Bitcoin ist knapper als Gold, leichter zu transportieren als Bargeld und lässt sich nicht zensieren. Wenn er tatsächlich das beste Geld ist – warum setzt er sich dann nicht einfach durch? Kritiker stellen diese Frage gerne. Die übliche Antwort lautet, dass noch zu wenige Menschen Bitcoin kennen, geschweige denn verstehen. Das stimmt. Oft übersehen wird aber ein zweiter Grund: Es gibt keinen freien Wettbewerb unter den Geldarten. Der Staat sorgt mit Gesetzen dafür, dass sein eigenes Geld bevorzugt wird. Dieser Beitrag vergleicht Bitcoin mit Franken und Gold und zeigt, wo die Hürden liegen – mit Blick auf die Schweiz.
Gesetzliches Zahlungsmittel
Ein gesetzliches Zahlungsmittel muss angenommen werden, wenn man damit eine Schuld begleichen will. In der Schweiz legt das Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel fest, was dazugehört: Franken-Münzen, Banknoten der Nationalbank und Guthaben bei der Nationalbank. Banknoten muss man unbeschränkt annehmen, Münzen bis zu 100 Stück pro Zahlung. Steuern und Gebühren müssen in der Regel in Franken bezahlt werden. Wer in der Schweiz lebt, kommt also nicht um den Franken herum – ob er will oder nicht. So sorgt der Staat dafür, dass alle sein Geld brauchen.
Immerhin lässt das Schweizer Recht viel Vertragsfreiheit: Zwei Parteien dürfen vereinbaren, dass in einer anderen Währung oder in Bitcoin bezahlt wird. Gezwungen, Bitcoin anzunehmen, ist aber niemand.
Das heutige staatliche Geld ist Fiatgeld: ein Monopol, aus dem Nichts geschaffen und zum grössten Teil nur noch digital vorhanden.
Ausnahmen
- Gedenkmünzen aus Gold: Auch Goldmünzen von Swissmint sind gesetzliches Zahlungsmittel – allerdings nur zu ihrem aufgeprägten Nennwert, der weit unter dem Goldwert liegt. Damit zu bezahlen, wäre ein grosses Verlustgeschäft.
- Zug und Lugano: Im Kanton Zug können Steuern seit 2021 auch in Bitcoin bezahlt werden, ebenso in der Stadt Lugano, die mit ihrem Programm «Plan B» Bitcoin aktiv fördert. Die Behörden wechseln die Bitcoin dabei über einen Dienstleister in Franken.
- US-Bundesstaaten: Einige Bundesstaaten wie Utah, Wyoming oder Texas anerkennen Gold- und Silbermünzen in unterschiedlichem Umfang und befreien sie teilweise von Steuern. Annehmen muss sie aber niemand, und Steuern lassen sich damit nicht bezahlen.
- El Salvador: machte Bitcoin 2021 als erstes Land zum gesetzlichen Zahlungsmittel neben dem Dollar. Durchgesetzt wurde die Annahmepflicht nie konsequent, und auf Druck des Internationalen Währungsfonds wurde sie 2025 wieder abgeschafft.
- Weitere Versuche: Die Zentralafrikanische Republik erklärte Bitcoin 2022 ebenfalls zum gesetzlichen Zahlungsmittel, machte das aber bald wieder rückgängig. Daneben gibt es kleinere Experimente, etwa auf der portugiesischen Insel Madeira oder in der Sonderzone Próspera in Honduras.
Das Fazit: Alternativen haben fast nirgends denselben Status wie das staatliche Geld.
Wettbewerb unter Geldarten
Auf einem freien Markt würde sich das beste Geld durchsetzen. Genau das ist vor dem weltweiten Fiatgeld passiert: Über lange Zeit verdrängte Gold Silber, Kupfer, Muscheln, Salz und Steine.
Grundsätzlich könnten auch mehrere Geldarten nebeneinander bestehen; jede und jeder würde selbst entscheiden, womit bezahlt wird. Gold und Silber liefen tatsächlich lange parallel – auch in der Lateinischen Münzunion, der die Schweiz ab 1865 angehörte. Um 1870 setzte sich dann aber weltweit der Goldstandard durch. Ein gemeinsames Geld ist für den Welthandel enorm nützlich, weil man damit überall bezahlen kann – deshalb setzt sich am Ende meist eines durch.
