Kurz gesagt
- Geld hat sich über Jahrtausende stetig weiterentwickelt.
- Geld muss drei Aufgaben erfüllen: Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel.
- Ob Bitcoin schon Geld ist oder es werden kann, ist eine der meistdiskutierten Fragen rund um Bitcoin.
Die Frage wirkt banal: Wir benutzen Geld jeden Tag. Die meisten denken dabei an Münzen und Noten im Portemonnaie oder an den Kontostand in der Banking-App. Doch was Geld eigentlich ausmacht, ist gar nicht so einfach zu beantworten – zumal das Wort im Alltag für ganz verschiedene Dinge gebraucht wird. Wer verstehen will, warum Bitcoin entstanden ist, sollte zuerst verstehen, was Geld überhaupt leisten muss.
Die drei Aufgaben des Geldes
Tausch- und Zahlungsmittel
Geld wird allgemein akzeptiert, wenn man Waren oder Dienstleistungen kauft oder verkauft. Ohne Geld müsste man tauschen – und Tauschen ist mühsam. Stell dir vor, Anna hat einen Apfelbaum und Beat ist Imker mit viel überschüssigem Honig. Ein Tausch kommt nur zustande, wenn Anna gerade Honig will und Beat gleichzeitig Äpfel. Fachleute nennen das die «doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse». Will Beat lieber Brot, müsste Anna zuerst ihre Äpfel gegen Brot tauschen – vorausgesetzt, die Bäckerin will Äpfel. Geld löst dieses Problem: Anna verkauft ihre Äpfel an irgendwen und kauft mit dem Geld, was sie will.
Recheneinheit
Geld macht Werte vergleichbar. In einer Tauschwirtschaft bräuchte jedes Gut einen Preis in jedem anderen Gut: Wie viele Äpfel kostet ein Glas Honig, wie viele Brote ein Paar Schuhe? Die Zahl solcher Tauschverhältnisse wächst rasant. Bei 10 Gütern sind es 45, bei 100 Gütern schon 4'950 und bei 1'000 Gütern fast eine halbe Million. Mit Geld braucht jedes Gut nur noch einen einzigen Preis. So lässt sich auf einen Blick vergleichen, ob ein Tag Arbeit oder ein Auto mehr wert ist.
Wertaufbewahrungsmittel
Wer etwas verkauft, erhält Geld, das den Wert der geleisteten Arbeit oder der verkauften Ware speichert. Dieses Geld kann man sparen und später ausgeben. Das funktioniert aber nur, wenn die Kaufkraft stabil bleibt. Steigen die Preise, bekommt man später für dasselbe Geld weniger Waren, als man einst geliefert hat. Dann wird Sparen zum Verlustgeschäft – und auch die Funktion als Tauschmittel leidet, weil niemand Geld annehmen will, das an Wert verliert.
Wenn die Aufgaben auseinanderfallen
In normalen Zeiten erfüllt dasselbe Geld alle drei Aufgaben. In Krisen kann das auseinanderfallen. Ein bekanntes Beispiel ist die deutsche Hyperinflation zu Beginn der 1920er-Jahre: Preise wurden in Dollar berechnet, bezahlt wurde mit der wertlos werdenden Mark, und gespart wurde in Sachwerten oder fremden Währungen. Ähnliches sieht man heute in Ländern mit hoher Inflation wie Argentinien, wo viele Menschen in Dollar rechnen und sparen.
Währung ist nicht dasselbe wie Geld
Oft werden die Begriffe Geld und Währung gleichgesetzt. Genau genommen bezeichnet eine Währung die rechtliche und institutionelle Ordnung des Geldes in einem Staat. In der Schweiz ist das der Franken, festgelegt im Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel und herausgegeben von der Schweizerischen Nationalbank. Währungen sind gesetzlich verankert und werden meist von einer zentralen Stelle ausgegeben, einem Staat oder einer Währungsunion.
Geld dagegen ist das, was Menschen tatsächlich als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertspeicher verwenden. Eine Währung kann ihren Wert über die Zeit verändern, gutes Geld sollte ihn möglichst behalten. Und Geld muss nicht vom Staat kommen: Auch Private oder Gemeinschaften können eigenes Geld schaffen.
