Im Streit um die Szene zwischen Arda Güler und Peque beim 4:1 gegen Sevilla haben sich am Montag, 19.10., sowohl das Technische Schiedsrichterkomitee (CTA) als auch der TV-Produzent der Liga erklärt. Kernaussage beider Seiten: Es gibt keine Einstellung, auf der zu sehen ist, wo und womit Güler seinen Gegenspieler in der 22. Minute getroffen hat. Deshalb habe der VAR keine Überprüfung empfohlen. Der Streit dreht sich seither weniger um Güler als um die Bildregie von LaLiga.
Das Schiedsrichterkomitee: «keine Evidenz»
Erste Erklärungen kamen laut Defensa Central schon am Sonntagabend von nicht namentlich genannten CTA-Quellen, die der Reporter Héctor González im «Carrusel Deportivo» von Cadena SER wiedergab. Demnach hat der Video-Schiedsrichter Zugriff auf dieselben Kameras wie die TV-Produktion und keine eigenen. Er habe alle Einstellungen geprüft, die Szene sei aber auf keiner scharf zu sehen gewesen. Laut El Debate lautete die Begründung sinngemäss, wenn der VAR nicht eingreife, gebe es keine eindeutige und unbestreitbare Evidenz für eine Tätlichkeit. Eine offizielle schriftliche Stellungnahme des CTA gibt es nicht.
Der Produzent: «Kein Ball in der Nähe»
Am Montag äusserte sich laut Orgullo Biri auch Sergio Carranza, bei LaLiga verantwortlich für die redaktionelle Bildregie. Man habe im Moment der Szene entschieden, keine Wiederholung zu zeigen, sagte er, und wies den Verdacht zurück, Bilder seien zurückgehalten worden. Es gebe nicht für jeden Spieler eine eigene Kamera; entscheidend sei gewesen, dass der Ball rund 30 Meter entfernt war. Die meisten Kameras im Bernabéu folgen dem Ball, die Szene selbst wurde nur von weiten und taktischen Einstellungen erfasst. Laut beIN Sports zeigten nur drei Kameras den Vorfall: eine hinter dem Tor, die Seilkamera über dem Feld und eine Abseitskamera. Unter Berufung auf LaLiga-Quellen, die Marca zitiert, habe die Produktionsfirma Global Futbol Production dem VAR dasselbe Signal geliefert wie den Sendern, ein Fehler in der Produktion sei nicht passiert.
Wie viele Kameras? Drei Angaben
Zur Zahl der Kameras im Stadion gibt es unterschiedliche Angaben. beIN Sports schreibt, keine der 23 Kameras habe ein schlüssiges Bild geliefert. Orgullo Biri spricht von rund 25 bis 26 Kameras im Bernabéu. Der frühere Schiedsrichter Eduardo Iturralde González sagte laut Sport Aragón bei Cadena SER, ein Stadion der höchsten Kategorie verfüge über 32 Kameras, und nannte die Lage für eine Liga, die sich als beste der Welt bezeichne, «erbärmlich» (übersetzt aus dem Spanischen). Laut El Debate ordnete COPE-Moderator Juanma Castaño ein, das Bild werde von der Liga produziert, und niemand könne in die Regie eines Spiels eingreifen.
Sevilla bleibt bei seiner Sicht
Sevilla, das nach dem Spiel Rot für Güler gefordert hatte, reagierte in den sozialen Netzwerken ironisch: Laut Sport Aragón kündigte der Klub mit einem Popcorn-Emoji an, man freue sich auf «Tiempo de revisión», die Sendung, in der das CTA strittige Szenen erklärt. Ob die Güler-Szene dort behandelt wird, ist offen. Verteidiger Juan Iglesias sprach laut El Debate von einer Aktion, die ihm wie eine «Aggression» erschienen sei (übersetzt aus dem Spanischen). Dieselbe Zeitung wirft Sevilla doppelte Massstäbe vor: Als Rodri beim 1:3 gegen Barcelona im Sánchez-Pizjuán Robbie Ure mit dem Ellbogen getroffen habe, hätten Klub, Trainer und Spieler geschwiegen.
Mourinho wartet weiter auf ein Bild
José Mourinho hatte nach dem Spiel gesagt, er habe die Szene bei seinen Analysten und beim Fernsehen gesucht und kein Bild gefunden, das den Vorwurf belege. Laut Football España will er sich äussern, sollte ihm bis zur nächsten Liga-Pressekonferenz am Samstag ein eindeutiges Bild gezeigt werden. Ein Disziplinarverfahren gegen Güler ist bis heute nicht bekannt. Real Madrid spielt am Mittwoch, 21.10., um 21:00 Uhr in der Champions League gegen RB Leipzig und am Sonntag, 25.10., in Barcelona.


