Der FC Sevilla hat nach dem 1:4 im Bernabéu eine förmliche Beschwerde beim Departamento de Competiciones von LaLiga eingereicht, also der Abteilung, die den Spielbetrieb organisiert. Unterzeichnet hat sie Präsident José María del Nido Carrasco. Im Zentrum steht die TV-Produktion des Spiels vom Sonntag: Sevilla wirft LaLiga vor, umstrittene Szenen zu Ungunsten der Gäste unzureichend gezeigt zu haben. Zuvor hatte LaLiga-Produktionschef Sergio Carranza erklärt, warum es von Gülers Armeinsatz gegen Peque keine nahe Einstellung gab.
Vier Szenen im Fokus
Laut The Objective nennt Sevilla vier Situationen. Erstens ein mögliches Foul von Marc Cucurella an Peque im Strafraum, zu dem es zu wenige Wiederholungen gegeben habe. Zweitens Arda Gülers Ellbogen gegen Peque, der nur in der Weitwinkelaufnahme und ohne Vergrösserung zu sehen gewesen sei. Drittens ein Zusammenprall zwischen Ibrahima Konaté und Robbie Ure vor dem zweiten Madrider Tor. Viertens, als Gegenbeispiel, der Elfmeter für Real Madrid an Kylian Mbappé, der aus mehreren Blickwinkeln wiederholt worden sei.
Daraus leitet Sevilla eine ungleiche Behandlung ab. Der Klub kritisiert zudem, dass die strittigen Szenen in der offiziellen Zusammenfassung fehlten, obwohl Aufnahmen der Sender Movistar Plus+ und DAZN existierten. Die von LaLiga dargelegten Regiekriterien lehnt Sevilla ab.
Die Forderungen
Sevilla verlangt eine ausführliche, dokumentierte Antwort zum Produktionsplan: welche Kameras wo standen, welche toten Winkel es gab und wer verantwortlich war. Gefordert werden ausserdem die vollständigen Originalaufnahmen der vier Szenen, deren Sicherung sowie die Regiehandbücher. beIN Sports berichtet, Sevilla wolle das Material auch deshalb gesichert wissen, weil rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen seien. Zudem fordert der Klub eine Untersuchung samt Klärung der Verantwortlichkeiten und die Garantie, dass alle Klubs unabhängig von Stadion und Gegner gleich behandelt werden.
Treffen mit dem Schiedsrichterkomitee
Am Dienstag traf sich del Nido Carrasco mit Vertretern des Comité Técnico de Árbitros (CTA), dem Gremium, das die Schiedsrichter in Spanien führt. Laut beIN Sports verlief das Gespräch respektvoll, eine Einigung über die Bewertung der Szenen gab es aber nicht. Sevilla selbst sprach laut The Objective von klar abweichenden Standpunkten. Das CTA blieb bei seiner Linie, dass es für einen VAR-Eingriff bei Güler keine ausreichend klaren Bilder gegeben habe. Genau diesen Bildmangel will Sevilla untersucht haben.
Reaktion aus Madrid
Konaté sagte an der Pressekonferenz vor dem Leipzig-Spiel, er habe die Diskussionen nicht verfolgt; der Zusammenstoss mit Ure sei für ihn offensichtlich kein Foul gewesen. Real Madrid TV kritisierte am Montag, dass in den Medien über Gülers Szene diskutiert werde, und verwies darauf, dass Peque Güler zuvor mehrfach festgehalten habe. Eine Stellungnahme von LaLiga zur Beschwerde enthalten die abgerufenen Berichte nicht.
Was folgt
Die Beschwerde richtet sich formell an LaLiga und deren TV-Produktion. Wie LaLiga darauf antwortet, ist offen. Real Madrid spielt am Mittwoch in der Champions League gegen Leipzig und am Sonntag im Clásico beim FC Barcelona.