Was gutes Geld ausmacht
Was Geld ist, wird unterschiedlich definiert. Man kann sogar argumentieren, Franken auf dem Bankkonto seien gar kein richtiges Geld, sondern nur eine Forderung gegenüber der Bank. Der Bankier J. P. Morgan sagte 1912 vor dem US-Kongress, Gold sei Geld, alles andere sei Kredit.
Nach der Österreichischen Schule der Ökonomie ist Geld in erster Linie ein Tauschmittel und dadurch auch Wertspeicher und Recheneinheit. Geld ist ein besonderes Gut: Mehr davon nützt der Gesellschaft insgesamt nichts, denn Geld wird weder verbraucht noch zur Produktion eingesetzt.
Geld ist die Grundlage der Arbeitsteilung. Menschen können sich spezialisieren, ihre Arbeit gegen Geld tauschen und damit kaufen, was sie brauchen. Ohne Geld müsste eine Coiffeuse, die Hunger hat, jemanden finden, der ihr für einen Haarschnitt ein Essen kocht.
Gutes Geld sollte einheitlich, haltbar, teilbar, transportierbar, prüfbar und knapp sein. Und es sollte allgemein akzeptiert und leicht handelbar sein, damit man es jederzeit eintauschen kann – das erzeugt Netzwerkeffekte: Je mehr Menschen ein Geld nutzen, desto nützlicher wird es. Mehr dazu in Eigenschaften von gutem Geld.
Knappheit
Gold setzte sich gegen andere Metalle durch, weil es knapper war. Rhodium ist zwar noch seltener, wird aber in der Industrie verbraucht, sodass neues Angebot im Verhältnis zum Bestand schneller wächst als bei Gold.
Wie knapp ein Geld ist, lässt sich an seiner Inflation messen: Um wie viel wächst die vorhandene Menge pro Jahr? Eine andere Kennzahl ist das Verhältnis von Bestand zu jährlicher Neuproduktion, englisch Stock-to-Flow – im Grunde einfach 100 geteilt durch die Inflationsrate. Bei Gold wuchs die Menge historisch um rund 1,5 Prozent pro Jahr. Bitcoin lag nach dem vierten Halving im April 2024 erstmals mit rund 0,85 Prozent darunter und wird weiter sinken, bis um das Jahr 2140 keine neuen Bitcoin mehr entstehen. Dann liegt seine Inflation bei null.
Die Dollar-Geldmenge wuchs in den letzten Jahrzehnten im Schnitt um rund 7 Prozent pro Jahr, schwache Währungen wie der nigerianische Naira oder der venezolanische Bolívar noch viel schneller. Auch die Franken-Geldmenge ist über die Jahrzehnte deutlich gewachsen, wenn auch langsamer als die meisten anderen.
Wie Geld entsteht
Fiatgeld schaffen die Notenbanken und, über Kredite, die Geschäftsbanken. Wie viel davon es gibt, hängt von der Geldpolitik und davon ab, wie viele Kredite die Banken vergeben wollen. Fiatgeld ist deshalb nie wirklich knapp.
Gold und Bitcoin kann im Prinzip jede und jeder gewinnen – aber nur mit Aufwand. Bei Gold gibt es einen Haken: Steigt der Goldpreis, lohnen sich auch teurere Minen und aufwendigere Suchen, und es wird mehr gefördert. Die Inflation von Gold schwankt deshalb. Bei Bitcoin ist das ausgeschlossen. Egal wie viel Rechenleistung eingesetzt wird: Die Menge ist mathematisch auf knapp 21 Millionen begrenzt, und die Schwierigkeitsanpassung sorgt dafür, dass im Schnitt nur alle zehn Minuten neue Bitcoin entstehen. Wie viel Gold es insgesamt gibt, weiss dagegen niemand – künftige Quellen könnten Meteoriten, Bergbau im Weltraum oder sogar künstliche Herstellung sein.
Fälschungssicherheit
Ob Gold oder Banknoten echt sind, können Laien ohne Hilfsmittel kaum zuverlässig prüfen. Bitcoin dagegen lässt sich nicht fälschen: In der Blockchain sieht man, ob die versprochenen Bitcoin an einer Adresse tatsächlich vorhanden sind. Wer einen eigenen Full Node betreibt, hat die gesamte Geschichte selbst gespeichert und muss niemandem vertrauen.
