Bitcoin kann man auf zwei Arten kaufen: über einen Broker oder eine Kauf-App, die für dich zu einem vereinbarten Preis kauft, oder direkt an einer Börse. An einer Börse treffen Käufer und Verkäufer direkt aufeinander. Wer dort was zu welchem Preis kaufen oder verkaufen will, steht im Orderbuch, englisch Order Book.
Was ist ein Orderbuch?
Ein Orderbuch ist eine elektronische, sortierte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsaufträge für ein bestimmtes Handelspaar, zum Beispiel Bitcoin gegen Franken. Die meisten Börsen zeigen Kauf- und Verkaufsaufträge in zwei getrennten Listen an. Manche zeigen zusätzlich alle ausgeführten Geschäfte in einer gemeinsamen Liste, sortiert nach der Zeit.
Ein vereinfachtes Beispiel:
| Kaufen (Bid) | BTC | Verkaufen (Ask) | BTC |
|---|---|---|---|
| CHF 79'950 | 0,8 | CHF 80'010 | 0,5 |
| CHF 79'900 | 1,5 | CHF 80'050 | 1,2 |
| CHF 79'800 | 3,0 | CHF 80'200 | 2,0 |
Links stehen die Kaufwilligen: Wer am meisten bietet, steht zuoberst. Rechts stehen die Verkaufswilligen: Wer am wenigsten verlangt, steht zuoberst. Der höchste Kaufpreis und der tiefste Verkaufspreis liegen sich am nächsten. Den Abstand dazwischen nennt man Spread – im Beispiel 60 Franken. Je kleiner der Spread, desto günstiger und reibungsloser lässt sich handeln.
Was das Orderbuch zeigt
Das Orderbuch zeigt in Echtzeit, wie viel Kauf- und Verkaufsinteresse zu welchem Preis besteht. Die Einträge sind sogenannte Limit-Aufträge: Ein Käufer legt fest, wie viel er höchstens bezahlen will, ein Verkäufer, wie viel er mindestens verlangt. Solange sich kein passendes Gegenüber findet, bleibt der Auftrag im Buch stehen.
Wer sofort kaufen oder verkaufen will, egal zu welchem Preis, gibt dagegen einen Markt-Auftrag auf. Er wird sofort mit den besten Aufträgen auf der Gegenseite ausgeführt. Kauft jemand im Beispiel per Markt-Auftrag 1 Bitcoin, erhält er 0,5 Bitcoin zu 80'010 Franken und 0,5 Bitcoin zu 80'050 Franken. Der nächste Verkaufspreis liegt danach höher – der Kurs ist gestiegen.
Markttiefe
Wie viel Volumen an Limit-Aufträgen insgesamt im Buch steht, nennt man Markttiefe. Je grösser die Markttiefe, desto weniger bewegt ein grosser Markt-Auftrag den Preis. Ist das Buch dünn, kann schon ein mittlerer Auftrag den Kurs stark verschieben. Eine grosse Markttiefe macht einen Markt deshalb auch weniger anfällig für Manipulation. Bei Bitcoin ist die Markttiefe an den grossen Börsen heute sehr hoch; bei kleinen Kryptowährungen dagegen oft so gering, dass wenige Käufer den Preis vervielfachen können – mehr dazu in Was bedeutet Pump-and-Dump?
Orderbuch und Kurschart
Das Orderbuch ist die Grundlage für jedes Kurschart und damit auch für die sogenannte technische Analyse. Allerdings zeigt ein Chart nur die tatsächlich ausgeführten Geschäfte, nicht die offenen Aufträge.
Verbreitet sind Kerzencharts. Jede Kerze steht für einen Zeitraum, etwa eine Stunde oder einen Tag:
- Eine grüne Kerze zeigt, dass der Kurs in diesem Zeitraum gestiegen ist, eine rote, dass er gefallen ist.
- Der dicke Teil, der Kerzenkörper, zeigt Eröffnungs- und Schlusskurs.
- Die dünnen Striche oben und unten, die Dochte, zeigen den höchsten und den tiefsten Kurs im Zeitraum.
Ein Chart ist also nur eine andere Darstellung dessen, was im Orderbuch geschehen ist.
Kauf- und Verkaufswände
Zählt man die Mengen aller Aufträge pro Preisstufe zusammen, entsteht ein Diagramm der Markttiefe. Daraus lassen sich Muster ablesen:
- Ausgeglichen: Auf beiden Seiten steht etwa gleich viel Volumen.
- Kaufwand: Unterhalb des aktuellen Kurses stehen deutlich mehr Kaufaufträge als Verkaufsaufträge darüber. Das kann darauf hindeuten, dass der Kurs eher steigt, weil Rückgänge rasch aufgefangen werden.
- Verkaufswand: das Gegenteil – viele Verkaufsaufträge über dem Kurs, die einen Anstieg bremsen könnten.
Vorsicht ist trotzdem angebracht: Grosse Aufträge können jederzeit zurückgezogen werden, und manche Händler stellen sie nur ins Buch, um andere zu täuschen. Wände sind deshalb ein Hinweis, keine Vorhersage.
Für langfristige Sparerinnen und Sparer spielt das Orderbuch kaum eine Rolle. Wer regelmässig über einen Sparplan kauft, muss sich um Spreads und Wände nicht kümmern. Wer aber direkt an einer Börse kauft, sollte wissen, wie es funktioniert – und lieber Limit-Aufträge verwenden, um nicht unerwartet teuer einzukaufen.