Vom Tauschhandel zum Gold
Über Jahrtausende tauschten Menschen Waren direkt: Brot gegen Milch, Getreide gegen Felle. Mit der Zeit setzten sich bestimmte Güter als Tauschmittel durch, weil sie viele haben wollten – Muscheln, Salz, Vieh oder Metalle. Sie waren gewissermassen frühe Währungen. Das Grundproblem des Tauschhandels lösten sie aber nur teilweise.
Rund 2000 Jahre vor Christus begannen Menschen, Gold als gemeinsames Geld zu verwenden. Gold erfüllt alle drei Aufgaben hervorragend:
- Wertaufbewahrung: Gold verdirbt nicht, rostet nicht und lässt sich nicht beliebig herstellen. Seine Menge ist begrenzt, und neues Gold zu fördern, kostet viel Energie.
- Transport: Gold ist sehr dicht (19,3 Gramm pro Kubikzentimeter). Viel Wert passt in wenig Platz.
- Recheneinheit: Jede Unze reines Gold ist gleich viel wert wie jede andere. Das macht Gold gut teilbar und vergleichbar.
Wie Gold über die Jahrhunderte zum Fundament des Geldsystems wurde und warum es später abgelöst wurde, erzähle ich in Vom Gold- zum Bitcoin-Standard.
Ist Bitcoin Geld?
Bitcoin erfüllt noch nicht alle Eigenschaften von Geld vollständig. Er ist aber gut aufgestellt, es zu werden.
Was dafür spricht
- Knappheit: Es wird nie mehr als knapp 21 Millionen Bitcoin geben. Damit ist Bitcoin das knappste Gut, das wir kennen. Ändern liesse sich das nur, wenn sich praktisch alle Teilnehmenden weltweit darauf einigen würden – was mit jedem neuen Nutzer unwahrscheinlicher wird. Genau darin liegt die Stärke eines dezentralen Systems.
- Hartes Geld: Nach der Österreichischen Schule der Ökonomie setzt sich auf einem freien Markt das «härteste» Geld durch – jenes, dessen Menge sich am schwersten vermehren lässt. Nach diesem Massstab ist Bitcoin das härteste Geld, das es je gab.
- Wertaufbewahrung: Über die Jahre hat Bitcoin seine Kaufkraft eindrücklich gesteigert. Kurzfristig schwankt der Kurs allerdings stark. Diese Schwankungen sind typisch für eine junge Anlage, deren Nachfrage noch stark wechselt, und dürften mit zunehmender Verbreitung abnehmen.
- Transport: Bitcoin lässt sich in Minuten über jede Distanz senden – unvergleichlich einfacher als Gold.
- Teilbarkeit: Ein Bitcoin lässt sich in 100 Millionen Satoshi teilen. Damit wären selbst Preise für Kleinigkeiten problemlos darstellbar.
Was noch fehlt
- Allgemeine Akzeptanz: Immer mehr Menschen und Geschäfte nutzen Bitcoin, von einer allgemeinen Akzeptanz ist er aber noch weit entfernt. In der Schweiz kann man zwar in Lugano oder Zug sogar Steuern in Bitcoin bezahlen, im Alltag ist das aber die Ausnahme.
- Recheneinheit: Ausser unter Bitcoin-Fans werden Preise kaum in Bitcoin oder Satoshi angegeben. Selbst Läden, die Bitcoin annehmen, zeigen ihre Preise in Franken.
Viele gehen davon aus, dass Bitcoin diese Stufen der Reihe nach durchläuft: Zuerst wird er als Wertspeicher genutzt – das ist heute schon weit verbreitet –, dann zunehmend als Tauschmittel und erst am Ende als Recheneinheit. Ob es so kommt, wird sich zeigen. Welche Eigenschaften gutes Geld genau ausmachen und wie Bitcoin im Vergleich mit Franken und Gold abschneidet, erkläre ich in Eigenschaften von gutem Geld.