Bitcoin · So funktioniert Bitcoin

Was ist ein UTXO?

Warum Bitcoin wie Bargeld funktioniert: Eingänge, Ausgänge, Wechselgeld, Gebühren sparen und Privatsphäre schützen.

Samy Nomikos · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Ein UTXO ist ein Betrag aus einer früheren Überweisung, der noch nicht ausgegeben wurde.
  • Bitcoin funktioniert dadurch viel ähnlicher wie Bargeld, als die meisten denken.
  • Ein UTXO kann nur als Ganzes ausgegeben werden, nicht in Teilen.
  • Wer seine UTXOs bewusst verwaltet, kann Gebühren sparen und seine Privatsphäre schützen.

Woher kommt eigentlich dein Kontostand?

Deine Wallet zeigt dir einen Kontostand an, zum Beispiel 0,05 Bitcoin. Erstaunlicherweise steht dieser Kontostand nirgends in der Blockchain. Es gibt dort keine Konten mit einem laufenden Saldo wie bei deiner Bank, und es werden auch keine Münzen von einer Person zur anderen geschoben. Überweisungen bestehen stattdessen aus Eingängen und Ausgängen.

Deine Wallet kennt deine Schlüssel. Sie durchsucht die Blockchain nach allen Ausgängen, die an deine Adressen gegangen und noch nicht wieder ausgegeben worden sind, und zählt sie zusammen. Das Ergebnis ist der Kontostand, den du siehst.

Damit die Wallet weiss, wo sie suchen muss, leitet sie aus deinen Sicherungswörtern der Reihe nach Adressen ab und prüft, ob dort UTXOs liegen. Findet sie eine bestimmte Zahl aufeinanderfolgender Adressen ohne Eingänge, hört sie auf zu suchen. Deshalb kann es nach einer Wiederherstellung vorkommen, dass ein Teil des Bestands fehlt, wenn sehr viele Adressen unbenutzt übersprungen wurden. Die Bitcoin sind dann nicht weg – die Wallet muss nur weiter suchen.

Eingänge und Ausgänge

Jede Bitcoin-Überweisung hat Eingänge und Ausgänge. Die Vorstellung von «Absender» und «Empfänger» ist eine Vereinfachung. Am einfachsten versteht man das Prinzip mit Bargeld.

Stell dir vor, in deinem Portemonnaie liegen Noten im Wert von 380 Franken: eine Hunderter-, eine Zweihunderter-, eine Fünfziger-, eine Zwanziger- und eine Zehnernote. Diese Summe steht nirgends geschrieben – du zählst sie zusammen, wenn du wissen willst, wie viel du dabeihast.

Willst du jetzt 30 Franken bezahlen, nimmst du die Zwanziger- und die Zehnernote. Das sind deine Eingänge. Der Verkäufer erhält dafür einen neuen «Ausgang» über 30 Franken. Und die Noten, die noch in deinem Portemonnaie liegen, sind nichts anderes als übrig gebliebene Ausgänge früherer Zahlungen – zum Beispiel die Hunderternote, die du als Wechselgeld bekommen hast.

Was ein UTXO genau ist

UTXO steht für «Unspent Transaction Output», auf Deutsch: nicht ausgegebener Ausgang einer Überweisung. Es ist ein Betrag aus einer bestätigten Überweisung, über den noch verfügt werden kann. Gibt man einen UTXO aus, wird er verbraucht und gilt fortan als ausgegeben.

Der Vergleich mit Bargeld hat zwei Grenzen:

  • UTXOs liegen nicht in deiner Wallet. Sie stehen in der Blockchain. Deine Wallet verwaltet nur die Schlüssel und sucht die passenden UTXOs.
  • UTXOs können jeden Betrag haben. Banknoten gibt es nur in festen Werten, ein UTXO kann dagegen 0,00012345 Bitcoin oder 3,7 Bitcoin gross sein.

Ein Beispiel Schritt für Schritt

Angenommen, deine Wallet enthält drei UTXOs aus früheren Käufen:

UTXOBetragHerkunft
A0,004 BTCSparplan im Januar
B0,006 BTCSparplan im Februar
C0,020 BTCEinmalkauf

Dein Kontostand: 0,03 BTC. Jetzt bezahlst du 0,008 BTC. Deine Wallet könnte A und B zusammen verwenden (0,01 BTC) oder nur C (0,02 BTC). Nimmt sie A und B, entsteht eine Überweisung mit zwei Eingängen und zwei Ausgängen: 0,008 BTC an den Empfänger und rund 0,002 BTC Wechselgeld an dich – abzüglich der Gebühr. Danach besitzt du zwei UTXOs: das Wechselgeld und C. A und B sind verbraucht.

