Bitcoin · Geschichte & Kultur

Was sind Cypherpunks?

Die Bewegung, die Privatsphäre mit Kryptographie verteidigen wollte – und deren Ideen und Vorarbeiten zu Bitcoin führten.

Samy Nomikos · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Cypherpunks sind eine lose Gemeinschaft von Technikfans und Freiheitsdenkern, die Privatsphäre mit Kryptographie schützen wollen.
  • Die Bewegung entstand Anfang der 1990er-Jahre in Kalifornien und wuchs über eine Mailingliste.
  • Viele Ideen, auf denen Bitcoin aufbaut, wurden in diesem Umfeld entwickelt.

Wer sind die Cypherpunks?

Cypherpunks sind keine Organisation, sondern eine lose Gruppe technisch versierter Menschen, denen Freiheit und Privatsphäre im digitalen Zeitalter wichtig sind. Sie tauschen Ideen aus und bauen passende Werkzeuge.

Der Name ist ein Wortspiel aus drei englischen Begriffen:

  • Cipher: eine Chiffre, also ein verschlüsselter Text.
  • Cyber: eine Vorsilbe für alles, was mit Computern und der virtuellen Welt zu tun hat.
  • Punk: die Jugendkultur, die Mitte der 1970er-Jahre aufkam und für Rebellion und Nonkonformismus steht.

Auf den Punkt gebracht: Cypherpunks wollen mit Verschlüsselung die digitale Welt freier machen und die Privatsphäre jedes Einzelnen schützen.

Wie alles begann

Anfang der 1990er-Jahre trafen sich in der Gegend von San Francisco einige libertär gesinnte Kryptographen und Informatiker etwa einmal im Monat. Zu den Gründern zählen Eric Hughes, Timothy C. May und John Gilmore. Diskutiert wurde über alle Facetten der Kryptographie.

Zwei Texte prägen die Bewegung bis heute. Timothy May hatte schon 1988 «The Crypto Anarchist Manifesto» geschrieben, wonach Verschlüsselung das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat grundlegend verändern werde. 1993 verfasste Eric Hughes «A Cypherpunk's Manifesto». Wer die Cypherpunks verstehen will, sollte ihn lesen.

Hughes' Kernaussagen lassen sich so zusammenfassen: Eine offene Gesellschaft braucht im elektronischen Zeitalter Privatsphäre. Diese wird man nicht von Regierungen, Konzernen oder anderen grossen, anonymen Organisationen geschenkt bekommen – man muss sie selbst verteidigen. Die Mittel dazu nennt er ausdrücklich: Kryptographie, anonyme Weiterleitung von E-Mails, digitale Signaturen und elektronisches Geld.

Die Mailingliste

Aus den Treffen entstand bald eine Mailingliste. Über E-Mail, damals noch neu, verbreiteten sich die Ideen weltweit.

In den folgenden Jahren schrieben sich viele Menschen ein, darunter später bekannte Namen wie Julian Assange, Hal Finney und Adam Back. Finney erhielt im Januar 2009 die erste Bitcoin-Überweisung von Satoshi. Adam Back gehörte im Sommer 2008 zu den Ersten, die Satoshi vor der Veröffentlichung des Whitepapers anschrieb.

Immer wieder ging es um die Angst vor einem Überwachungsstaat – für manche die grösste Gefahr überhaupt. Daneben wurde über Philosophie gestritten und über eine Internetwährung ohne zentrale Stelle nachgedacht.

Dass diese Sorge berechtigt war, zeigt ein Schweizer Fall: Die Crypto AG in Zug verkaufte jahrzehntelang Verschlüsselungsgeräte an Regierungen. 2020 wurde bekannt, dass sie heimlich amerikanischen und deutschen Geheimdiensten gehört hatte, die mitlesen konnten.

Die Vorläufer von Bitcoin

David Chaum und DigiCash

Als eine Art Urvater der Bewegung gilt der Informatiker David Chaum. In seinem Aufsatz von 1985 mit dem Titel «Security without Identification: Transaction Systems to Make Big Brother Obsolete» zeigte er, wie Menschen bezahlen und sich ausweisen können, ohne dass jede Handlung mit ihrer Person verknüpft wird. Grundlage waren sogenannte blinde Signaturen.

Daraus entstand DigiCash, eines der ersten rein softwarebasierten Systeme, mit denen man ab Mitte der 1990er-Jahre im Internet bezahlen konnte. Doppelausgaben verhinderte DigiCash über einen zentralen Server – genau das war die Schwachstelle. Fiel die Firma weg, fiel auch das Geld weg. 1998 ging DigiCash in Konkurs.

Adam Back und Hashcash

Adam Back stellte 1997 auf der Mailingliste «Hashcash» vor, ein Mittel gegen Spam. Wer eine E-Mail verschickt, muss nachweisen, dass sein Computer dafür eine gewisse Rechenarbeit geleistet hat. Bei einer Mail fällt das kaum ins Gewicht, bei Millionen schon. Dieses Prinzip, Arbeit fälschungssicher nachzuweisen, steckt heute als Proof of Work im Mining von Bitcoin.

Wei Dai und b-money

1998 beschrieb Wei Dai auf derselben Liste «b-money». Ein Netzwerk von Teilnehmenden sollte selbst Buch darüber führen, wem wie viel Geld gehört, und Verträge durchsetzen – ohne Staat oder andere Mittelsperson und dank Verschlüsselung ohne Rückverfolgung. Neues Geld sollte durch Rechenaufwand entstehen, ähnlich wie bei Bitcoin. Für die Absicherung des Systems setzte Dai aber auf Teilnehmende, die Geld als Pfand hinterlegen, eher vergleichbar mit Proof of Stake.

Keines dieser Konzepte löste das Problem der Doppelausgaben ohne zentrale Stelle (mehr dazu in Was ist ein Doublespend?).

Und dann kam Satoshi

Am 31.10.2008 veröffentlichte Satoshi Nakamoto sein Whitepaper «Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System» – nicht auf der Cypherpunk-Liste, sondern auf einer verwandten Mailingliste für Kryptographie. Neu war die Kombination: Satoshi fügte bekannte Ideen so zusammen, dass Doppelausgaben ohne zentrale Instanz verhindert werden. Hashcash und b-money nennt er im Whitepaper ausdrücklich als Quellen.

Trotz anfänglicher Skepsis erzeugte Satoshi am 03.01.2009 den ersten Block, den Genesis-Block. Seither läuft das Netzwerk ohne Unterbruch – und Satoshi wurde zur Legende.

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