Was passiert eigentlich mit einer Bitcoin-Überweisung, nachdem du in deiner Wallet auf «Senden» gedrückt hast? Sie landet nicht sofort in der Blockchain, sondern wartet zuerst im sogenannten Mempool – bis ein Miner sie in einen Block aufnimmt. Was es damit auf sich hat und was das für deine Gebühren bedeutet, erkläre ich hier.
Der Mempool in Kürze
«Mempool» ist die Kurzform von «Memory Pool», auf Deutsch etwa Speicherbecken. Es ist der Wartebereich für Überweisungen, die zwar gültig sind, aber noch auf ihre Bestätigung warten. Der Mempool hängt eng mit dem Mining zusammen: Aus ihm wählen die Miner die Überweisungen für den nächsten Block aus.
Es gibt nicht «den einen» Mempool
Erhält ein Knoten im Bitcoin-Netzwerk eine neue Überweisung, prüft er sie zuerst: Entspricht sie den Regeln? Gibt es die verwendeten Bitcoin wirklich, und wurden sie noch nicht ausgegeben? Sind die Signaturen gültig? Ungültige Überweisungen – etwa solche, die mit einer anderen in Konflikt stehen, nicht gedeckt sind oder eine falsche Signatur haben – werden verworfen.
Gültige Überweisungen speichert der Knoten in seinem Mempool und leitet sie an andere Knoten weiter. Das geht schnell, aber nicht augenblicklich. Deshalb kennt nicht jeder Knoten im selben Moment dieselben Überweisungen. Genau genommen gibt es also nicht den Mempool, sondern viele: Jeder Knoten hat seinen eigenen, und die meisten sind sich sehr ähnlich. Die geprüften Überweisungen bleiben dort, bis ein Miner sie in einen Block aufnimmt.
Wer kommt in den nächsten Block?
Welche Überweisungen in einen Block kommen, entscheiden die Miner. Ihr wichtigstes Kriterium ist die Gebühr. Denn die Gebühren bilden zusammen mit den neu geschaffenen Bitcoin die Belohnung, die ein Miner für einen gefundenen Block erhält – mehr dazu in Block Reward, Subsidy und Coinbase-Transaktion.
Der Platz in einem Block ist begrenzt. Seit dem Upgrade SegWit gilt statt der früheren Grenze von 1 Megabyte ein Gewichtslimit von 4 Millionen Einheiten. Miner haben deshalb einen wirtschaftlichen Anreiz, den Platz so zu füllen, dass sie möglichst viel verdienen: Sie nehmen zuerst die Überweisungen mit der höchsten Gebühr pro Platz, gemessen in Satoshi pro virtuellem Byte (sat/vB).
Den Mempool beobachten
Auf sogenannten Block-Explorern wie mempool.space kannst du den Mempool live verfolgen. Für jede wartende Überweisung siehst du dort:
- die Transaktions-ID (TxID), so etwas wie der Fingerabdruck der Überweisung,
- die Zahl der Eingänge und Ausgänge,
- den überwiesenen Gesamtbetrag,
- die Gebühr insgesamt und pro virtuellem Byte,
- die Grösse, also wie viel Platz im Block die Überweisung braucht.
Einen Überblick über die wartenden Blöcke, die aktuellen Gebühren und die Grösse des Mempools findest du auch direkt auf meiner Bitcoin-Seite.
Alle einsteigen, bitte!
Man kann sich den Mempool wie einen grossen Busbahnhof vorstellen. Die Überweisungen sind die Fahrgäste, die Blöcke die Busse, die etwa alle zehn Minuten abfahren. Jeder Bus hat nur eine bestimmte Zahl Plätze. Einsteigen darf zuerst, wer am meisten bezahlt.
Ist wenig los, kommt jede und jeder mit dem nächsten Bus mit, auch mit einem günstigen Ticket. Drängen sich aber viele Fahrgäste am Bahnhof, werden die Wartezeiten länger, und wer schnell mitwill, muss mehr bezahlen. Wer zu wenig bietet, wartet vielleicht stundenlang oder sogar Tage.
Tipps zu den Gebühren
- Nicht zu knapp bemessen: Mit einer zu tiefen Gebühr kann deine Überweisung lange im Mempool hängen bleiben, bis die durchschnittlichen Gebühren wieder sinken. Ist der Mempool sehr voll, werfen die Knoten die günstigsten Überweisungen irgendwann hinaus; die meisten Knoten tun das auch nach rund zwei Wochen ohne Bestätigung.
- Erneut senden: Fällt eine Überweisung aus dem Mempool, ist sie nicht verloren. Ist sie noch gültig, kann sie erneut verschickt werden. Die Bitcoin bleiben so lange einfach, wo sie waren.
- Gebühr nachträglich erhöhen: Mit «Replace by Fee» (RBF) ersetzt du eine noch unbestätigte Überweisung durch eine neue Version mit höherer Gebühr. Das macht sie für Miner attraktiver. Viele Wallets bieten dafür einen Knopf «Gebühr erhöhen».
- Kind zahlt für Eltern: Ist die wartende Überweisung an dich gegangen, kannst du das Wechselgeld oder den empfangenen Betrag gleich weiterverwenden und dabei eine hohe Gebühr zahlen. Miner nehmen dann beide zusammen auf. Das heisst «Child pays for Parent» (CPFP).
- Abbrechen: Eine unbestätigte Überweisung lässt sich endgültig ungültig machen, indem man einen ihrer Eingänge in einer anderen Überweisung ausgibt – meist mit RBF an sich selbst zurück.
Die richtige Gebühr finden
Bevor du sendest, lohnt ein Blick auf die aktuelle Lage. Ist wenig los, musst du nicht zu viel bezahlen – oft genügen wenige Satoshi pro vB. Zu Spitzenzeiten kann sich eine höhere Gebühr lohnen, wenn du nicht lange warten willst. Explorer wie mempool.space zeigen dir, mit welcher Gebühr du voraussichtlich im nächsten Block, in einer halben Stunde oder in einer Stunde dabei bist. Wenn es nicht eilt, kannst du auch einfach eine tiefe Gebühr wählen und warten, bis am Wochenende oder nachts weniger los ist.
Die meisten Wallets schlagen die Gebühr automatisch vor. Für den Alltag ist das völlig in Ordnung.
Wozu der Mempool gut ist
Der Mempool sorgt dafür, dass wartende Überweisungen gespeichert bleiben, bis sie in einen Block passen, und liefert den Minern das Material für neue Blöcke. Gleichzeitig schützt er das Netzwerk: Weil jede Überweisung vorher geprüft wird und eine Mindestgebühr kostet, ist es teuer, das Netzwerk mit massenhaft winzigen Überweisungen zu überfluten, um es lahmzulegen.