Kurz gesagt
- Gutes Geld hat Eigenschaften, die es zu einem guten Wertspeicher machen.
- Dazu gehören Haltbarkeit, Transportierbarkeit, Austauschbarkeit, Prüfbarkeit, Teilbarkeit, Knappheit, eine lange Geschichte und Zensurresistenz.
- Im Vergleich mit staatlichem Geld und Gold schneidet Bitcoin bei vielen dieser Eigenschaften besser ab – bei manchen aber noch schlechter.
In Was ist eigentlich Geld? ging es um die drei Aufgaben des Geldes: Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrung. Doch nicht jedes Geld erfüllt sie gleich gut. Welche Eigenschaften gutes Geld ausmachen und wie Franken, Gold und Bitcoin im Vergleich abschneiden, zeigt dieser Beitrag.
Was heute unser Geld ist
Unser heutiges Geld, ob Franken, Euro oder Dollar, nennt man Fiatgeld. «Fiat» ist Latein und bedeutet «es werde». Fiatgeld hat keinen inneren Wert und ist durch nichts gedeckt. Die Verbindung zum Gold wurde in mehreren Schritten gekappt – endgültig 1971, als die USA den Umtausch von Dollar in Gold einstellten. In der Schweiz wurde die Golddeckung des Frankens erst im Jahr 2000 auch rechtlich aufgehoben. Der Wert von Fiatgeld beruht allein auf dem Vertrauen in den Staat und seine Notenbank.
Heute wird Fiatgeld vor allem als Tauschmittel genutzt: Man verdient es und gibt es aus. Zum langfristigen Sparen eignet es sich weniger, weil es stetig an Kaufkraft verliert. Das ist bemerkenswert, denn historisch war es umgekehrt: Frühes Geld war zuerst ein Wertspeicher. Muscheln, Tierzähne oder Gold wurden gesammelt, weil sie ihren Wert behielten, und erst dadurch wurden sie zu Tauschmitteln. Wie gut ein Geld ist, hängt deshalb vor allem davon ab, wie gut es Wert speichert.
Die acht Eigenschaften von gutem Geld
Die folgende Aufzählung stützt sich auf den bekannten Essay «The Bullish Case for Bitcoin» des Ökonomen Vijay Boyapati.
- Haltbarkeit: Gutes Geld verdirbt nicht und lässt sich nicht leicht zerstören. Getreide oder Fisch taugen deshalb schlecht.
- Transportierbarkeit: Es lässt sich leicht aufbewahren und mitnehmen. Viel Wert sollte in wenig Platz passen – eine Kuh ist schlechtes Geld, ein Goldbarren schon besseres.
- Austauschbarkeit: Jede Einheit ist gleich viel wert wie jede andere. Ein Franken ist ein Franken, egal von wem er kommt.
- Prüfbarkeit: Man kann schnell und zuverlässig erkennen, ob es echt ist.
- Teilbarkeit: Es lässt sich in kleine Einheiten teilen, damit auch kleine Beträge bezahlt werden können.
- Knappheit: Es ist selten und lässt sich nicht beliebig herstellen oder fälschen.
- Lange Geschichte: Je länger etwas als wertvoll gilt, desto grösser ist das Vertrauen der Gesellschaft darin.
- Zensurresistenz: Wie schwer kann ein Staat oder eine Firma es beschlagnahmen oder Zahlungen damit verhindern? Das ist das jüngste Kriterium – und durch die zunehmende digitale Überwachung immer wichtiger.
Fiatgeld im Vergleich
- Haltbarkeit: schwach. Währungen kommen und gehen mit den Staaten, die sie herausgeben. Die Geschichte ist voll von Währungen, die heute wertlos sind.
- Transportierbarkeit: Digital sehr gut, aber eingeschränkt durch Vorschriften, Kontrollen und mögliche Sperren. Bargeld entzieht sich diesen Regeln, ist aber bei grossen Beträgen unhandlich und riskant zu transportieren und aufzubewahren. Insgesamt mittel.
- Austauschbarkeit: in der Regel hoch. Die herausgebenden Stellen können den Umtausch aber erschweren oder ganz verbieten.
- Prüfbarkeit: gut. Sicherheitsmerkmale machen das Fälschen von Noten schwer – ganz verhindern lässt es sich aber nicht.
- Teilbarkeit: bis auf den Rappen, also mittel.
- Knappheit: ungenügend. Notenbanken und Geschäftsbanken können jederzeit neues Geld schaffen.
- Geschichte: Fiatgeld in seiner heutigen, ungedeckten Form gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Die stetige Inflation lässt es über lange Zeiträume einen grossen Teil seines Werts verlieren.
- Zensurresistenz: schlecht. Überweisungen lassen sich sperren, Konten einfrieren und Barbezüge beschränken.
Gold im Vergleich
- Haltbarkeit: hervorragend. Gold trotzt Wasser, Luft und Zeit.
- Transportierbarkeit: schlecht. Gold ist schwer und wird deshalb kaum bewegt; meist liegt es in Tresoren.
- Austauschbarkeit: gut. Eingeschmolzen und neu gegossen bleibt Gold Gold.
