Der Streit zwischen Real Madrid und LaLiga-Präsident Javier Tebas hat am 16.10.2026 eine neue Stufe erreicht. Tebas verglich in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken das Vorgehen der Klubführung und von Real Madrid TV mit Propagandamethoden, wie sie Joseph Goebbels, der Propagandaminister des nationalsozialistischen Deutschlands, eingesetzt habe. Real Madrid reagierte noch am selben Tag mit einer offiziellen Mitteilung und verlangt, dass Tebas sofort als Präsident von LaLiga und als Vizepräsident des spanischen Verbands RFEF zurücktritt. Bereits Anfang Oktober hatte Tebas Real Madrid TV im Zusammenhang mit dem Fall Negreira eine falsche Darstellung vorgeworfen.
Was Tebas geschrieben hat
Laut der Nachrichtenagentur EFE, deren Meldung Yahoo Noticias wiedergibt, warf Tebas dem Klub vor, stets nach demselben Muster vorzugehen und nur die Spielszenen auszuwählen, die ihm passten. Diese Methode erinnere an Mechanismen der Propaganda, die Goebbels genutzt habe. Im selben Beitrag präzisierte er, der Vergleich gelte den Propagandatechniken, nicht einer Ideologie und nicht den Anhängern von Real Madrid. Laut Fox Sports bezeichnete Tebas die Klubführung zudem als Orchester, dessen wichtigstes Sprachrohr der Klubsender sei. Anlass waren laut EFE Berichte eines Onlinemediums über die kritische Haltung des Klubs gegenüber LaLiga, dem Schiedsrichterwesen und dem Verband.
Die Mitteilung von Real Madrid
In der Mitteilung auf realmadrid.com bezeichnet der Klub den Vergleich als absolut unerträglich und äusserst schwerwiegend. Die nachgeschobene Klarstellung ändere nichts: Laut der von EFE zitierten Passage nennt Real Madrid Tebas‘ Aussagen zutiefst beleidigend, moralisch verwerflich und seines Amtes unwürdig. Der Klub wirft Tebas fehlende Neutralität vor, die mit seinen Funktionen unvereinbar sei, und kritisiert, dass er Fragen und Meinungen von Journalisten für Angriffe auf Real Madrid nutze.
Die Mitteilung enthält drei Forderungen: den sofortigen Rücktritt von Tebas aus beiden Ämtern, vollständige Aufklärung durch die UEFA über die Zahlungen des FC Barcelona an den früheren Vizepräsidenten des Schiedsrichterkomitees sowie eine umfassende Erneuerung des Schiedsrichtersystems und der Strukturen des Verbands für Führung, Aufsicht und Disziplin. Verantwortliche aus jener Zeit sollen laut Klub ersetzt werden.
Hintergrund: der Fall Negreira
Im Fall Negreira geht es um Zahlungen des FC Barcelona an José María Enríquez Negreira, den früheren Vizepräsidenten des Comité Técnico de Árbitros, also des technischen Schiedsrichterkomitees des Verbands. Laut Euronews belaufen sich die Zahlungen zwischen 1993 und 2018 auf € 8,4 Mio.; der Fall wurde 2023 öffentlich. Real Madrid hat sich in der Sache an die UEFA gewandt. Tebas deutet laut Euronews an, der Klub gehe gegen Barcelona vor, weil sich dieser von der Superliga distanziert habe. Er hält Real Madrid zudem vor, seit Jahren seinen Rücktritt zu verlangen und ihn über Real Madrid TV anzugreifen.
Mourinho: «Es gibt Grenzen»
Trainer José Mourinho wurde am 17.10. an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Sevilla auf Tebas angesprochen. Er wollte das Thema nicht vertiefen, sagte aber, es gebe Grenzen. Laut Fichajes.net meinte er, solche Worte seien «nur entschuldbar, wenn es ein klinischer Fall ist» (übersetzt aus dem Spanischen). Laut dem Bericht von realmadrid.com äusserte Mourinho den Wunsch, die Debatte nicht ins Ausland zu tragen, um dem Ansehen des spanischen Fussballs nicht zu schaden. Die Anhänger verstünden immer besser, womit der Klub konfrontiert sei.
Was offen ist
Eine Reaktion von LaLiga oder der RFEF auf die Rücktrittsforderung lag in den abgerufenen Berichten bis zum Morgen des 17.10. nicht vor; auch eine Entschuldigung von Tebas ist nicht dokumentiert. elDiario.es und Vozpópuli berichten übereinstimmend über Tweet und Mitteilung. Sportlich steht für Real Madrid am 18.10. um 21:00 Uhr das Heimspiel gegen Sevilla an, am 25.10. folgt der Clásico in Barcelona.



