Der spanische Sportrat CSD hat Javier Tebas' Äusserungen über Real Madrid TV dem Sportverwaltungsgericht TAD vorgelegt. Tebas bleibt bei seiner Position.
Der spanische Sportrat (Consejo Superior de Deportes, CSD), die Sportbehörde der Regierung, hat am Donnerstag, 22.10.2026, von sich aus ein Verfahren gegen LaLiga-Präsident Javier Tebas angestossen. Er legte dem Tribunal Administrativo del Deporte (TAD) ein begründetes Gesuch vor. Das TAD ist das staatliche Sportverwaltungsgericht, das in Spanien über Disziplinarfälle von Sportfunktionären entscheidet. Es soll prüfen, ob Tebas‘ Vergleich der Kommunikation von Real Madrid TV mit den Propagandamethoden von Joseph Goebbels eine schwere Verfehlung darstellt.
Was der CSD verlangt
Laut einer Agenturmeldung, die Infobae veröffentlicht hat, stützt sich der CSD auf Artikel 76.4.b des Sportgesetzes von 1990 (Ley 10/1990 del Deporte). Dieser stuft öffentliche und offenkundige Handlungen, welche die «Würde oder den Anstand im Sport» verletzen, als schwere Verstösse ein. Der CSD fragt das Gericht, ob «Indizien» für einen solchen Verstoss vorliegen; er beruft sich auf die bisherige Rechtsprechung des TAD, wonach Würde und Anstand einen Rahmen des zivilisierten Zusammenlebens im Sport voraussetzen. Laut Libertad Digital betonte der CSD zugleich, das TAD sei ein unabhängiges Kollegialgericht. Welche Strafe Tebas drohen könnte, nennt keine der Quellen; bis wann das TAD entscheidet, ist ebenfalls offen.
Die Äusserungen vom 16. Oktober
Tebas, zugleich Vizepräsident des spanischen Verbands RFEF, hatte am 16.10.2026 auf X die Berichterstattung von Real Madrid TV kritisiert. Der Klubsender stelle Real Madrid stets als Opfer dar, wähle passende Szenen aus, wiederhole Klagen und lasse Zusammenhänge weg. Diese Methoden erinnerten an Propagandamechanismen, wie sie Goebbels, der Propagandaminister des nationalsozialistischen Deutschlands, genutzt habe. In einer Präzisierung schrieb er, der Vergleich beziehe sich auf Techniken wie systematische Wiederholung und den Aufbau eines Feindbilds, nicht auf eine Ideologie und nicht auf die Fans. Real Madrid forderte noch am selben Tag seinen sofortigen Rücktritt.
Uribes: «Rote Linien»
CSD-Präsident José Manuel Rodríguez Uribes hatte schon am 16.10. angekündigt, ein Vorgehen zu prüfen. Laut Libertad Digital forderte er Tebas auf, sich zu entschuldigen. Die Meinungsfreiheit habe in Spanien sehr weite Grenzen, schliesse aber Nazi- oder Goebbels-Vergleiche gegen einen Klub der eigenen Liga nicht ein; als Ligapräsident trage Tebas eine «doppelte Verantwortung». Im Radiosender RNE sagte der CSD laut Infobae, es gebe Linien, die man nicht überschreiten dürfe (übersetzt aus dem Spanischen).
Tebas bleibt dabei
Tebas reagierte noch am Donnerstag auf X und bekräftigte seine Haltung. Laut Infobae schrieb er, die Verteidigung des Wettbewerbs verlange auch, jenen zu antworten, die ihn ständig in Verruf brächten; das gehöre zu seiner Verantwortung, und er werde sie weiter wahrnehmen. Sein ursprünglicher Beitrag habe ausdrücklich zwischen Propagandatechniken und Ideologie unterschieden. Er vertraue darauf, dass das TAD den gesamten Inhalt und Zusammenhang würdige, und schloss den Gang vor ordentliche Gerichte nicht aus.
Zugleich ging Tebas zum Gegenangriff über. Er warf dem CSD vor, zu den Vorwürfen der Klubführung von Real Madrid und ihres Senders zu schweigen, die dem Schiedsrichterwesen Korruption und der Liga einen «verfälschten» Wettbewerb unterstellten. Solche Aussagen schadeten der Würde des Fussballs, der Klubs, der Schiedsrichter und der Fans. Das Verfahren bezeichnete er als «eines mehr» und erinnerte an den Fall Olmo, nach dem man ihm ebenfalls ein Ende vorhergesagt habe.
Einordnung und Vorgeschichte
Der Streit ist Teil der Auseinandersetzung um den Fall Negreira, die Zahlungen des FC Barcelona an den früheren Vizepräsidenten des Schiedsrichterkomitees. Tebas hatte Real Madrid TV schon Anfang Oktober eine falsche Erzählung vorgeworfen; im Bernabéu protestierten Fans in den vergangenen Spielen mit Transparenten und Sprechchören gegen ihn. Laut Infobae hatte AS am 21.09. berichtet, der Untersuchungsführer des Verbands habe vorgeschlagen, ein früheres verbandsinternes Verfahren gegen Tebas mit Verweis auf die Meinungsfreiheit einzustellen. Real Madrid hat sich zum Schritt des CSD bisher nicht öffentlich geäussert.