Alltagstauglichkeit
- Bitcoin: lässt sich in Minuten weltweit überweisen, über das Lightning-Netzwerk sogar fast sofort und nahezu gebührenfrei.
- Gold: lässt sich praktisch nur über Zertifikate überweisen – und dann muss man einer zentralen Stelle vertrauen.
- Franken: im Inland praktisch, ins Ausland aber auf Mittelsmänner angewiesen und oft langsam und teuer. Ausser bei Barzahlungen vertraut man immer einer Bank. Bei einer Überweisung werden zudem zunächst nur Informationen verschickt; das eigentliche Geld zwischen den Banken wird oft später gesammelt abgerechnet, was Kundinnen und Kunden meist nicht merken.
Für kleine Beträge taugt Gold kaum: Die kleinste gängige Münze, eine Zwanzigstel-Unze, kostet über hundert Franken, und je kleiner die Münze, desto höher der Prägeaufschlag. Im Supermarkt mit Gold zu bezahlen, ist unpraktisch. Ein Bitcoin dagegen lässt sich in 100 Millionen Satoshi teilen – ein Satoshi ist weit weniger als ein Rappen wert. Damit sind auch Kleinstzahlungen möglich. Und weil Bitcoin digital ist, liesse er sich bei Bedarf noch feiner aufteilen.
Transport
Mit wenig Gold lässt sich zwar viel Wert transportieren. Grosse Mengen sind aber schwer, teuer zu versichern und ziehen Diebe an. Bitcoin lässt sich dagegen unauffällig und kostenlos mitnehmen: Man braucht nur den Schlüssel, also 12 oder 24 Wörter, die man sich sogar merken kann. Das kann über das Schicksal von Menschen entscheiden, die aus einem repressiven Land fliehen müssen und ihr Vermögen andernorts wieder nutzen wollen.
Bargeld ist an Grenzen auffällig: In der Schweiz müssen Bargeldbeträge ab 10'000 Franken bei der Ein- und Ausreise zwar nicht von sich aus angemeldet, aber auf Nachfrage der Zollbehörden deklariert werden, und in vielen Ländern gelten strengere Pflichten. Grosse Bargeldsummen führen an Grenzen regelmässig zu Fragen und Beschlagnahmungen.
Zensurresistenz
Bitcoin ist dezentral und lässt sich nicht zensieren. Physisches Gold und Bargeld sind ebenfalls schwer zu zensieren, digitales Geld dagegen hängt von Mittelsmännern ab, die unter Druck gesetzt werden können. Beispiele gibt es viele: 2010 sperrten Zahlungsdienste die Spenden an WikiLeaks, die danach über Bitcoin weiterliefen. Konten können eingefroren werden, wie 2022 bei Spendern der kanadischen Lastwagenproteste. Und Zahlungsdienstleister behalten sich in ihren Geschäftsbedingungen teils vor, Konten wegen unerwünschter Inhalte zu sperren.
Versuche, das Bitcoin-Netzwerk selbst zu zensieren, sind gescheitert. Miner haben einen wirtschaftlichen Anreiz, alle Überweisungen aufzunehmen, die Gebühren bezahlen. Als ein Mining-Pool 2021 ankündigte, nur noch «saubere» Überweisungen zu verarbeiten, gab er das nach heftiger Kritik bald wieder auf.
Einheitlichkeit und Haltbarkeit
Franken, Gold und Bitcoin sind einheitlich: Fünf Franken sind immer fünf Franken, ein Gramm Gold ist immer ein Gramm Gold, ein Bitcoin immer ein Bitcoin. Bei Grundstücken oder Immobilien ist das nicht so: Zwei gleich grosse Wohnungen können je nach Lage sehr unterschiedlich viel wert sein.
Gutes Geld darf mit der Zeit nicht zerfallen. Bitcoin und digitales Fiatgeld tun das nicht. Auch Gold ist äusserst haltbar; Jahrhunderte alte Münzen sind heute noch erhalten. Bargeld dagegen kann verbrennen oder durch Wasser zerstört werden. Und Banknoten können ihre Gültigkeit verlieren: Die Schweizerische Nationalbank ruft alte Notenserien zurück. Wer eine alte Note zu Hause findet, kann sie zwar zeitlich unbegrenzt bei der Nationalbank umtauschen, bezahlen kann man damit aber nicht mehr.