- Prüfbarkeit: mittel. Es gab Fälle von vergoldeten Wolframbarren, die selbst Fachleute täuschten. Mit Analysen lassen sich Fälschungen zwar erkennen, aber nicht ohne Aufwand.
- Teilbarkeit: mittel. Gold gibt es als Barren, Münzen und teilbare Tafeln, im Alltag lässt es sich aber schlecht stückeln.
- Knappheit: heute sehr gut, langfristig ungewiss. Alles je geförderte Gold würde in einen Würfel mit rund 22 Metern Seitenlänge passen. Neue Fördermethoden oder gar Bergbau auf Asteroiden könnten das Angebot aber verändern. Die Goldmenge ist leichter zu verändern als die Bitcoin-Menge.
- Geschichte: die längste aller Wertspeicher. Schon die frühesten Hochkulturen schätzten Gold.
- Zensurresistenz: mittel. Wegen seiner physischen Natur lässt sich Gold leichter regulieren und beschlagnahmen als Bitcoin. In den USA war der private Goldbesitz von 1933 bis 1974 sogar weitgehend verboten.
Bitcoin im Vergleich
- Haltbarkeit: schwer abzuschätzen, deshalb mittel. Bitcoin existiert, solange das Netzwerk betrieben wird. Seit 2009 lief es ohne Unterbruch, eine Garantie für die Zukunft gibt es aber nicht.
- Transportierbarkeit: sehr gut. Niemand kann eine Überweisung verhindern. Ein Hardware-Wallet in der Grösse eines USB-Sticks – oder zwölf Wörter im Kopf – genügen für beliebig grosse Beträge, und das Geld lässt sich in Minuten überallhin senden.
- Austauschbarkeit: im Netzwerk hoch, denn jeder Bitcoin wird gleich behandelt. Weil aber jede Bewegung öffentlich ist, lehnen manche Plattformen Bitcoin ab, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden. Das schränkt die Austauschbarkeit etwas ein.
- Prüfbarkeit: hervorragend. Wer einen eigenen Knoten betreibt, kann jede Zahlung selbst und ohne Hilfsmittel prüfen. Fälschen ist unmöglich.
- Teilbarkeit: die beste der drei. Ein Bitcoin lässt sich in 100 Millionen Satoshi teilen.
- Knappheit: die höchste von allen. Es wird nie mehr als knapp 21 Millionen Bitcoin geben. Würden sie gleichmässig verteilt, könnten nur rund 0,2 Prozent der Weltbevölkerung je einen ganzen Bitcoin besitzen.
- Geschichte: kurz, aber eindrücklich. Bitcoin hat zahlreiche Abstürze und Totsagungen überstanden. Nach dem sogenannten Lindy-Effekt steigt die erwartete weitere Lebensdauer mit jedem Jahr, das etwas überlebt. Im Vergleich mit Gold ist die Geschichte aber noch kurz.
- Zensurresistenz: die höchste. Niemand kann eine gültige Bitcoin-Überweisung stoppen. Dass Bitcoin in den Anfangsjahren auf Darknet-Marktplätzen beliebt war, lag nicht an der Anonymität – die es so gar nicht gibt –, sondern daran, dass niemand die Zahlungen aufhalten konnte.
Die drei im Überblick
| Eigenschaft | Fiatgeld | Gold | Bitcoin |
|---|---|---|---|
| Haltbarkeit | schwach | hervorragend | mittel |
| Transportierbarkeit | mittel | schlecht | sehr gut |
| Austauschbarkeit | hoch | gut | hoch |
| Prüfbarkeit | gut | mittel | hervorragend |
| Teilbarkeit | mittel | mittel | sehr gut |
| Knappheit | ungenügend | sehr gut | hervorragend |
| Geschichte | kurz | sehr lang | kurz |
| Zensurresistenz | schlecht | mittel | sehr gut |
Die Bewertungen sind Einschätzungen, keine Messwerte. Man kann über einzelne Punkte streiten – das Gesamtbild ist aber recht eindeutig.
Fazit
Bitcoin lässt sich als modernisiertes Gold verstehen: Er speichert den Wert geleisteter Arbeit, ohne dass man befürchten muss, dass das Ersparte durch Gelddrucken entwertet wird. Wer sein Geld nicht ständig in Konsum oder riskante Anlagen stecken muss, um es vor der Inflation zu retten, kann in Ruhe sparen. Mit seiner Knappheit und Zensurresistenz könnte Bitcoin einen Teil der Schwächen des heutigen Finanzsystems ausgleichen.
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum das wichtig ist: Wer 1'000 Franken unter die Matratze legt und die Teuerung beträgt jedes Jahr 2 Prozent, kann sich nach 35 Jahren nur noch etwa halb so viel dafür kaufen. Der Franken gehört dabei zu den stabilsten Währungen der Welt – bei den meisten anderen geht es viel schneller. Bei einem knappen Geld wie Bitcoin entscheidet dagegen nicht eine Notenbank über den Wert des Ersparten, sondern allein Angebot und Nachfrage. Wie die Entwicklung vom Gold zum heutigen Geld verlief, erzähle ich in Vom Gold- zum Bitcoin-Standard.