz der Szene: Ohne Schlüssel gehören dir die Coins nicht. Wem Bitcoin wirklich gehören, entscheidet allein, wer die privaten Schlüssel kontrolliert (siehe Was sind Private & Public Keys und Adressen?). Wer sein Guthaben auf einer Handelsplattform liegen lässt, hat nur ein Versprechen dieser Firma. Wer die Schlüssel selbst verwahrt, etwa mit einer Hardware-Wallet wie der BitBox, besitzt seine Bitcoin tatsächlich. Der Bitcoin-Autor Andreas M. Antonopoulos hat das über Jahre immer wieder betont. Wie Selbstverwahrung konkret geht, steht in Bitcoin selbst verwahren – Schritt für Schritt.
2. «Be your own bank»
«Sei deine eigene Bank» war für viele der Grund, überhaupt die ersten Bitcoin oder Satoshis zu kaufen. Selbst über das eigene Geld zu bestimmen, ohne zentrale Stelle, fühlt sich nach Freiheit an. Das Netzwerk steht allen offen, niemand muss um Erlaubnis fragen, und niemand kann dir eine Überweisung verbieten.
Die Kehrseite: Du trägst die ganze Verantwortung. Schickst du Bitcoin an eine falsche Adresse oder verlierst du deine Sicherung, gibt es keinen Kundendienst, der den Fehler rückgängig macht. Eigene Bank zu sein heisst deshalb auch: sorgfältig und überlegt handeln.
3. «When moon? When Lambo?»
Diese Fragen sind das Gegenstück zu «Be your own bank»: Hier geht es nicht um Unabhängigkeit, sondern um schnelles Geld. «When moon?» fragt, wann der Kurs endlich steil nach oben geht – sprichwörtlich bis zum Mond. «When Lambo?» fragt, wann der Gewinn für einen Sportwagen von Lamborghini reicht. Meist wird beides ironisch verwendet, um ungeduldige Anleger aufs Korn zu nehmen, die nach wenigen Wochen den grossen Reichtum erwarten.
4. «I'm in it for the tech»
«Ich bin nur wegen der Technologie dabei» – so lautet die Ausrede derer, die nicht zugeben möchten, dass es ihnen eigentlich um die Rendite geht. Der Spruch fällt gern augenzwinkernd, wenn jemand ein fragwürdiges Projekt mit angeblich bahnbrechender Technik verteidigt.
5. «Bitcoin fixes this»
Ursprünglich wollten Bitcoiner mit diesem Satz Aussenstehenden zeigen, dass viele Probleme unserer Gesellschaft auf ein krankes Geldsystem zurückgehen – und dass Bitcoin dafür eine Lösung bietet.
Heute ist der Spruch oft ironisch gemeint. Bitcoin löst manches, aber nicht alles. Weil einige Anhänger Bitcoin als Allheilmittel darstellen, hängen andere «Bitcoin fixes this» genüsslich an Probleme, mit denen Bitcoin offensichtlich nichts zu tun hat – etwa an ein verregnetes Wochenende.
6. «Funds are SAFU»
Changpeng Zhao, kurz CZ, Gründer und damals Chef der Handelsplattform Binance, beruhigte seine Kunden während ausserplanmässiger Wartungsarbeiten auf Twitter mit dem Satz «Funds are safe» – die Gelder seien sicher. Danach wiederholte er ihn bei vielen Gelegenheiten.
Am 19. Mai 2018 lud ein YouTuber namens Bizonacci ein Video mit dem Titel «Funds Are Safu» hoch. Es verbreitete sich rasant, bald sagte die Szene nur noch «safu». CZ nahm den Witz selbst auf und verwendete die neue Schreibweise ebenfalls.