Das Wechselgeld

Eine Banknote kannst du nicht zerschneiden, um genau passend zu zahlen. Bei UTXOs ist es genauso: Man gibt sie immer ganz aus. Bezahlst du eine Rechnung über 23 Franken mit einer Zwanziger- und einer Zehnernote, bekommst du 7 Franken zurück. Bei Bitcoin erzeugt deine Wallet dafür automatisch einen zweiten Ausgang, der an dich selbst zurückgeht – das Wechselgeld.

Für Aussenstehende sieht dieser Wechselgeld-Ausgang aus wie ein zweiter Empfänger. Oft lässt sich aber an den Beträgen erraten, welcher Ausgang die eigentliche Zahlung ist und welcher das Wechselgeld. Ein runder Betrag wie 0,01 Bitcoin ist zum Beispiel eher die Zahlung, ein krummer Restbetrag eher das Wechselgeld.

Wo die Gebühr steckt

Die Gebühr steht nicht als eigenes Feld in der Überweisung. Sie ergibt sich aus der Differenz: Summe aller Eingänge minus Summe aller Ausgänge. Diesen Rest darf der Miner, der die Überweisung in einen Block aufnimmt, für sich beanspruchen.

Wie im Restaurant: Bezahlst du eine Rechnung über 23 Franken mit 30 Franken und sagst «Stimmt so», ist die Differenz von 7 Franken das Trinkgeld. Wer bei Bitcoin vergisst, einen Wechselgeld-Ausgang anzulegen, verschenkt den ganzen Rest an den Miner. Moderne Wallets erledigen das zum Glück automatisch.

Welche UTXOs werden ausgegeben?

Wenn du bezahlst, wählt deine Wallet automatisch aus, welche UTXOs sie verwendet. Meist gibt es viele mögliche Kombinationen, und verschiedene Wallets verfolgen unterschiedliche Ziele – etwa möglichst tiefe Gebühren oder möglichst viel Privatsphäre. Man nennt das «Coin Selection». Die Wechselgeld-Adressen erzeugt die Wallet ebenfalls automatisch, und in der Übersicht werden sie meist gar nicht angezeigt. Eine gute Auswahl zu treffen, ist erstaunlich anspruchsvoll. Für den Alltag musst du dich darum aber nicht kümmern.

Gebühren sparen

Die Gebühr richtet sich nach der Grösse einer Überweisung, gemessen in Satoshi pro virtuellem Byte (sat/vB). Jeder Eingang macht die Überweisung grösser – und damit teurer. Es lohnt sich also, Überweisungen klein zu halten. Zwei Techniken helfen dabei.

Zahlungen bündeln

Beim sogenannten «Batching» werden mehrere Zahlungen in einer einzigen Überweisung zusammengefasst, mit je einem Ausgang pro Empfänger. Die Überweisung wird zwar grösser, pro Zahlung aber deutlich günstiger. Das nutzen vor allem Handelsplattformen und Kauf-Apps, die täglich viele Auszahlungen machen.

Zusammenlegen

Bei der Konsolidierung fasst du viele kleine UTXOs zu einem oder wenigen grossen zusammen, indem du sie an eine eigene Adresse sendest. Das lohnt sich, wenn die Gebühren gerade tief sind: Du zahlst die Kosten für die vielen Eingänge jetzt statt später, wenn die Gebühren vielleicht viel höher sind und du schnell bezahlen musst.

Besonders betroffen sind alle, die mit einem Sparplan regelmässig kleine Beträge kaufen und auf ihr eigenes Wallet abziehen. Nach ein paar Jahren haben sie Dutzende oder Hunderte kleiner UTXOs. Ob und wann sich das Zusammenlegen lohnt, hängt von deiner Nutzung ab. Zu viele UTXOs auf einmal zusammenzulegen, kann allerdings deine Privatsphäre schwächen – mehr dazu gleich.

Ein Rechenbeispiel: Wer 50 kleine UTXOs besitzt, braucht für deren Ausgabe bei Native-SegWit-Adressen rund 50 × 68 = 3'400 virtuelle Bytes nur für die Eingänge. Bei einer ruhigen Gebühr von 2 sat/vB kostet das 6'800 Satoshi. Muss man dieselben UTXOs in einer hektischen Phase mit 50 sat/vB ausgeben, sind es 170'000 Satoshi – 25-mal so viel.

Achtung vor Staub

Sehr kleine UTXOs nennt man «Staub» (englisch Dust). Wenn die Gebühr für das Ausgeben eines UTXO höher ist als sein Wert, lohnt es sich wirtschaftlich nicht mehr, ihn zu verwenden. Wer viele winzige Beträge empfängt, etwa über sehr kleine Sparplan-Käufe, sollte das im Auge behalten. Manche Angreifer schicken absichtlich winzige Beträge an fremde Adressen, in der Hoffnung, dass der Empfänger sie später mit anderen UTXOs zusammen ausgibt und so seine Adressen verknüpft. Solche Staub-UTXOs lässt man am besten einfach liegen oder friert sie in der Wallet ein.

