Kurz gesagt
- «Weak Hands» heisst auf Deutsch «schwache Hände».
- So nennt man Anlegerinnen und Anleger, die sich schon von kleinen Kursbewegungen verunsichern lassen.
- Sie handeln nach vorhersehbaren Mustern – und verlieren dadurch oft Geld.
Woher der Begriff kommt
Der Begriff stammt aus der klassischen Geldanlage. Er beschreibt Anleger oder Händler, die sich von Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit leiten lassen. Sie verkaufen schon bei fast jeder schlechten Nachricht, weil sie nicht an den langfristigen Wert ihrer Anlage glauben. Normale Kursschwankungen genügen, um sie aus ihrer Position zu werfen.
Später fand der Begriff seinen Weg in die Welt der Kryptowährungen. Im Devisen- und Kryptohandel ist er klar abwertend gemeint. Im Terminhandel ist er neutraler: Dort bezeichnet er Händler, die sich nicht für das eigentliche Gut interessieren, sondern nur auf den Preis spekulieren.
Das Gegenstück sind die «Strong Hands», starke Hände: Anlegerinnen und Anleger, die überzeugt sind und auch in schwierigen Zeiten halten. In der Bitcoin-Szene spricht man auch von «HODL» – ursprünglich ein Tippfehler für «hold» in einem Forumsbeitrag von 2013, heute ein Synonym für unbeirrtes Halten. Und wer selbst in heftigen Abstürzen nie verkauft, dem werden scherzhaft «Diamond Hands», diamantene Hände, nachgesagt.
Die Macht der Stimmung
Das grösste Problem schwacher Hände ist, dass die allgemeine Marktstimmung ihre Entscheide bestimmt. Gegen Ende einer langen Phase fallender Kurse sind die Nachrichten meist am schlechtesten. Die Verluste sind für alle, die durchgehalten haben, am grössten, und die Angst beherrscht den Markt.
Kluge Anleger erkennen in solchen Momenten, dass die Stimmung nicht der Realität entspricht und sich ein guter Zeitpunkt zum Kaufen nähert. Schwache Hände sehen dagegen nur FUD – «Fear, Uncertainty and Doubt», also Angst, Unsicherheit und Zweifel. Oft haben sie gekauft, ohne die Anlage wirklich zu verstehen. Darum haben sie den Schreckensmeldungen nichts entgegenzusetzen. Das Ergebnis: Sie verkaufen zum ungünstigsten Zeitpunkt und machen kleinere Gewinne oder realisieren Verluste.
Ein bekanntes Muster: Ein Kurs steigt stark, die Medien berichten begeistert, Bekannte erzählen von ihren Gewinnen – und genau dann steigen viele Neue ein, oft nahe am Höchststand. Folgt der nächste Rückgang, verkaufen sie in Panik, oft nahe am Tiefststand.
Vorhersehbar und damit angreifbar
Schwache Hände folgen festen Mustern: Sie kaufen, wenn alle kaufen, und verkaufen, wenn alle verkaufen. Das macht sie vorhersehbar. In einem noch vergleichsweise kleinen und leicht beeinflussbaren Markt wie dem Kryptomarkt können grosse Händler gezielt Kursbewegungen auslösen, um schwache Hände aus ihren Positionen zu drängen und ihnen ihre Coins billig abzukaufen. Unter dem Strich kaufen schwache Hände nahe den Höchstständen und verkaufen nahe den Tiefstständen – ein beinahe sicherer Weg, Geld zu verlieren.
So wirst du zu einer starken Hand
- Verstehe, worin du investierst. Investiere nur in etwas, das du zumindest in den Grundzügen verstehst. Ein guter Anfang sind die Beiträge unter Bitcoin-Wissen.
- Bilde dir deine eigene Meinung. Folge nicht einfach anderen, sondern prüfe selbst. Eigene Argumente machen den nächsten Punkt viel einfacher.
- Lass dich nicht von FUD verunsichern. Schlechte Nachrichten gibt es immer. Frage dich, ob sie an deinen Gründen für die Anlage wirklich etwas ändern.
- Hüte dich vor FOMO. Die Angst, etwas zu verpassen, ist fast so schädlich wie die Angst vor Verlusten. Handle ruhig und rational.
- Verkaufen ist erlaubt. Eine starke Hand zu sein, heisst nicht, nie zu verkaufen. Ändern sich die Fakten oder dein Verständnis, ist es vernünftig, die Konsequenzen zu ziehen.
Hilfreich ist auch ein Sparplan: Wer regelmässig einen festen Betrag investiert, muss nicht ständig entscheiden und kauft in schwachen Phasen automatisch günstiger ein. Mehr dazu in Fünf Fehler, die Einsteiger teuer zu stehen kommen.