Im Juli 2018 machte Binance daraus sogar einen Notfallfonds: Ein Teil der Handelsgebühren, damals 10 Prozent, floss in einen Topf, mit dem Kunden nach einem Hackerangriff entschädigt werden sollen. Sein Name: «Secure Asset Fund for Users», abgekürzt SAFU. CZ ist heute nicht mehr Chef von Binance: Er trat im November 2023 zurück, nachdem er sich in den USA schuldig bekannt hatte, Vorschriften gegen Geldwäscherei verletzt zu haben. Das Meme erinnert auch daran: «Sicher» ist relativ, solange eine Firma deine Coins verwahrt.
7. «Horrible boating accident»
Ende 2017 gab Litecoin-Erfinder Charlie Lee bekannt, dass er alle seine Litecoin verkauft hatte. Riccardo Spagni, damals führender Entwickler von Monero und in der Szene als «fluffypony» bekannt, reagierte mit einem Witz: Er habe leider gar nicht alle seine Monero verkaufen können, denn er habe seine privaten Schlüssel bei einem schrecklichen Bootsunfall verloren.
Seither ist der «Bootsunfall» ein fester Begriff. Aus Gründen der Sicherheit und Privatsphäre ist es klug, niemandem zu erzählen, wie viele Bitcoin man hat – oder ob überhaupt noch welche. Wer vom Bootsunfall spricht, sagt also augenzwinkernd: Bei mir gibt es nichts zu holen, sucht euch jemand anderen.
8. «Number go up»
Journalisten und Neulinge rätseln oft, was den Bitcoin-Kurs antreibt. Erfahrene Bitcoiner antworten darauf gern mit drei Wörtern: «Number go up», kurz NGU. Verbreitet hat sich der Ausdruck über Twitter, heute X. Die absichtlich falsche Grammatik ist Teil des Witzes: Egal, was gerade passiert und welche Gründe dahinterstehen – auf lange Sicht, so die augenzwinkernde Behauptung, steigt die Zahl eben.
9. «Stacking sats»
«Sats stapeln» heisst, laufend kleine Beträge Bitcoin zu kaufen und zu sammeln. Ein Sat, kurz für Satoshi, ist die kleinste Einheit: ein Hundertmillionstel eines Bitcoin. Geprägt hat den Ausdruck vor allem der Podcaster Matt Odell, dessen Leitspruch «Stay humble, stack sats» lautet – sinngemäss: Bleib bescheiden und sammle weiter.
Gemeint ist: Lass dich nicht von FOMO, der Angst, etwas zu verpassen, oder von verrückten Renditeversprechen mitreissen, wie sie bei jedem neuen Hype auftauchen, etwa beim DeFi-Boom 2020. Bau dein Bitcoin-Vermögen lieber stetig auf, zum Beispiel mit einem Sparplan, der jeden Monat einen festen Betrag in Franken investiert. Fachleute nennen das Dollar-Cost-Averaging oder kurz DCA.
10. «Bitconneeeeect!»
Bitconnect war ein Schneeballsystem im Krypto-Gewand. Es versprach Anlegern hohe tägliche Renditen, erreichte im Dezember 2017 seinen Höhepunkt und brach im Januar 2018 zusammen. Viele Anleger verloren ihr Geld.
Unvergessen ist ein Auftritt des Bitconnect-Anhängers Carlos Matos an einer Veranstaltung der Firma in Thailand. Seine übertriebene Begeisterung, sein Gejohle und Rufe wie «Hey hey heeeey» und «Wassa wassa wassup – Bitconneeeect!» wurden zu einer ganzen Reihe von Memes. Sein Gesicht ziert bis heute unzählige Bilder, T-Shirts und Tassen.
Weil schon damals viele vor Bitconnect warnten und die Anhänger davon nichts hören wollten, ist das Meme heute auch ein Mahnmal: Wer extrem hohe, sichere Renditen verspricht, will meist nur dein Geld. Mehr zu solchen Maschen findest du in Was bedeutet Pump-and-Dump?.
Mehr als nur Witze
Viele dieser Sprüche wirken albern, erzählen aber viel über die Szene: über den Wert der Selbstverwahrung, über die Verlockung des schnellen Geldes und über Betrugsfälle, aus denen man lernen kann.