Zwischenfazit
Gutes Geld muss vor allem knapp sein. Gold und Bitcoin sind knapper und, so kann man argumentieren, auch fairer als jede staatliche Währung. Bitcoin ist dabei nicht nur knapper als Gold, sondern auch viel besser für eine digitale, vernetzte Welt geeignet. Gold taugt schlecht als Zahlungsmittel – ein Grund, weshalb der Goldstandard 1971 endgültig aufgegeben werden konnte; die Schweiz löste die Goldbindung des Frankens im Jahr 2000. Bitcoin dagegen kann mit Lösungen wie dem Lightning-Netzwerk beim Bezahlen so praktisch werden wie staatliches Geld.
Welches Geld würdest du wählen, wenn du die freie Wahl hättest – eines, das sich per Knopfdruck vermehren lässt, oder eines, das physisch oder mathematisch begrenzt ist? Die meisten Menschen fühlen sich wohler mit einem Geld, das andere nicht ohne eigene Leistung herstellen können, während man selbst dafür arbeiten musste. Frei wählend würden wir uns wohl auf das Geld einigen, das die Eigenschaften von gutem Geld am besten erfüllt und am schwersten zu vermehren ist.
Bitcoin gegen andere Kryptowährungen
Manche der genannten Vorteile scheinen auf den ersten Blick auch für andere Kryptowährungen zu gelten. Bitcoin hebt sich aber klar ab: Er ist die einzige wirklich dezentrale Kryptowährung, die sich nicht korrumpieren lässt. Keine bedeutende andere Kryptowährung versucht ernsthaft, ihm hier Konkurrenz zu machen. Die meisten wollen stattdessen das bessere Zahlungsmittel sein, indem sie direkt auf ihrer Blockchain mehr Überweisungen zulassen. Das geht auf Kosten von Dezentralität und Sicherheit – genau jener Eigenschaften, die ohne Staat im Rücken das Vertrauen begründen. Grössere Blöcke machen es normalen Menschen schwer, alles selbst zu prüfen, sodass sie Dienstleistern vertrauen müssen.
Ein Geld muss sich aber zuerst als Wertspeicher etablieren, bevor es freiwillig als Tauschmittel akzeptiert wird. Bitcoin hat dafür den grössten Netzwerkeffekt und den grössten Gesamtwert aller Kryptowährungen. Cory Klippsten, Chef der amerikanischen Bitcoin-Firma Swan, sagte voraus, dass bis 2035 die meisten Waren und Dienstleistungen in Satoshi ausgezeichnet sein werden. Doch die meisten Menschen geben Bitcoin nur aus, wenn sie nichts anderes haben – das gute Geld wird gespart, das schlechte ausgegeben. Diese Beobachtung ist als Greshamsches Gesetz bekannt. Die Nutzung als Zahlungsmittel hinkt deshalb der Nutzung als Wertspeicher hinterher.
Bitcoin konzentriert sich darauf, ein möglichst guter Wertspeicher zu sein; die Blockchain sichert diesen Wert. Für Zahlungen gibt es zweite Schichten wie Lightning, über die man beliebig viele Zahlungen schnell und günstig abwickeln kann – ohne Abstriche bei Sicherheit, Dezentralität oder Knappheit.
Bezahlen mit Bitcoin
Mit Bitcoin zu bezahlen, ist in den meisten Ländern erlaubt, in einigen wie China aber verboten. In der Schweiz ist es legal, Händler müssen Bitcoin aber nicht annehmen – eine Annahmepflicht würde auch nicht zum freiheitlichen Gedanken von Bitcoin passen. Bei vielen Händlern kann man per Lightning bezahlen, oft günstiger als mit Karte. Die meisten Händler wechseln die Bitcoin aber sofort in Franken.
