Beim 4:1 von Real Madrid gegen Sevilla am 18.10. hat eine Szene aus der 22. Minute den Abend aus Sicht der Gäste geprägt: Peque ging nach einem Armeinsatz von Arda Güler zu Boden, Schiedsrichter Mateo Busquets Ferrer liess weiterspielen, und der VAR empfahl keine Überprüfung am Bildschirm. Acht Minuten später erzielte Güler das 1:0. Sevillas Trainer Luis García Plaza verlangte nach dem Spiel, Güler hätte vom Platz gestellt werden müssen, und stellte einen Zusammenhang mit dem Clásico am kommenden Sonntag her.
Die Szene
Laut Defensa Central versuchte Peque, einen Konter von Real Madrid zu unterbinden, und hielt Güler am Trikot. Der Türke drehte sich mit dem Arm aus dem Griff, Peque fiel. Die Sevilla-Spieler protestierten, Busquets Ferrer gab weder Foul noch Karte. Der VAR sah sich die Szene an, rief den Schiedsrichter aber nicht an den Monitor. Die TV-Bilder zeigten laut Defensa Central weder klar den Treffpunkt noch die Intensität des Kontakts; auch Goal schreibt, trotz vieler Kameras habe keine Einstellung den Ellbogen eindeutig gezeigt.
Sevilla: «VAR zu 100 Prozent»
Schon zur Pause sprach Innenverteidiger Kike Salas bei Movistar von einer klaren Roten Karte. Er räumte ein, die Szene selbst noch nicht genau gesehen zu haben, und berief sich auf Peque: Dieser habe ihm gesagt, er sei mit dem Ellbogen getroffen worden, und er vertraue ihm. Nach dem Spiel legte García Plaza nach. Er übernahm die Schlagzeile der Sevilla-Website «Codazo y se acabó» (sinngemäss: «Ellbogen, und das war’s») und bezeichnete die Szene laut VAVEL als «zu 100 Prozent sehr klar für den VAR» (übersetzt aus dem Spanischen).
Die Frage, warum der VAR nicht eingegriffen habe, beantwortete er laut beIN Sports mit einer Andeutung: Vielleicht, damit Real Madrid nicht mit neun Punkten Rückstand in den Clásico gehe. Belege nannte er keine. Bei einem Sieg Sevillas wäre der Abstand zu Leader Barcelona auf neun Punkte angewachsen; so sind es sechs. García Plaza räumte zugleich ein, Real Madrid sei bei elf gegen elf überlegen gewesen und sein Team nach dem 0:1 eingebrochen. Er behaupte nicht, dass Sevilla mit einem Mann mehr gewonnen hätte, man sei aber um ein Spiel elf gegen zehn gebracht worden. Zudem sah er vor dem 2:0 ein Foul an Robbie Ure.
Mourinho: «Kein einziges Bild»
José Mourinho erklärte, er habe die Szene während des Spiels mit seinem Assistenten auf dem Tablet gesucht und nichts gefunden. Laut Yahoo Sports sagte er, niemand habe ihm zeigen können, was angeblich passiert sei. Er habe Analysten und TV-Leute gefragt. Werde ihm bis zur Pressekonferenz am Samstag ein klares Bild gezeigt, werde er sich dazu äussern und auch eine Entscheidung zugunsten von Real Madrid öffentlich einräumen. Angst, Güler für den Clásico zu verlieren, habe er nicht gehabt, sagte er laut Defensa Central. Zu den übrigen Klagen von García Plaza wollte er sich nicht äussern.
Gegenstimmen und Einordnung
Im Umfeld von Real Madrid sorgt die Forderung nach Rot laut Defensa Central für Unmut: Güler habe sich nur aus dem Trikotgriff gelöst, und als Huijsen vor rund drei Wochen in Elche einen Ellbogen abbekommen habe, sei nichts gepfiffen worden und niemand habe sich beschwert. Eine offizielle Stellungnahme des Klubs gibt es nicht. Movistar-Kommentator Carlos Martínez sagte dagegen laut Defensa Central, aus Madrider Sicht werde es keine Klagen geben, weil alle strittigen Szenen zugunsten von Real Madrid ausgefallen seien; den Penalty zum 3:0 hielt er für zu wenig.
Ein Verfahren gegen Güler ist nicht bekannt. Real Madrid spielt am Mittwoch, 21.10., in der Champions League gegen RB Leipzig und am Sonntag, 25.10., um 21:00 Uhr in Barcelona.


