Bitcoin · Einstieg

Fünf Fehler, die Einsteiger teuer zu stehen kommen

Die meisten Verluste entstehen nicht durch den Kurs, sondern durch vermeidbare Fehler. So umgehst du sie.

Samy Nomikos · 4 Min. Lesezeit

Der Einstieg in Bitcoin kann einfach sein. Die meisten Verluste entstehen aber nicht durch den Kurs, sondern durch vermeidbare Fehler. Diese fünf sind die teuersten – und so umgehst du sie.

1. Den Einstieg immer weiter hinausschieben

Viele Einsteiger haben das Gefühl, den Zug verpasst zu haben, und warten auf einen kräftigen Rückgang. Das Problem: Den idealen Zeitpunkt erkennt man immer erst im Nachhinein. Als der Kurs in der Baisse 2022 auf rund 15'000 Dollar gefallen war, sagten manche, sie würden bei 12'000 oder 8'000 Dollar einsteigen – dazu kam es nie, und wenig später lag der Kurs um ein Vielfaches höher.

Auch hier gilt: Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes. Wer langfristig investiert, fährt in der Regel besser als wer auf den perfekten Moment wartet. Fast alle, die heute Bitcoin halten, wünschten sich, sie hätten schon damals gekauft, als sie zum ersten Mal darüber nachdachten – selbst wenn der Kurs danach zunächst unter ihren Einstiegspreis gefallen wäre. Ein Sparplan löst das Problem: Du kaufst automatisch in regelmässigen Abständen und musst keine Prognose treffen. Mehr dazu in Lohnt sich der Einstieg in Bitcoin noch?

2. Zum Händler oder Spekulanten werden

Gerade nach ersten Gewinnen werden viele übermütig. Sie beginnen, häufig zu kaufen und zu verkaufen, oder wechseln in kleinere Kryptowährungen, die angeblich «das nächste Bitcoin» sind. Für die meisten Menschen geht aktives Handeln langfristig schief:

  • Kosten und Steuern: Jeder Handel kostet Gebühren. In der Schweiz kommt hinzu: Wer sehr häufig handelt, auf Kredit kauft oder einen grossen Teil seines Einkommens damit erzielt, riskiert, als gewerbsmässiger Händler eingestuft zu werden. Dann sind Gewinne als Einkommen steuerbar, während sie beim einfachen Halten im Privatvermögen steuerfrei bleiben.
  • Totalverluste: Andere Kryptowährungen sind hochspekulativ. Manche steigen kurzfristig stärker als Bitcoin, viele verlieren aber fast ihren ganzen Wert. Wer nur auf Bitcoin setzt, fährt über die Zeit meist besser.
  • Verpasste Gewinne: Wer verkauft, um später günstiger zurückzukaufen, steigt oft zum falschen Zeitpunkt wieder ein – oder gar nicht mehr.
  • Hebel: Am gefährlichsten sind Kredite und Hebelprodukte. Schon eine kleine Kursbewegung kann dort zum Totalverlust führen.

3. Die Gefühle entscheiden lassen

Gier verleitet dazu, nach starken Anstiegen zu viel Risiko einzugehen, bis hin zum Kauf auf Kredit. Angst führt dazu, nach einem Einbruch genau am Tiefpunkt zu verkaufen. Beides kostet viel Geld. Wer langfristig überzeugt ist, sollte kurzfristige Schwankungen bewusst ignorieren und etwas Abstand halten – also nicht täglich auf den Kurs schauen.

Zwei Dinge helfen dabei: Informiere dich nur bei seriösen Quellen statt bei reisserischen Schlagzeilen. Und richte einen Sparplan ein. Mit regelmässigen Käufen werden Schwankungen sogar zum Vorteil, weil du bei tiefen Kursen automatisch mehr Bitcoin bekommst. Lege deine Regeln fest, solange du ruhig bist: Wie viel investiere ich jeden Monat, und wie lange halte ich mindestens?

4. Bei der Verwahrung Fehler machen

Bitcoin ermöglicht es, die eigene Bank zu sein. Das bedeutet aber auch: Du verwahrst selbst, idealerweise auf einem Hardware-Wallet. Bitcoin auf einer Plattform liegen zu lassen ist riskant, weil Plattformen gehackt werden oder betrügen können – die Zusammenbrüche von Mt. Gox 2014 und FTX 2022 haben unzählige Kundinnen und Kunden ihr Guthaben gekostet. Fehler bei der eigenen Verwahrung lassen sich aber ebenfalls nicht rückgängig machen; verlorene Bitcoin sind praktisch nicht wiederzubekommen. Darum:

  1. Schlüssel offline halten: Die 12 oder 24 Sicherungswörter gehören weder ins Internet noch in fremde Hände. Nie fotografieren, nie in eine Cloud oder ein Passwort-Programm. Ein Hardware-Wallet hält deinen Schlüssel vom Internet fern.
  2. Adressen doppelt prüfen: Kontrolliere vor jedem Senden die Empfängeradresse, besonders wenn du von einer Plattform auf dein eigenes Wallet überträgst – und zwar auf dem Bildschirm des Hardware-Wallets. Bitcoin an eine falsche Adresse sind für immer weg. Bei grösseren Beträgen lohnt sich zuerst ein kleiner Testbetrag.
  3. Sicherungen an mehreren Orten: Bewahre die Sicherungswörter so auf, dass ein Brand oder Wasserschaden sie nicht zerstört – am besten auf einer Metallplatte und bei grösseren Beträgen an zwei getrennten Orten.
  4. Diskret bleiben: Wer öffentlich erzählt, wie viel Bitcoin er besitzt, macht sich zur Zielscheibe. Überlege dir, den Zugang nicht zu Hause aufzubewahren, sondern zum Beispiel in einem Bankschliessfach.

Wie du es richtig machst, steht in Bitcoin selbst verwahren.

5. Den falschen Anbieter wählen

Die meisten klassischen Banken bieten keinen direkten Bitcoin-Kauf an, du brauchst also einen spezialisierten Anbieter. Schon bei der Suche lauert die erste Gefahr: Gefälschte Webseiten und Werbeanzeigen sehen dem Original zum Verwechseln ähnlich. Öffne Plattformen deshalb immer über die bekannte Adresse oder die offizielle App, nie über Anzeigen oder Links in Nachrichten. Auch angebliche Support-Mitarbeitende, die sich per Telefon, E-Mail oder in sozialen Medien melden, sind fast immer Betrüger.

Bei einem seriösen Anbieter prüfst du ausserdem:

  • Ist er in der Schweiz von der FINMA bewilligt oder einer Selbstregulierungsorganisation angeschlossen?
  • Ist das Gebührenmodell fair und transparent – inklusive allfälliger Aufschläge auf den Kurs?
  • Kannst du deine Bitcoin auf ein eigenes Wallet abziehen? Bei manchen Neobrokern geht das nicht; dann besitzt du nie echte Bitcoin und kannst sie später nur durch Verkaufen und Neukaufen in die eigene Verwahrung bringen.

Meine Empfehlung findest du auf der Bitcoin-Seite.

Kurz zusammengefasst

Regelmässig kaufen statt warten, halten statt handeln, ruhig bleiben, selbst sicher verwahren und den Anbieter sorgfältig wählen – damit umgehst du die teuersten Fallen.

Keine Finanz- oder Steuerberatung.

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