Insgesamt sind Bitcoin-Zahlungen noch selten. Ein vernünftiger Rat: In Bitcoin sparen und mit Franken bezahlen, die ohnehin an Wert verlieren – ausser man braucht die Zensurresistenz oder Privatsphäre von Bitcoin. Wer trotzdem mit Bitcoin bezahlt, hilft der Verbreitung: Andere sehen, dass es funktioniert, und das Lightning-Netzwerk wird mit mehr Nutzung und Liquidität besser.
Die Nachteile alternativer Gelder
Wer ein alternatives Geld nutzt, hat heute noch einige Nachteile in Kauf zu nehmen.
Steuern
Wer ein alternatives Geld hält, erhofft sich meist, dass es langfristig gegenüber dem Franken an Wert gewinnt. In vielen Ländern löst dann jede Zahlung mit Bitcoin eine steuerpflichtige Veräusserung aus, und man muss für jeden Kaffee den Gewinn berechnen. Das macht Bitcoin als Zahlungsmittel dort unattraktiv.
In der Schweiz ist das anders: Kursgewinne auf Bitcoin und Gold im Privatvermögen sind steuerfrei – ein grosser Vorteil. Der Bestand unterliegt aber der Vermögenssteuer, bewertet zum Jahresendkurs gemäss der Kursliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Wer sehr viel und mit Fremdkapital handelt, kann zudem als gewerbsmässiger Händler gelten; dann sind Gewinne steuerbar. Auch in der Schweiz lohnt es sich deshalb, Käufe und Verkäufe mit Datum, Menge und Preis festzuhalten – Programme für die Krypto-Buchhaltung helfen dabei, und für Händler gibt es Kassensysteme wie BTCPay Server. Händler, die Bitcoin annehmen, rechnen die Mehrwertsteuer auf den Frankenwert ab.
Mehrwertsteuer auf Silber
Physisches Silber unterliegt in der Schweiz der Mehrwertsteuer von 8,1 Prozent, Anlagegold dagegen ist davon befreit. Wer für 1'000 Franken Silber kauft, erhält nur Silber im Wert von rund 925 Franken. Dabei wäre Silber für den Alltag eigentlich gut geeignet: Eine kleine Silbermünze von einer Zwanzigstel-Unze hätte nur den Wert von wenigen Franken.
Schwankungen
Bitcoin und Gold schwanken gegenüber dem Franken, in dem wir rechnen. Die Kaufkraft kann über längere Zeit stark sinken. Für vorsichtige Menschen ist das schwer auszuhalten. Die Analystin Lyn Alden sagt dazu, Schwankungen seien während der Phase, in der ein neues Geld sich durchsetzt, unvermeidlich: Ein neues Geld könne nicht ohne starke Kursanstiege von null auf Billionen wachsen. Anstiege locken Spekulanten an, die mit Krediten handeln, und darauf folgen zwangsläufig Abstürze.
Bildung und Widerstand
Wie Geld entsteht, lernt man kaum in der Schule, und die Österreichische Schule spielt an den meisten Universitäten nur eine Nebenrolle. Böse Zungen behaupten, das sei Absicht, damit die Menschen nicht merken, dass ihr Geld aus dem Nichts entsteht. Laut Umfragen glaubt fast ein Drittel der Amerikaner, der Dollar sei noch durch Gold gedeckt. Dem Autohersteller Henry Ford wird der Satz zugeschrieben, würden die Menschen das Geldsystem verstehen, gäbe es noch vor dem nächsten Morgen eine Revolution.
Hinzu kommt: Die meisten einflussreichen Ökonomen arbeiten für Notenbanken, an staatlichen Universitäten oder treten als Fachleute in staatlichen Medien auf. Und viele Akteure profitieren schlicht vom heutigen System. Die Notenbanken selbst äussern sich deshalb nicht neutral über Alternativen wie Bitcoin.
Die Kritik der Notenbanken
Die Europäische Zentralbank argumentierte in einem Blogbeitrag, Bitcoin sei kein Geld, und führte drei Gründe an:
- Kein Wertspeicher: Misst man aber zum Beispiel den Preis von einem Dutzend Eiern in Bitcoin statt in Dollar, ist er langfristig stark gesunken, während er in Dollar gestiegen ist. Selbst die Daten der US-Notenbank St. Louis, mit denen gern die Schwankungen von Bitcoin gezeigt werden, belegen über längere Zeiträume einen gewaltigen Kaufkraftgewinn gegenüber dem Dollar. Bitcoin als schlechten Wertspeicher zu bezeichnen, wirkt angesichts dessen gewagt.