Spart es Gebühren, immer dieselbe Adresse zu nutzen?

Nein. Adressen sammeln keinen Saldo. Jeder UTXO muss einzeln ausgegeben werden, egal, auf welcher Adresse er liegt. Zehn UTXOs auf einer Adresse kosten beim Ausgeben gleich viel wie zehn UTXOs auf zehn verschiedenen Adressen.

UTXOs und Privatsphäre

Alle Überweisungen sind öffentlich. Wer eine deiner Adressen kennt, kann sehen, was dort ein- und ausgeht. Darum gilt: Nutze für jeden Empfang eine neue Adresse. Moderne Wallets machen das automatisch.

Das UTXO-Modell kann diese Vorsicht aber unterlaufen:

  • Zusammengelegte Eingänge: Gibst du mehrere UTXOs in einer Überweisung aus, zeigst du, dass sie alle dir gehören. Ihre Vorgeschichte ist damit für den Empfänger und alle anderen verknüpft.
  • Erkennbares Wechselgeld: Lässt sich das Wechselgeld identifizieren, kann man verfolgen, was du später damit machst.
  • Konsolidierungen: Sie verraten, dass alle zusammengelegten UTXOs demselben Besitzer gehören – auch für alles, was danach kommt.
  • Grosse Note, kleiner Einkauf: Bezahlst du einen kleinen Betrag mit einem grossen UTXO, sieht der Empfänger, wie viel du besitzt. Wie wenn du ein Kaugummi mit einer Tausendernote bezahlst.

Ein Beispiel: Ein Freund schickt dir 0,01 Bitcoin an eine neue Adresse. Später bezahlst du 0,03 Bitcoin und deine Wallet verwendet dafür den UTXO deines Freundes und zwei weitere. Jetzt kann dein Freund nicht nur sehen, wohin du bezahlt hast, sondern auch die zwei anderen UTXOs und deren Herkunft. Allgemein gilt deshalb: Möglichst wenige UTXOs miteinander verknüpfen und, wo es geht, mit UTXOs bezahlen, die dem Betrag möglichst nahekommen.

Das Wichtigste zum Merken

  • Dein Kontostand ist die Summe aller UTXOs, die zu deinen Schlüsseln gehören.
  • Ein UTXO wird immer ganz ausgegeben; der Rest kommt als Wechselgeld zurück.
  • Die Gebühr ist die Differenz zwischen Eingängen und Ausgängen und hängt von der Zahl der Eingänge ab, nicht vom Betrag.
  • Viele kleine UTXOs werden teuer, wenn die Gebühren steigen – zusammenlegen lohnt sich in ruhigen Zeiten.
  • Jede gemeinsame Ausgabe verrät, dass die UTXOs demselben Besitzer gehören.

Selbst bestimmen: Coin Control

Eine einzige richtige Strategie gibt es nicht. Es ist eine Abwägung zwischen Gebühren und Privatsphäre, und jede und jeder muss sie selbst treffen. Wer es genau nehmen will, nutzt Coin Control: Damit bestimmst du selbst, welche UTXOs für eine Zahlung verwendet werden, und kannst gezielt zusammenlegen oder bestimmte UTXOs auseinanderhalten.

Viele Wallets bieten das an. In der App zur BitBox lässt sich Coin Control in den erweiterten Einstellungen einschalten. Besonders übersichtlich ist die Computer-Wallet Sparrow:

  • Sie zeigt alle UTXOs und die Ein- und Ausgänge jeder Überweisung klar an.
  • Einzelne UTXOs lassen sich «einfrieren», damit sie nicht versehentlich ausgegeben werden.
  • Statt einer auf Gebühren optimierten Auswahl kann man eine auf Privatsphäre ausgerichtete wählen.
  • Sie funktioniert mit den meisten Hardware-Wallets, auch mit der BitBox.

Hilfreich ist auch, UTXOs zu beschriften: zum Beispiel, ob sie von einer Plattform mit Ausweiskontrolle stammen oder privat erworben wurden. So kannst du später bewusst entscheiden, welche UTXOs du gemeinsam ausgibst und welche besser getrennt bleiben. Wer noch mehr Privatsphäre will, kann sogenannte CoinJoins nutzen, bei denen mehrere Personen ihre UTXOs in einer gemeinsamen Überweisung mischen. Das ist allerdings etwas für Fortgeschrittene.

Für den Anfang musst du dich um all das nicht kümmern. Gut zu wissen ist es trotzdem – spätestens, wenn sich über einen Sparplan viele kleine Beträge angesammelt haben.

Keine Finanz- oder Steuerberatung.

Willkommen