- Kein zuverlässiges Tauschmittel: Bei der Akzeptanz stimmt das. Unwiderrufliche, zensurresistente Überweisungen, die niemand rückgängig machen kann, sind aber gerade besonders zuverlässig.
- Keine Recheneinheit: Das stimmt zurzeit, weil die Schwankungen gegenüber Waren zu gross sind, um Preise in Bitcoin festzulegen. Mit zunehmender Verbreitung dürfte sich das ändern.
Auch die SNB lehnt Bitcoin als Währungsreserve ab. Ihr Präsident Martin Schlegel begründete das 2025 unter anderem mit den starken Schwankungen und der Frage, ob Bitcoin in Krisen genügend handelbar sei.
Dass Notenbanken Bitcoin kritisch sehen, überrascht nicht: Ein Geld, das ohne Notenbank funktioniert, könnte sie überflüssig machen. Niemand sägt gerne am Ast, auf dem er sitzt. Das staatliche Geldmonopol verleiht Macht und Kontrolle. In einem freien Geldwettbewerb könnten Staaten kaum in ihrer heutigen, aufgeblähten Form bestehen.
Ausblick
Niemand gibt gerne freiwillig Macht ab. Staaten werden den Wettbewerb unter Geldarten deshalb wohl weiterhin einschränken, besonders wenn immer mehr Menschen Bitcoin dem staatlichen Geld vorziehen. Noch nehmen viele Politiker Bitcoin nicht als ernsthafte Konkurrenz wahr. Das Geldmonopol dürfte noch lange bestehen. Friedrich August von Hayek schrieb schon 1976 in «Die Entnationalisierung des Geldes», es gebe wenig Grund zur Hoffnung, dass Staaten vertrauenswürdig würden, solange die Menschen keine Alternative zum staatlichen Geld hätten. Heute haben sie eine – und darauf lässt sich aufbauen.
Es gibt Schritte hin zu mehr Wettbewerb: Vorschläge, kleine Bitcoin-Zahlungen von Steuern zu befreien, Bestrebungen in amerikanischen Bundesstaaten, Bitcoin zu fördern, und Politiker, die um Bitcoin-Besitzer als Wählerinnen und Wähler werben. In den USA ist die Bitcoin-Gemeinschaft zu einer Interessengruppe geworden, die Wahlen mitentscheiden kann. Die USA haben 2025 eine strategische Bitcoin-Reserve eingerichtet, und Texas hat im selben Jahr eine eigene Bitcoin-Reserve beschlossen.
Spieltheorie
Auch die Spieltheorie spricht für Bitcoin. Gemeint ist die Überlegung, dass Staaten Bitcoin zulassen müssen, um nicht gegenüber anderen ins Hintertreffen zu geraten. Setzt sich Bitcoin als Weltgeld durch, ist es vorteilhaft, früh dabei zu sein. Zudem schafft eine Bitcoin-Branche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, und Bitcoin-Tourismus bringt Besucher – El Salvador und Lugano sind Beispiele. Die Schweiz mit ihrem «Crypto Valley» rund um Zug zeigt, wie ein Land von einem offenen Umgang profitieren kann. Erfolgreiche Vorbilder setzen andere unter Druck nachzuziehen.
Fazit
Bitcoin ist anderen Geldarten in vielem überlegen und würde sich in einem freien Wettbewerb wahrscheinlich mit der Zeit durchsetzen. Zuerst muss er sich aber als Wertspeicher etablieren und weiter verbreiten.
Staaten verbieten Alternativen meist nicht, machen sie aber unattraktiv – etwa durch Steuern auf Gewinne. Die Schweiz ist mit steuerfreien privaten Kursgewinnen hier vergleichsweise offen. Ein wirklich freier Wettbewerb unter Geldarten liegt trotzdem noch in weiter Ferne, auch wenn es ermutigende Entwicklungen gibt. Ob Staaten versuchen werden, Bitcoin den Riegel vorzuschieben, wenn er sich weiter verbreitet, bleibt offen. Wer es versuchen würde, bewiese vor allem eines: dass er sich nicht verbieten lässt.